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02.03.2013
Paderborn
100 Gemälde von Lucas Cranach bis Wilhelm Trübner in Schloß Neuhaus
Lebenswarme Porträts
VON ANKE GROENEWOLD

Skurril

Paderborn/Schloß Neuhaus. Sie hat ein leichtes Lächeln um den Mund und wirkt sympathisch. Margarete von Österreich ist Statthalterin und trägt seit dem Tod ihres geliebten Mannes Philibert Witwentracht. Ihre etwas ungelenk wirkenden Hände halten wohl einen Handschuh. Lucas Cranach der Ältere malte dieses Porträt um 1530. Es ist zurzeit in der Städtischen Galerie in der Reithalle in Paderborn-Schloß Neuhaus zu sehen.

Cranach malte das Bild vermutlich aus Anlass des Todes der kunstsinnigen Habsburgerin, die ihren Hof in Mechelen zu einem Zentrum der Renaissancekultur im Norden ausgebaut hatte. Dabei stützte sich der Maler vermutlich auf eine fremde Vorlage, denn er selbst war Margarete bereits 1508 auf seiner Reise durch die Niederlande begegnet. Cranachs "lebenswarmes Porträt" verrate Sympathie für die Dargestellte, schreibt der Kunsthistoriker Guido Messling im Katalog zur Brüsseler Cranach-Ausstellung 2011.


Damit unterscheide es sich von offiziellen Hofporträts Margaretes, die kühle Distanz zum Betrachter wahrten. Neben Cranachs Margarete-Bildnis sind in Schloß Neuhaus noch zwei weitere Porträts des Künstlers zu sehen, der seine Bilder mit einer geflügelten Schlange signierte.

Die drei Cranachs stammen aus der Anhaltischen Gemäldegalerie im Schloss Georgium in Dessau. Insgesamt haben 100 exquisite Werke aus dieser Sammlung, die aus 1.500 Gemälden Alter Meister besteht, den Weg nach Schloß Neuhaus gefunden. Eine hochkarätige Ausstellung.

Der Mensch und seine Lebenswelt – das ist das Thema dieser Schau. Sie ist umfangreich genug, um Trends und Entwicklungen in über fünf Jahrhunderten Malerei aufzeigen zu können – dabei aber noch so überschaubar, dass der Betrachter Porträts, Landschaften, Architektur- und Genrestücke miteinander vergleichen kann, um nachzuvollziehen, wie sich das Bild des Menschen und seine Beziehung zur Welt von der Renaissance bis in die frühe Moderne verändert haben.

Das älteste Bild der auf zwei Stockwerken chronologisch gehängten Schau stammt aus dem Jahr 1484. Es zeigt den einflussreichen Nürnberger Kaufmann Berthold Tucher mit seiner Frau Christina Schmidtmayer. So traditionell das Motiv der Übergabe des Eherings ist, so neuartig ist für diese Bildgattung, dass der unbekannte Nürnberger Meister das Paar in einen Raum mit Fenster verortet, durch das man in eine Landschaft blickt.

Zeigen die Renaissance-Porträts eher verschlossene, unbewegte Gesichter, steht dem Betrachter um 1681/1685 ein quirliger, blondgelockter "Leopold I. als Kind" gegenüber, der offen und munter aus dem Bild schaut. Der Wind bläht sein rotes Kleidchen und einen Umhang. Mit der linken Hand bändigt er einen zähnefletschenden Hund, sein rechter Zeigefinger weist auf eine Jagdszene – ein Eber wird erlegt. Wieder 100 Jahre später zeigt Johann Friedrich August Tischbein, wie zugetan das Kind Leopold IV. und seine vier Geschwister einander sind.

Mitte des 18. Jahrhunderts "verliert das Individuum an Selbstbewusstsein und innerer Festigkeit, überlässt sich mehr und mehr seiner subjektiven seelischen Gestimmtheit", heißt es im Vorwort des Katalogs. Zu sehen ist das unter anderem in zwei Prinzessinnen-Porträts von Johann Friedrich August Tischbein. Im 19. Jahrhundert sei "das Subjekt problematisch, in sich zwiespältig geworden", deutet Kuratorin Andrea Wandschneider, Leiterin der Städtischen Museen und Galerien Paderborn, das Bild "Schusterjunge" (1875) von Wilhelm Trübner.

Zu den Highlights der Landschaftsmalerei gehört Cornelis Massys "Landschaft mit Hirschjagd und Falkenbeize" (um 1550), ein "Puzzle von Welt", so Wandschneider, "in dem die Menschen herumirren, ohne einen Sinnort zu finden". Das sieht etwa 150 Jahre später in Christoph Ludwig Agricolas "Morgenlandschaft mit orientalischem Brautzug" ganz anders aus. "Die Figuren sind nun wirklich mit der Landschaft verwoben", so die Kunsthistorikerin.

Peter Breughel der Jüngere ist mit der Dorfszene "Pfingstbraut-Spiel" vertreten (um 1620/23), deren Hintersinnigkeit den Betrachter fesselt. Überhaupt zeigt die Schau eine Fülle von Lebenswelten: eine niederländische Winterlandschaft mit Eisläufern, Marktplatzgetümmel, eine Serailszene, eine barocke bürgerliche Haus-Party, Rokoko-Adelige beim Flanieren im Park, ein Bauernmahl, Karten spielende Knaben, musizierende Kinder, Schlachtengetümmel, Reisende beim Wirtshaus-Stop und einen Spaziergang durch die Felder um 1920.



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