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21.03.2013
Bielefeld
Die Manns und die Musik
Frido Mann las aus Werken seiner berühmten Schriftsteller-Verwandtschaft
VON THOMAS KLINGEBIEL

Ein Mann, wie er im Buche steht | FOTO: OLIVER KRATO

Bielefeld. Was den Briten ihre Windsors, meint Kritikerpapst Marcel Reich-Ranicki, das sind den Deutschen die Manns. Dass der Name der Literaten-Dynastie noch immer große Anziehungskraft hat, zeigte der ausverkaufte literarisch-musikalische Abend am Montag im Kleinen Saal der Oetkerhalle. Frido Mann, Lieblingsenkel Thomas Manns, las aus literarischen Werken seiner berühmten Verwandtschaft und eigenen Büchern. Ortrun Grahe (Klavier) und Vesselin Paraschkevov (Violine) musizierten dazu viel Bach, aber auch beispielsweise César Franck.

"Thomas Mann, Walter Kempowski und die Musik" – so war der vom Kulturamt veranstaltete "Kultur spezial"-Abend angekündigt worden. Der Kempowski-Anteil reduzierte sich jedoch auf Auszüge aus Kempowskis Rede anlässlich der Verleihung des Lübecker Thomas-Mann-Preises an ihn im Jahr 2005. Ortrun Grahe, die schon mit Jörg Drews bei einem "Kultur spezial"-Abend über Voltaires "Candide" in Bielefeld zu hören war, trug die Passagen vor. Kempowski äußert sich darin bewundernd über Thomas Mann und dessen Tagebücher sowie über die lebenslange Musikleidenschaft des "Zauberers", die er auch selbst teilte.


Im Wechsel mit musikalischen Einlagen von Grahe/Paraschkevov bestritt danach Frido Mann (72) den literarischen Teil. Mit einer Stimme, in der unüberhörbar viel von Thomas, aber auch Golo Manns Timbre mitschwingt – leicht näselnd, raunend und das "R" rollend – las er aus "Buddenbrooks". Zum Beispiel die Passage, in der Organist Pfühl seine Vorliebe für Bach ("Bach, oh, Sebastian Bach") und die Kontrapunktik erläutert.

Sohn von Michael Mann


Im zweiten Teil, für den sich die Zuhörer in der Pause mit gereichten Schnittchen stärkten, rezitierte er Klaus Manns "Die Harfe", einen herrlich komischen Essay über die im Vergleich zum "langweiligen" Klavier "erregende" Harfe und die "melancholische Selbständigkeit" der Orchester-Harfenistinnen. Wie selbstverständlich reihte Frido Mann, Sohn von Michael Mann, dem jüngsten Kind von Katia und Thomas Mann, auch Eigenes in den literarischen Kosmos der Familie ein. So eine Konzerterfahrung mit Haydns "Schöpfung" auf der Kurischen Nehrung (aus "Mein Nidden") oder Gedanken aus seinem Roman "Nachthorn".

Frido Mann ist eine interessante Persönlichkeit, die am Montag als reiner Vorleser unter Wert gehandelt wurde. Von seinen Eltern abgeschoben, wuchs er bei Thomas und Katia Mann auf. Er war das reale Vorbild für den kleinen "Echo", den Thomas Mann in seinem Roman "Doktor Faustus" vom Teufel holen und in "schreiender, sich bäumender Folter" sterben lässt. Die exzentrische Schriftstellerfamilie war Frido Mann viele Jahre eine bedrückende Hypothek. Er promovierte in Theologie, studierte Musik und Psychologie, war als Psychologe unter anderem an der Westfälischen Klinik in Gütersloh tätig. In seinem neuen Buch denkt er über "Das Versagen der Religion" nach. Ein Mann mit einer spannenden Lebensgeschichte, jemand, der viel zu erzählen hat. Vielleicht ein anderes Mal.



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