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22.03.2013
Bielefeld
Henning Mankells Hommage an Miles Davis
"Miles oder die Pendeluhr von Montreux"
VON SILKE GENSICKE

Erinnerungen an eine Jazzlegende | FOTO: PHILIPP OTTENDORFER

Bielefeld. Es ist eine musikalische Hommage, die der schwedische Schriftsteller und Theaterregisseur Henning Mankell mit seinem Stück "Miles oder die Pendeluhr aus Montreux" zu Ehren von Jazzlegende Miles Davis verfasst hat. Im Mittelpunkt steht die Melancholie, Schönheit und Tiefe von Davis’ Musik, die teils parallel, teils ergänzend den Monolog eines Schauspielers umspielt.

Mankells Stück ist von Miles Davis’ legendärem Album "Sketches of Spain" inspiriert, das Rhythmen und Melodien spanischer Volksmusik verarbeitete. Sowohl der Monolog als auch die Musik zum Stück lehnen sich an diese berühmte Musik an, die Miles Davis 1973 beim Jazzfestival in Montreux noch einmal live mit Orchester aufführte. Bei diesem Festival begegnete Mankell dem norwegischen Fahrer, der jahrelang Miles Davis innerhalb von Europa zu seinen Konzerten chauffiert hatte. In Anlehnung an dieses Begegnung entwickelte der Autor der Wallander-Krimis das Theaterstück, in dem er die fiktive Figur eines schwedischen Schrotthändlers über die Freundschaft zwischen Davis und seinem Chauffeur berichten lässt.

Info

Weitere Aufführungen

Donnerstag, 21., Freitag, 22., Samstag, 30., Sonntag 31. März und Montag 1. April.

Karten: Tel. (0521) 555-444.

In Bielefeld verkörpert Daniel Rohr den Schrotthändler Steinar. Bereits 2011 in Zürich bei der deutschsprachigen Erstaufführung des Stücks stand er in dieser Rolle auf der Bühne. Auf einer Reise in die Schweiz lernt Steinar nicht nur die Musik von Miles Davis kennen und lieben, sondern auch die Jazzlegende selbst. Gemeinsam mit seinem Freund, der seit Jahren als Fahrer für Davis arbeitet, chauffiert er den Musiker in einem alten Volvo zum Konzert nach Montreux.

Eigentliche Hauptfigur in Mankells Theaterstück ist die Musik

Backstage erlebt er das "Sketches of Spain"-Konzert des Ausnahme-Musikers. Dieser Moment verändert sein Leben. Der Tag, an dem er erfährt, dass Miles Davis gestorben ist, versetzt ihn noch einmal zurück in jene Zeit, an dem er als Zaungast der Musik von Davis verfiel. Neben seiner Erinnerung an ein unvergessliches Konzert und eine Pendeluhr, die er seiner Frau in Montreux kaufte, ist Steinar nur noch ein alter Scheinwerfer des Volvos geblieben, mit dem die Männer damals in die Schweiz gereist waren.


Daniel Rohr und das 20-köpfige Orchester "TwentyForMiles", ein Ensemble der Hochschule für Musik Detmold, versetzen den Zuschauer in die Rolle eines Konzertbesuchers. Als lebendiges Bühnenbild werden die Musiker in die Inszenierung mit einbezogen. Mit dem Rücken zum Publikum positioniert, geben sie den Zuschauern das Gefühl, das Konzert, wie damals Steinar, von der Hinterbühne aus zu verfolgen.

Die eigentliche Hauptfigur des Mankell-Stücks, das Hansjörg Betschart inszenierte, ist Miles Davis’ Musik. Als Solokünstler übernimmt Trompeter Matteo Scurci den musikalischen Part des 1991 gestorbenen Jazzstars. Im Hintergrund vieler Textpassagen sorgt das Spiel von Kontrabass, Schlagzeug und Trompete über fast die komplette Spielzeit von 70 Minuten für eine ganz besondere Atmosphäre.

Die Musik und Rohrs Monologe sind eng miteinander verwoben, Worte und Klänge reagieren aufeinander, ergänzen sich. In der Big Band wird das Saxophon durch klassische Holzinstrumente ersetzt, ein Harfe kommt hinzu – eine Kombination, die für wunderbare Zusammenklänge sorgte in einem Stück voller magischer Momente.



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