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24.03.2013
Bielefeld
Kunsthalle Bielefeld zeigt ab heute "Schönheit und Geheimnis - der deutsche Symbolismus"
Flucht in eine heile Gegenwelt
VON STEFAN BRAMS

Lila Grund | FOTO: ANDREAS ZOBE

Bielefeld. Diese Ausstellung überrascht - und zwar positiv. Weil sie so bildmächtig ist. Weil die Künstler so vielfältig malen, keinen Gruppenstil ausbilden, obwohl sie unter dem Begriff deutsche Symbolisten subsumiert werden. Weil es den Kuratorinnen Jutta Hülsewig-Johnen und Henrike Mund hervorragend gelungen ist, die 150 präsentierten Bilder thematisch schlüssig zu ordnen und der Kunsthalle mit einem durchgängigen lila Wandanstrich zugleich selbst etwas Mystisches zu geben, was wiederum hervorragend zum treffenden Titel der Schau passt - "Schönheit und Geheimnis - Der deutsche Symbolismus".

Wer sich diesen Bildern nähert, die in der Blütezeit des deutschen Symbolismus zwischen 1870 und 1920 entstanden, entdeckt eine phantastische und zugleich schöne, um nicht zu sagen heile Welt. Reagieren Maler wie Arnold Böcklin, Hans Thoma, Lovis Corinth, Leo Putz, Karl Hofer und Franz von Stuck doch mit ihrer Kunst auf eine sich radikal verändernde Außenwelt.

Info
Eröffnet wird die Ausstellung heute, 24. März, um 11.30 Uhr.

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr, mittwochs 11 bis 21 Uhr, samstags 10 bis 18 Uhr. Infos unter www.kunsthalle-bielefeld.de

Der Industrialisierung, dem wilhelminischen Obrigkeitsstaat, einem immer mobiler und schneller werdenden Leben setzen sie ihre künstlerischen Gegenwelten entgegen. Bevölkert wird die Gegenwelt der Symbolisten von Faunen und Feen, von jugendlichen Helden, von oftmals nackten, bösen und guten Frauen. Der Vergänglichkeit des Menschen setzen sie die erhabene, ewige, idyllische Natur entgegen. Exakt entlang dieser Themen haben die Kuratorinnen ihre Schau in neun Themenbereiche geordnet. Auch die Mythenwelt der Antike nimmt in ihrer Malerei einen breiten Raum ein.

Figürlich, akademisch geprägte Malerei

In der großen Halle im Obergeschoss ist es Ludwig von Hofmanns Bild "Idolino" (1892), das auf eine antike Bronzestatue zurückgeht. Ein feingliedriger, makelloser, junger Knabe dominiert das Bild - stehend in einer arkadischen Landschaft, in der Mütter und Kinder spielen. Das Bild, das aus der Sammlung der Kunsthalle stammt, verzaubert und weist den Weg in eine ebenso bezaubernde Schau.


Einen fröhlich zechenden, dicken Kerl lässt Lovis Corinth 1898 durch sein Bild "Heimkehrende Bacchanten" ziehen. Eine Provokation, denn der Gott des Weines gleicht eher einem wilhelminischen Bürger, der trunken nach Hause wankt, denn einem antiken Vorbild.
Um die vitale Kraft der Natur geht es in den Bildern von Malerstar Arnold Böcklin, der eine ganz Serie von Feen und Faunen malt. Phantastische Mischwesen sind zu entdecken. Und immer wieder spielt die Sexualität eine Rolle, ob in Leo Putz’ surreal anmutenden Schneckenbildern oder in Franz von Stucks Werken "Die Sünde" und "Judith und Holofernes". Bilder, die damals skandalös und schockierend wirkten - waren es doch Gegenbilder zur rigiden Sexualmoral der wilhelminischen Zeit.

Die figürliche, akademisch geprägte Malerei der Symbolisten mag oberflächlich betrachtet konventionell und konservativ wirken. Denn anders als den Impressionisten ging es den Symbolisten nicht um die Revolutionierung der Form der Darstellung, sondern um den Inhalt. "Sie blicken in die Tiefe der menschlichen Seele, untersuchen das Unterbewusste", betont Hülsewig-Johnen.

Wer genau hinschaut, erfährt hier viel über die Menschen und ihre Sehnsüchte in einer Epoche großer Umbrüche. Und wird dabei merken: So fern sind uns die Themen der Symbolisten in Zeiten der digitalen Revolution und einer sich immer mehr beschleunigenden Welt gar nicht.



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