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26.03.2013
Detmold
Royston Maldoom feiert seinen 70. Geburtstag und blickt voller Dankbarkeit zurück
Unterwegs zu den Menschen
VON CHRISTINE DICK

Hat bis in den Morgen gefeiert | FOTO: CHRISTINE DICK

Detmold. Seit über 50 Jahren tanzt er aus voller Überzeugung. Die Leidenschaft ist immer noch da. Er ist offen für die Welt. Heute feiert Royston Maldoom seinen 70. Geburtstag. Etwas müde sieht er beim Pressegespräch am Sonntagmorgen in Detmold aus. Es ist spät geworden - bis fünf Uhr morgens hat Royston Maldoom seinen Geburtstag im Sommertheater gefeiert, wie er erzählt.

Menschen aus der ganzen Welt sind gekommen. Man hat zusammen getanzt, und seine Gäste haben ihn an die wunderbaren Stationen seines Lebens erinnert, erzählt Royston Maldoom sichtlich bewegt. Natürlich kamen die Gäste wegen ihm, doch - davon ist er überzeugt - sie feierten auch sich selbst: ihr Leben, ihre Freiheit.

Info

Royston Maldoom

  • Der britische Choreograf und Tanzpädagoge Royston Maldoom gilt als Mitbegründer der Community-Dance-Bewegung. Für sein soziales Engagement und seine künstlerische Arbeit hat er zahlreiche Preise erhalten.
  • Der Film "Rhythm Is It!" (2004) machte ihn einem internationalen Publikum bekannt.
  • Auch in OWL ist er seit Jahren aktiv. So gab er 2005 einen Workshop für Lehrer und Tänzer in Gütersloh. 2007 entwickelte er mit Gregor Zöllig vom Bielefelder Tanztheater die Reihe "Zeitsprung". 2008 haben Maldoom und die Detmolder Peter-Gläsel-Stiftung das Projekt "ResiDance" ins Leben gerufen, an dem bereits mehrere hundert Menschen in OWL teilgenommen haben.
  • Maldooms Autobiografie heißt "Tanz um dein Leben" (320 S., 9,99 Ð, Fischer).
  • Ein Buch zum "Zeitsprung" ist 2007 im Kamphausen Verlag (143. S., 9, 95 Ð) erschienen.
  • Der Henschel Verlag hat ein Praxisbuch unter dem Titel "Royston Maldoom. Community Dance – Jeder kann tanzen" herausgebracht (160 S., 18,90 Ð).


Der englische Choreograf und Tanzpädagoge glaubt daran, dass man sein Leben durch das Tanzen verändern kann. Mit dem Tanz sei er eine Beziehung eingegangen, die mehr und mehr an Tiefe gewinne. Während er vom vergangenen Abend erzählt, werden Erinnerungen an Orte und Lebensabschnitte in ihm wach. Er erinnert sich an seinen Aufenthalt in Südafrika während der Wahl Mandelas, an Simbabwe, an die USA, an Litauen während der Unabhängigkeitsbewegung und an Kroatien und Bosnien während des Balkankriegs. "So viele historische Momente", sagt Royston Maldoom.

Es geht darum, im Moment zu leben

Für solche Momente ist er dankbar - das Wort fällt an diesem Morgen immer wieder. Die Anwesenheit der internationalen Gäste zum Geburtstag habe ihm gespiegelt, dass das alles keine Illusion war, dass der Weg für ihn so richtig gewesen ist. "Ja", bestätigt Stefan Wolf, Geschäftsführer der Peter-Gläsel-Stiftung, "weil Sie offen dafür sind." Royston Maldoomgeht es darum, im Moment zu leben. Jedes Leben sei eine außergewöhnliche Erfahrung. Wichtig sei, ob man fähig sei zu reflektieren. Er könne das, sagt Maldoom. Was wohl auch zu seinem Erfolg beigetragen hat.

Seit über 30 Jahren initiiert und leitet er weltweit Tanzprojekte für jedermann, unabhängig von Talent und Erfahrung, Alter, Hautfarbe, ethnischer Zugehörigkeit oder sozialer Herkunft. Was man zum Tanzen braucht? Nichts, erwidert Royston Maldoom, man brauche nur sich selbst, den eigenen Körper und den Wunsch zu tanzen. Dann könne alles ausgedrückt werden. Tanzen ist Kommunikation, ist Gemeinschaft. So wie bei seiner Geburtstagsfeier, als alle Kulturen eine Choreografie getanzt haben, aber jeder etwas Eigenes mit in die Performance brachte.

Die Müdigkeit verfliegt, wenn Maldoom mit strahlenden Augen von Individualität und dem ganzheitlichen Ansatz vom Tanzen spricht. Tanzen ist nicht nur Bewegung, sondern hat auch mit Kognition, Emotion, Spiritualität, Raumerfahrung, mit Kooperation und Begegnungen zu tun. Es geht um soziale Fähigkeiten, und Royston Maldoom lebt genau diese Begeisterung dafür vor.

Man muss an das Potenzial im Menschen glauben

Mit seinen Choreografien wollte er schon immer Geschichten erzählen. Die politische Ebene ist ihm wichtig. Inspirieren lässt er sich von seiner Umgebung, der eigenen Verfassung, von dem, was um ihn herum passiert. Die Choreografien, deren Entstehen Royston Maldoom mit der Kreation einer Skulptur in den Händen eines Künstlers vergleicht, würden in jedem Menschen etwas Unterschiedliches bewegen: "Nicht die Aufführung ist das Ergebnis, sonderndas, was in den Köpfen vorgeht."

Es geht um Reaktion, nicht um Interpretation. Wichtiger für Royston Maldoom ist die Tatsache, dass jeder tanzen kann und jeder schön ist, wenn er tanzt. Was seine Rolle dabei ist? An das Potenzial im Menschen zu glauben, sagt er schlicht.

Zu seinem Geburtstag fährt Maldoom zurück nach Berlin, wo er lebt, und ruht sich ein wenig aus. Zweieinhalb Monate war er unterwegs. Bald zieht er wieder los, zu den Menschen, zu den Geschichten und Begegnungen - denn das ist es, was er liebt.



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