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04.04.2013
Paderborn/Berlin
Regisseur aus Paderborn erobert das Kino
Felix Fuchssteiner im Interview über seinen Film "Rubinrot"

Regisseur | FOTO: FREDERIK GRABBE

Paderborn/Berlin. Er hat klein angefangen: Mit der Super 8-Kamera auf dem Schulhof in Paderborn. Darauf folgten Kino-Produktionen, die vielen Preise gewannen - aber nicht die Kinocharts stürmten. Mit dem Film "Rubinrot" stellt sich für den Regisseur Felix Fuchssteiner (37) nun auch der kommerzielle Erfolg ein. Ralf T. Mischer hat mit dem gebürtigen Paderborner gesprochen.

Info
  • Regisseur Felix Fuchssteiner absolvierte ein Regie-Studium an der Hochschule für Fernsehen und Film München.
  • Mit "Rubinrot", derzeit auf Platz sechs der Kinocharts, wagte er sich erstmals an eine Romanverfilmung. 
  • Film-Vorlage ist "Rubinrot", erster Band der Fantasy-Trilogie "Liebe geht durch alle Zeiten" von Kerstin Gier.
  • Es wurde in 27 Sprachen übersetzt. (rtm)
      

Herr Fuchssteiner, Paderborn und Film, das ist wie Berlin und Flughafen, oder?
FELIX FUCHSSTEINER: Sie meinen, das passt nicht zusammen? Ich bin ja der lebendige Beweis dafür, dass auch Paderborner Kinofilme machen können. Ich habe in Paderborn mein Abitur gemacht. Ich wusste schon immer, dass ich später Filme machen machen möchte. Das ist die Faszination für Geschichten und für Bilder, die einen auch in Paderborn befallen kann. In der Schule habe ich schon Filme gedreht, mit den Klassenkameraden als Schauspielern. Den letzten kurz vorm Abi.

Worum ging es da?
FUCHSSTEINER: Um das Verschwinden eines Menschen in der virtuellen Existenz.

Klingt prophetisch. Wann war das?
FUCHSSTEINER: 1995. Da war das schon ein spannendes Thema.

Wie lang war der Weg von der ostwestfälischen Provinz in die Film-Metropole Berlin?
FUCHSSTEINER: Noch vor dem Abitur habe ich mich an der Filmhochschule München beworben. Nach dem Studium dauerte es aber noch verdammt lang bis zum ersten Kinofilm. Da braucht man viel Ausdauer. Du nimmst zehn Projekte in Angriff - und eines davon wird vielleicht was. Das kann auch frustrierend sein.

Aber auch beglückend?
FUCHSSTEINER: Natürlich. Wenn sich irgendwann doch der Erfolg einstellt und man den Film realisieren kann, dann ist das ein tolles Gefühl. Wenn man dann noch einen Genrefilm wie "Rubinrot" realisieren kann, ist das etwas ganz besonderes. Hierzulande gibt es leider viel zu wenig Filme, die die Beschränkungen der Realität hinter sich lassen und eine völlig neue Welt schaffen. Als Regisseur einen Film wie "Rubinrot" zu machen - mit Fechtszenen, Stunts, Spezialeffekten, historischen Kostümen - das ist schon ein großes Glück.

Mit ihrem Film "Draußen am See" haben sie zahlreiche Filmpreise eingeheimst. Mit "Rubinrot" stellt sich jetzt auch der kommerzielle Erfolg ein. Ist das Glücksgefühl da, wenn der eigene Film den besten Neustart hinlegt und auf Platz drei in die Kinocharts einsteigt?
FUCHSSTEINER: Natürlich. Besonders freuen mich die Reaktionen des Publikums. Wir waren zur Premiere in 12 Tagen in 28 Städten zu Gast - auch in Paderborn. Es ist grandios, zu sehen, wie toll der Film ankommt, die begeisterten Fans zu erleben und zu sehen, dass unser Film vielen Zuschauern großen Spaß macht.Sie arbeiten am Drehbuch mit, führen Regie, kümmern sich um die Finanzierung. Zelebrieren sie die Rückkehr des Autorenfilms?
FUCHSSTEINER: Ja. Meine Drehbuchautorin Katharina Schöde und mich kann man schon als Autorenfilmer bezeichnen. Eben weil wir den gesamten kreativen Prozess begleiten, selber die Stoffe entwickeln und auch selbst als Produzenten umsetzen. Weil wir Filmemacher sind. Mit Leib und Seele. Und deshalb ist es einfach konsequent, auf diese Art Filme zu machen. In dieser Form, mit der Kontrolle über den Stoff, kann man Geschichten einfach am Besten erzählen. Natürlich unterscheidet sich das Ergebnis vom deutschen Autorenfilm der 70er-Jahre.

Was muss ein Stoff haben, damit sie sich dafür begeistern können?
FUCHSSTEINER: Der Funke muss überspringen. Egal, ob mit dem Streichholz oder dem Flammenwerfer, man muss sich für den Stoff begeistern können. Bei "Rubinrot" war das genauso. Ich habe das Buch gelesen und war sofort Feuer und Flamme für den Stoff. Wir haben uns sofort die Filmrechte besorgt. Das war, bevor der Roman ein Bestseller wurde. Ich war sofort begeistert von der Geschichte und der Hauptfigur. Das muss man auch sein, immerhin verbringt man möglicherweise mehrere Jahre mit dem Projekt. Ohne Leidenschaft geht das nicht.

Die öffentlich-rechtlichen Sender erwägen jetzt, weniger Kinofilme mitzuproduzieren. Wie würde das die deutsche Kinolandschaft verändern?
FUCHSSTEINER: Meine Filme waren noch nie Co-Produktionen mit dem Fernsehen. Es kann auch eine Chance sein, wenn in Deutschland mehr Kinofilme unabhängig vom Fernsehen entstehen. Aber entscheidend ist, dass es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch angemessene Sendeplätze für gute deutsche Kinofilme gibt. Das ist bislang ein Problem.

Finanzierung von Kinofilmen ist kein Problem?
FUCHSSTEINER: Die ist generell immer ein Problem. Ich hatte den großen Vorteil, dass "Rubinrot" Bestseller war und einen Bestseller kann man einfacher verfilmen, als einen Stoff, den noch niemand kennt. Aber es gibt ja auch nach wie vor Filmförderfonds, daran ändern ja die Beschlüsse des öffentlichen Rundfunks nichts. Die Filmstiftung NRW war beispielsweise eine der drei an "Rubinrot" beteiligten Länderförderungen.

Sie haben früher auch schon mal Regie für eine Vorabendserie geführt. Bleiben Sie dem Kino jetzt treu?
FUCHSSTEINER: Wenn das Kino uns treu bleibt, ja. Ich persönlich würde sehr gern die Fortsetzung von "Rubinrot" drehen. Das Drehbuch für den Nachfolger "Saphirblau" ist schon geschrieben. Aber für eine Fortsetzung braucht "Rubinrot" ganz viele Zuschauer. Wenn’s klappt, geht es im Herbst los.



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