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11.07.2013
Bielefeld
Ehepaar entdeckt in der Kunsthalle ein Bild aus dem Familienbesitz
Großvater stiftete 1905 ein Kunstwerk des Malers Ludwig Dill
VON STEFAN BRAMS

Fundstück | FOTO: BARBARA FRANKE

Bielefeld. Anita und Herbert Osthoff schätzen die Bielefelder Kunsthalle – seit Jahrzehnten. Es gibt kaum eine Ausstellung, die sie nicht besuchen. Und so zog es das Ehepaar auch in die Ausstellung "Schönheit und Geheimnis – Der deutsche Symbolismus", die am vergangenen Wochenende zu Ende ging.

Ein Besuch, der mit einer schönen Überraschung enden sollte, denn Anita Osthoff entdeckte unter den mehr als 150 Werken ein Bild, dass der Großvater ihres Ehemanns der Kunsthalle einst vermacht hatte – im Jahr 1905.


"Das war eine schöne Überraschung, denn wir wussten bisher gar nichts von dieser Schenkung", sagt Herbert Osthoff und verweist auf seine Frau. "Sie geht viel langsamer durch die Ausstellungen und schaut auch immer viel genauer hin." Anita Osthoff nickt. "Ja, mich interessiert eben auch, woher die Bilder stammen."
Das war auch beim Bild des Malers Ludwig Dill (1848-1940) so. Sein Bild "Am Waldesrand", das eine lichte Waldlandschaft samt Flusslauf bei Dachau zeigt, malte er um 1900.

Ein kleines Blechschild gibt Auskunft

Anita Osthoff erfreute sich nicht nur an der feinen Landschaftsdarstellung Dills und der Tiefe, die sein Bild auszeichnet, sondern blickte auch auf das kleine blecherne Schild am unteren Rand des Rahmens und traute ihren Augen nicht. "Schenkung des Bankdirektors H. Osthoff, 1905" steht dort. "Ich habe dann meinen Mann gerufen und ihn auf das Schild und die freudige Entdeckung aufmerksam gemacht." Der war ebenso erstaunt, wusste zwar, dass sein Großvater Heinrich Osthoff sich auch für Kunst interessierte, "aber von der Schenkung war mir bisher nichts bekannt".

Wieder daheim, verfasste der Pensionär und ehemalige Lehrer an den Carl-Severing-Berufsschulen eine Karte an die Leitung der Kunsthalle. Darin beschreibt er die Entdeckung und klärt über den Stifter des Bildes auf. Sein Großvater (1856 bis 1922) stamme aus Neuenkirchen (Melle) und sei dort im Pferdehandel erfolgreich gewesen. "In den Gründerjahren hat er dann in Bielefeld ein kleines Geldverleihgeschäft gegründet", erinnert sich Osthoff. Das habe er sehr erfolgreich betrieben, so dass es wuchs und wuchs bis es später von der Dresdner Bank übernommen wurde, wo sein Großvater und einer seiner sechs Söhne auch als Direktor fungierte. Als solcher habe er dann wohl das Bild von Dill erworben und dem Vorläufer der Kunsthalle geschenkt. Seine Karte beendete der Enkel mit dem Wunsch, das Bild fotografieren zu dürfen.

Durften die beiden Eheleute natürlich. "Es ist das erste Mal, dass Angehörige eines Stifters bei uns zufällig ein Bild wieder entdecken", erzählt Jutta Hülsewig-Johnen, die die Ausstellung kuratiert hat. "Wir haben nur diesen einen Dill in unserer Sammlung und sind sehr froh, dass Heinrich Osthoff das Werk der Kunsthalle einst gestiftet hat." Im Gespräch mit den beiden Osthoffs berichtet sie davon, dass es über die Schenkung keinerlei Unterlagen mehr im Archiv der Kunsthalle gäbe. "Daher ist es besonders schön für uns, dass Sie sich gemeldet haben, da wir so etwas mehr erfahren können über den Stifter", betont Hülsewig-Johnen im Gespräch mit dem Ehepaar.

Ein Foto vom gestifteten Bild zur Erinnerung

Ludwig Dill (1848) gehört laut Hülsewig-Johnen zu den "Dachauer Landschaftsmalern", die sich von der Moor- und Moos-Landschaft rund um Dachau besonders angezogen fühlten und sie in ihren Bildern einfingen. Zusammen mit Arthur Langhammer und Adolf Hölzel gründete er die Malerschule "Neu-Dachau", was ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der Künstlerkolonie Dachau machte. Seine Studien im Dachauer Moos brachten die atmosphärischen, weichen Stimmungen des Moores besonders fein zum Ausdruck. Die stumpfe Oberfläche sei ein besonderes Markenzeichen der Malerei Dills gewesen, da er drauf verzichtet habe sie mit einem Schutzanstrich (Firnis) zu überziehen.

Informationen, die auch das Ehepaar Osthoff gerne mitnahm, wie das Erinnerungsfoto an den Dill, das Heinrich Osthoff einst stiftete. Der Kunsthalle wünscht Herbert Osthoff, dann noch, "dass diese Institution weiter recht recht lebendig agiert".
      



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