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12.07.2013
Gütersloh
Chinesischer Starpianist Lang Lang verzaubert Gütersloh
530 Klavierfans feierten Superstar der Klassikszene mit "Standing Ovations"
VON EUGENIE KUSCH

Locker und sympathisch | FOTO: MATTIAS GANS

Gütersloh. Er kam, spielte und siegte. Warum sollte es in Gütersloh anders sein als in New York, London oder Peking? Ist er nicht der omnipotente Pianist der Gegenwart, dem es gelingt, den Fokus des Millionenpublikums auf die klassische Musik zu lenken? Fast 40 Millionen chinesische Kinder spielen heute auch dank Lang Lang Klavier, um womöglich dieselben hochgesteckten Ziele zu erreichen, die Vater Lang dank strengsten Unterrichts seinem Sohn abtrotzte.

Diesen enormen Leistungsdruck des Elternhauses beschreibt Lang Lang in seiner Autobiografie, die er als 26-Jähriger vor fünf Jahren verfasste. Schon als ein kleiner Junge wusste er dennoch, dass sein Klavierspiel viel mehr für ihn bedeutet als nur Disziplin und Arbeitstüchtigkeit. "Ohne Musik fühlt sich mein Leben seltsam leer an", sagt er auch heute.


Leer ist sein Leben fürwahr nicht, eher auf der Überholspur geführt und mit Musik voll getränkt. Er ist überall da, wo die Pracht seines musikalischen Einsatzes benötigt wird, er spielte vor der englischen Königin und dem Präsidenten Obama, bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele und bei der Nobelpreisverleihung. 2009 fand er sich sogar auf der Time-Magazin-Liste der hundert einflussreichsten Persönlichkeiten der Welt wieder.

Musik von Mozart und Chopin

Von den Allüren eines Weltstars war in Gütersloh allerdings kaum etwas zu spüren. Beiläufig betrat Lang Lang die Bühne des Theaters, begrüßte das Publikum mit einer fast päpstlichen Huldigungsgeste und einem netten Lächeln und bot dann ein feinsinniges Programm mit Musik von Mozart und Chopin.
Seine durchtrainierten und hoch versicherten Hände berührten den Steinway und zeichneten die ersten Sätze der früheren Sonaten von Mozart (KV 283, 282 und 310) größtenteils mit Pastellfarben, zart modulierte er ihre Themen, hübsch die verinnerlichten langsamen Sätze.

Dafür huschten die Finalsätze quirlig, übersät mit vielen hervorgehobenen Finessen, Motiven, melodischen Linien. Eine Entdeckungsreise, die mitunter den natürlichen Fluss der Musik etwas hinhielt.

"Bei den Damen kommt man mit Chopin viel weiter als mit Mozart", scherzte Artur Rubinstein, der große Chopin-Interpret, den Lang Lang sehr verehrt. Bei dem Gütersloher Publikum übrigens auch, die Begeisterung der Zuhörer wuchs kontinuierlich von der ersten bis zur letzten Ballade von Chopin, die Lang Lang nach der Pause servierte.

Plakative Spielart

Der Weltstar liebt diese Musik, weil sie seiner künstlerischen Persönlichkeit entgegen kommt: Sie lässt sein erzählerisches Potenzial und seine immense Palette der dramatischen und poetisch-melancholischen Stimmungen aufblühen, sie stellt die höchsten virtuosen Anforderungen, die er fast beiläufig bewältigt und erlaubt ihm insbesondere, sein Bedürfnis nach den interpretatorischen Freiheiten zu stillen.

"In jede Note stecke ich mein Herz", sagt er, und man glaubt ihm das sofort, auch dann, wenn seine Spielart mitunter etwas plakativ und seine Körpersprache ein wenig exaltiert wirken. Aber gerade dafür lieben ihn anscheinend Millionen Menschen in der ganzen Welt, für seine plastischen und detaillierten Musikinterpretationen, die sie mühelos nachfühlen können, für die Gegensätze, die er nahezu im Minutentakt ans Licht legt, für die phänomenale Anschlagskultur mit dem gerade noch hörbaren Pianissimo.

"I’m very happy to be in Gütersloh" sagte er noch zum Schluss und zeigte immerhin, dass er wusste, wo er sich aufhielt. Keine Selbstverständlichkeit im Jetset-Klassik-Betrieb. Mit drei Zugaben von Chopin - zwei virtuosen und übermütig gespielten Walzern (Es-Dur op. 18 und dem "Minutenwalzer") sowie der traumwandlerischen Nocturne Es-Dur (op. 55) - verabschiedete er sich vom Publikum, das ihn mit Standing Ovations ehrte.

In der Skylobby des Theaters nutzten viele Fans noch die Gelegenheit, dem Superstar der Klaviermusik ganz nahe zu kommen. Den in einer langen Schlange aufgereihten Fans signierte der Chinese weiterhin freundlich lächelnd die ihm vom Management hingeschobenen CDs, Eintrittskarten und Programmhefte. Auch hier: ein professioneller Auftritt.



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