Sonnabend, 31.07.2010
Handy-Portal | RSS | Twitter | Impressum | Kontakt | AGB | Mediadaten

31.12.2009
Murnau-Filmpreis für Werner Schroeter und Elfi Mikesch
Verleihung am 14. März in der Bielefelder Oetker-Halle
VON ANKE GROENEWOLD

Zwischen Film und Oper | FOTO: DPA

Bielefeld. Als Werner Schroeter 2002 am Bielefelder Theater Puccinis Oper "Madame Butterfly" inszenierte, stiegen Erinnerungen in dem Regisseur auf. Als er fünf Jahre alt war, hatten er und seine Familie samt seiner polnischen Großmutter, einer ehemaligen Schönheitskönigin, die DDR verlassen. Sie kamen bei Verwandten in Bielefeld unter und blieben acht Jahre. Jetzt schließt sich der Kreis.

Der 64-jährige Werner Schroeter erhält den Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreis gemeinsam mit der Kamerafrau Elfi Mikesch (69). Beide haben mehrere Filme gemeinsam gedreht unter anderem "Der Rosenkönig", "Malina" und "Poussières d’Amour". Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird am 14. März in der Bielefelder Oetkerhalle verliehen.

"In ihren gemeinsamen Filmen ebenso wie in ihren eigenen Werken arbeiten beide Filmschaffenden an einem zutiefst visuellen Kino, das die sichtbare Wirklichkeit um deren unsichtbare Komponente ergänzt, die Wirklichkeit um Sehnsucht und Gefühl", erklärt die Jury.

Erfüllt von der Liebe zur Oper seien unter Werner Schroeters Hand filmische Gesamtkunstwerke entstanden. "Seine Filme fügen sich in das kulturhistorische Erbe, das der Erfindung des Kinos vorangeht – dies verbindet sie ganz selbstverständlich mit der genialen Ästhetik Friedrich Wilhelm Murnaus", so die Jury.

Der 1945 in Georgenthal/Thüringen geborene Schroeter, früher eng mit Rosa von Praunheim befreundet, gilt neben Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge, Werner Herzog und Wim Wenders zu den wichtigsten deutschen Filmregisseuren der Nachkriegszeit. Er beginnt seine Karriere als Experimentalfilmer. 1973 lernt Schroeter die Operndiva Maria Callas kennen, deren Kunst ihn bereits seit 1958 beeinflusst und zu mehreren Filmen inspiriert hat. Auch Schroeter versucht, auf der Filmleinwand in exzessiver Weise "die wenigen total vertretbaren Gefühle: Leben, Liebe, Freude, Hass, Eifersucht und Todesangst in ihrer Totalität und ohne psychologische Analyse vorzutragen".

1979 inszeniert er mit "Lohengrin" in Kassel seine erste Oper. Auf die Gattung konzentriert er sich in den 90er Jahren. Der Kinofilm "Neapolitanische Geschwister" (1978) wird mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet, das Gastarbeiterdrama "Palermo oder Wolfsburg" 1980 auf der Berlinale mit dem Goldenen Bären gewürdigt.

Mit mehreren deutschen Filmpreisen wird "Malina" (1991) mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle bedacht. 1996 erhält er den Ehren-Leoparden der Filmfestspiele Locarno, 2008 wird er in Venedig mit dem Spezial-Löwen für sein "innovatives, kompromissloses und oft provokantes" Lebenswerk ausgezeichnet. 2000 bekommt er den Arte-Preis für "Die Königin" mit Marianne Hoppe, die er als 12-Jähriger in Bielefeld zum ersten Mal auf der Bühne erlebt hatte.
Das Auge | FOTO: DPA

In diese "Zauberwelt" zieht es Schroeter oft, weil die beste Freundin seiner Mutter zum Schauspielensemble gehörte. In Bielefeld sieht er mit einer "folklorekitschigen ,Carmen’" auch seine erste Oper. Schroeter hat selbst am Bielefelder Haus inszeniert: "Madame Butterfly" (2002) und Verdis "Don Carlos" (2005).

Über die 1940 im österreichischen Judenburg geborene Preisträgerin Elfi Mikesch sagt die Jury: "Ihre Arbeit als Kamerafrau ist bahnbrechend: Insbesondere für Rosa von Praunheim, Monika Treut und Werner Schroeter schuf sie Bilder, die Wahrheit und Traum, Fiktion und Wirklichkeit zu einer Einheit weben". Seit den 70er Jahren zähle sie überdies als Autorin und Regisseurin zu den einfühlsamen Stimmen des deutschen Dokumentarfilms. Ihr ruhiger Blick öffne dem Zuschauer die Augen für die Welt der Kinder in "Ich denke oft an Hawaii" und für die Lebenskultur der Älteren in "Was soll’n wir denn machen ohne den Tod".

Stets aufgeschlossen sei die sensible Kamerafrau für Technik, der sie immer neue Ausdrucksformen entlocke. So habe sie bereits 1980 in ihrem Film ,Apocalypso’ mit dem damals noch heftig umstrittenen Medium Video gearbeitet.

Der Murnau-Preis

Der Murnau-Preis wurde 1988 erstmals zum 100. Geburtstag des 1888 in Bielefeld geborenen Stunmfilmregisseurs Friedrich Wilhelm Murnau ("Nosferatu") verliehen und ging an Eric Rohmer. Danach erhielten ihn Wim Wenders, der Kameramann Henri Alekan, Herbert Achternbusch, Jacques Rivette und zuletzt 2001 Werner Herzog. Initiator des Preises war Horst Annecke, seinerzeit beim Bankhaus Lampe tätig. Die Bielefelder Bankenvereinigung stiftete das Preisgeld. Annecke hat sich auch für die Wiederbelebung des Murnau-Preises stark gemacht. Er ist Anwalt in der Kanzlei Streitbörger Speckmann, die jetzt das Preisgeld stiftet. Vorsitzender der neu gegründeten "Gesellschaft zur Verleihung des Bielefelder Friedrich Wilhelm Murnau Filmpreises e.V." ist Jost Streitbörger. Horst Annecke sitzt der Jury vor, der Christiane Heuwinkel (Bielefelder Murnau-Gesellschaft und Kunsthalle), Stefanie Schulte Strathaus (Arsenal Institut und Berlinale) und Daniel Kothenschulte (Stummfilmmusiker und Filmrezensent) angehören.



Weitere Nachrichten aus der Kultur
Stern der Woche für Frank Stückemann
Es ist ein gewichtiges Buch geworden, das der Pfarrer und Autor Frank Stückemann im Aisthesis Verlag vorgelegt hat. Denn der 47-Jährige setzt auf 641... mehr
Nieheimer "Schuhu" für Fritz Eckenga
Nieheim (nw). Fritz Eckenga ist der Preisträger des Jahres 2010 des "Nieheimer Schuhu", Peter-Hille-Literaturpreises. Dies gab die Jury des 2007 aus... mehr

Klassik bleibt wichtiges Erbe
Gütersloh (dpa/nw). Klassische Musik und Oper sind für die Deutschen ein wichtiges Kulturgut. Fast 90 Prozent wollen... mehr
Die Welt im Kopf
Bielefeld. "Ein Gedanke ist wie ein Virus", sagt der Ideendieb Dom Cobb in Christopher Nolans neuem Film "Inception". Ein Parasit. Habe sich eine Idee... mehr



Anzeige

Fotos aus OWL
Wadersloh: Vater und Sohn bei Motorradunfall schwer verletzt
Wadersloh: Vater und Sohn bei Motorradunfall schwer verletzt
Verl: Flächenbrand drohte auf Lagerhalle überzugreifen
Verl: Flächenbrand drohte auf Lagerhalle überzugreifen
Herford: Kanalsystem - Serie: Hinter verschlossenen Türen
Herford: Kanalsystem - Serie: Hinter verschlossenen Türen
Vlotho: Zeitungsbotin stirbt bei Unfall
Vlotho: Zeitungsbotin stirbt bei Unfall
Verl: Schnuppertraining beim SC Verl
Verl: Schnuppertraining beim SC Verl
Rheda-Wiedenbrück: Demonstration für Erhalt des Schnitkerhauses
Rheda-Wiedenbrück: Demonstration für Erhalt des Schnitkerhauses
OWL
WADERSLOH: Vater und Sohn bei Motorradunfall schwer verletzt
Schwerer Motorradunfall am Samstagnachmittag auf der Landstraße 586 zwischen Wadersloh und Benteler an der Grenze zum Kreis Gütersloh. Dabei wurden... mehr

VERL: Feuerwehr verhindert größeren Schaden
In letzter Minute konnte die Feuertwehr am frühen Samstagnachmittag das Übergreifen eines Brandes auf das Lager einer Möbelhandlung in Verl (Kreis... mehr

PORTA WESTFALICA: Und wieder brennt es im Mühlenkreis
Im Kreis Minden-Lübbecke kehrt keine Ruhe ein: In der Nacht von Freitag auf Samstag setzten Unbekannte nun einen bereits ausgebrannten... mehr

HALLE: Sandlaster im Graben - 100 000 Euro Schaden
Ein Sandlaster hat bei einem Unfall am Samstagmorgen in Halle (Kreis Gütersloh) einen Leitungsmasten und einen Baum umgerissen und ist in den... mehr

Einblicke in die Region
Ostwestfalen ist Trampolin, Kuchenbacken, Hängematte, Flohmarkt, Kinder, Konzert, Libori - Ostwestfalen ist ganz viel. Diese und andere Einblicke... mehr