Nach einem ruhigen, ganz normalen Morgen mit Frühstück, Kontakt nach Hause und Planung für die nächste Woche ging ich für ein Mittagessen und einen Obsteinkauf nach Chinatown. Ich hatte mich eingewöhnt. Nach fünf Tagen San Francisco fühlte ich mich wie zuhause.
Also überlegte ich, was in den nächsten Wochen so kommen würde und beschloss noch eine Woche zu bleiben und dann weiter nach LA zu ziehen. Nach einem schönen, erholsamen Tag fand ich bei E-bay eine Gitarre für 35 Dollar in San Francisco.
Ich schrieb dem Verkäufer eine E-Mail und er antwortete, dass ich die Gitarre abholen könne. Doch er nannte mir keine Adresse und keine Zeit, aber nach langem hin und her und einer Menge seltsamer E-Mails, war der Treffpunkt nun Coit Tower um 21 Uhr.
Es kam mir schon seltsam vor, dass er sich nachts mit mir treffen wollte, deshalb beschloss ich meinen Freund Gha-is, den ich einen Tag vorher im Hostel kennen gelernt hatte, zu fragen ob er mich begleiten würde. Um 20:30 holte ich dann Gha-is von seinem Hostel ab.
Wir liefen bei tiefster Dunkelheit durch Chinatown, nur begleitet von den Lichtern der Straßenlaternen und ein paar sich auf dem Heimweg befindenden Chinesen. Es fühlte sich gefährlich an. Zwei Typen nach Einbruch der Nacht auf dem Weg zu einem Tower, umgeben von Bäumen und Büschen, auf einem Berg in der Mitte der Stadt, aber abgeriegelt von der Außenwelt, fast wie bei einer Geiselübergabe.
Wir hatten das Geld und er sollte die Gitarre bringen.
Wir wussten nichts über den Mann auf der anderen Seite, wussten nicht wie er aussah oder wie alt er war, aber wir wussten seinen Name: "Brandon Paluso", aber selbst da waren wir uns nicht sicher.
Nachdem wir dann eine Stunde vor dem Tower gewartet haben und Gha-is bereits seine ersten deutschen Worte sprach, beschlossen wir den Rückweg anzutreten. Zwar ohne Gitarre aber mit jeder Menge guter Laune kam ich dann wieder im Hostel an und war mir sicher, dass ich bald doch zum Gitarre spielen kommen würde.