Herford. Treuer als Burkhard Schmilgun kann man der ostwestfälischen Scholle kaum sein. Er ist in Bielefeld geboren, hat in Münster Germanistik- und Musikwissenschaft studiert und wohnt in Herford. Doch wenn es um Kunst geht, reicht sein Blick weit über den Teutoburger Wald hinaus. Wie wenige andere Musik-Produzenten hat der 54-Jährige den Klassik-Markt weltweit aufgemischt, indem er zeigt, dass es auch jenseits des unvergänglichen Dreigestirns Bach, Mozart, Beethoven hörenswerte Musik gibt.
Doch nicht der immergleiche ?" und zuweilen öde ?" Dienst an den Klassikern des Repertoires hatte den Geiger einst bewogen, die Nordwestdeutschen Philharmonie zu verlassen. "Tatsächlich wäre ich ohne meine Orchestertätigkeit wohl nicht bei cpo gelandet", ist sich Schmilgun sicher. Das Kürzel steht für Classic Production Osnabrück, ein Plattenlabel, das 1986 von Gerhard Georg Ortmann gegründet wurde und in Deutschland über jpc (Jazz Pop Classic) vertrieben wird.
Seit 15 Jahren ist Schmilgun bei dem in Georgsmarienhütte ansässigen Label Produzent. Seinem Gespür für zu Unrecht in Vergessenheit geratene Musik ist es zu verdanken, dass ?" zumindest auf Tonträgern ?" viele Komponisten wieder gespielt werden. Ob Louise Farrenc, Kurt Atterberg oder Allan Pettersson: Dank seines Entdeckergeistes sind viele weiße Flecken auf der musikalischen Landkarte getilgt worden.
Angefangen hat die Erfolgsgeschichte mit Erich Wolfgang Korngold. Zwischen 1985 und 1991 nahm der WDR in Herford mit der Nordwestdeutschen Philharmonie Werke des österreichischen Komponisten auf. Zwischen den Aufnahmesitzungen hatte Schmilgun Gelegenheit, mit dem Dirigenten Werner Andreas Albert zu reden. Und dabei stellte sich der Geiger als überraschend intimer Kenner dieser Musik heraus.
Des Komponisten Werk umfassend darstellen
Was verwundert, denn auch das Studium der Musikwissenschaft führt, selbst wenn der Schwerpunkt auf der Spätromantik liegt, nicht zwangsläufig zu Korngold. "Ich habe mich immer schon für das interessiert, was Abseits des Mainstreams liegt", erklärt Schmilgun. So kam es, dass er die Einführungstexte für die Korngold-CDs von Schmilgun schrieb. Ein Merkmal der Korngold-Edition sollte Markenzeichen von cpo werden: der Anspruch, das Werk eines Komponisten möglichst umfassend darzustellen.

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Auch der Klassik des ehemaligen Jugoslawien auf der Spur
In Schmilguns musikalischem Reich geht die Sonne nicht unter. Nach Skandinavien ist sein Augenmerk nun auf die Niederlande und Brahms-Intimus Julius Röntgen gelenkt. Über seine serbische Lebensgefährtin Zivana Milosavljevic, die Geigerin bei der NWD-Philharmonie ist, hat er die Musik des ehemaligen Jugoslawien entdeckt. Werke der kroatischen Spätromantikerin Dora Pejacevic stehen nun auf dem Plan.
Schon manches Orchester hat durch cpo-Aufnahmen internationale Reputation erfahren. Denn die CDs werden nicht nur in Europa vertrieben, sondern auch in den USA und Japan, den zwei größten Klassikmärkten der Welt. Sechs CDs erscheinen pro Monat. Von der Renaissance bis zur Moderne, von der österreichischen Volksmusik bis zum Jazz reicht das Angebot.
Aber gibt es tatsächlich soviel vernachlässigte Musik? "Nicht immer hat man es mit einem Genie wie Beethoven zu tun, der die Musik seiner Zeit geprägt hat. Aber es gibt viele Komponisten, die sich in der Sprache ihrer Zeit genial geäußert haben."
Den Einfluss auf die Programme des Konzertbetriebes schätzt er trotzdem als "eher gering" ein. Doch Dirigent Frank Beermann, der während des Gesprächs hereinschneit, um neue Projekte mit "seinem" Plattenproduzenten besprechen, widerspricht. Für cpo hat er bisher vier CDs eingespielt, darunter Sinfonien von Emil Nikolaus von Reznicek und Friedrich Ernst Fesca. Nun erzählt er, dass er aufgrund dieser Aufnahmen eine Einladung eines italienischen Orchesters erhalten hat, um Fescas "Zweite" zu dirigieren. Und Reznicek soll er mit einem der bedeutendsten deutschen Sinfonieorchester aufführen. Mehr will er noch nicht verraten. Aber klar ist: Ohne cpo sähe wohl auch die Konzertlandschaft ärmer aus.





