Detmold "Der Kaiserkeller ist einer der wirklichen Jazzclubs. Er entwickelt sich zu meinem Lieblingsclub." Wolfgang Lackerschmid schrieb das ins Gästebuch des Vereins "Jazz in Lippe e.V.". Thomas Stachel hat sich über dieses Lob besonders gefreut, er bringt seit vier Jahren den Jazz in den Kaiserkeller.
Der "Kaiserkeller" ist die Musikkneipe in Detmold. Rock, Blues und Jazz haben hier seit über zwanzig Jahren eine Heimstatt. Zwei bis vier Konzerte in der Woche sind die Regel, auch der Verein "Jazz in Lippe e.V." ist fast jeden Dienstag dort zu Gast.
Unter dem Vereinsdach "Jazz in Lippe" haben sich die Freunde des modernen Mainstreams schon ebenso seit fast zwanzig Jahren zusammengefunden, um hier selbst guten Jazz zu machen oder zu hören. Stachel ist seit vier Jahren Vorsitzender des Vereins. Er ist kein Musiker, er besorgt sich hier keine Gigs, er hat keinen persönlichen Vorteil, er macht den Job aus Freude an der Musik. Er ist der Backstageman, er wirkt im Hintergrund. Er hat auch den Vertrag mit Wolfgang Lackerschmid, einem der ersten Vibraphonisten der deutschen Jazzszene, unterschrieben, der mit seinem Quartett jüngst wieder einmal in Detmold Station machte.
600 Bewerbungen für Konzerte im Jahr
Zwölf bis vierzehn Konzerte organisiert Stachel im Jahr und kann dabei aus bis zu 600 Anschreiben und Bewerbungen aus dem In- und Ausland auswählen, denn in den letzten Jahren wuchs der Bekanntheitsgrad des Vereins schnell über Deutschlands Grenzen hinaus. Dienstags ist Stachel im Keller, bei den Konzerten, bei den Sessions, die musikalisch vom Schlagzeuger Karsten Bertram besorgt werden. Der stellt die Rhythmussektion zusammen, zu der sich zuweilen an die zehn Musiker aus der Region gesellen, um munter drauf los zu spielen.
Stachel bringt auch die Homepage des Vereins im Internet auf Vordermann, stellt dort alle Jazzkonzerte aus der näheren und weiteren Umgebung zusammen, archiviert die Presseartikel, gestaltet und druckt Plakate und entwirft den halbjährlichen Flyer mit den Konzerten des Jazzvereins und denen befreundeter Organisatoren wie Fritz Feger, der den monatlichen Jazzcocktail in der Nachbarstadt Lage serviert.
Stachel betreut ebenfalls das Musikerportal auf der Homepage des Vereins, in dem sich so illustre Namen finden wie der des Pianisten Florian Weber oder des Trompeters Frederik Köster, die beide inzwischen in der ersten Liga der neuen deutschen Jazzgeneration spielen und unlängst zu Professoren für Jazzausbildung in Osnabrück berufen wurden.
Wenn er dann überhaupt noch Zeit hat, besucht Stachel andere Jazzclubs in Minden, Bielefeld. 30 Stunden in der Woche ist er in Sachen Jazz unterwegs. Alles ehrenamtlich. Sonst arbeitet Thomas Stachel im Geschäftsbereich einer kleinen lippischen Firma und schlägt sich täglich mit den typischen Sorgen eines mittelständischen Betriebs herum. "Das ist nicht immer erbaulich. Da ist die Arbeit für den Jazz in Lippe ein Ausgleich für mich."
Der Saxophonist Klaus Doldinger hat Stachel einst zum Jazz verführt. Als jener Anfang der 70er Jahre mit "Passport" dem deutschen Jazz eine neue Farbe verlieh, da hörte der gerade mal 13 Jahre alte Thomas die Truppe in der Herforder Scala und war vom Augenblick an vom Jazz-Virus infiziert. Seine Eltern, der Vater Fleischer, die Mutter als Konditorin unterwegs, hatten dem offenkundig musikalischen Kind früh schon eine Gitarre geschenkt. Nach dem "Doldinger-Knall" wandte der sich auch schnell der Gitarrenwelt im Jazz zu. Die Gitarristen John Scofield, Michael Sagmeister, Pat Martino oder Toto Blanke wurden zu seinen Heroes.
Über Höhen und durch Tiefen sind Stachel und sein Verein natürlich auch schon gegangen. Anfangs des neuen Jahrtausends bestand der Verein, der heute wieder knapp 150 Mitglieder zählt, nur noch aus einem kleinen Häufchen Aktiver. Aber 2002 war man schon wieder soweit, sogar einen Jazz-Chor zu gründen. "Jazz und live gehören einfach zusammen", meint Thomas Stachel. Was er in den Verein "Jazz in Lippe" an Zeit und Arbeit investiert, ist für ihn "eine echte Energiequelle".