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01.12.2004
Feilschen mit Yoko Ono
Günther Butkus gründete in den achtziger Jahren den Bielefelder Pendragon-Verlag
VON HEIKE KRÜGER

Bielefeld. Astronomische Summen standen im Raum, als Günther Butkus sich Anfang der Neunziger um die Rechte für das John-Lennon-Songbook bemühte. Utopisch für den Bielefelder Verleger, diese Forderungen zu erfüllen. Ein Kontakt zum New Yorker Anwalt der Witwe Lennons, Yoko Ono, "meterlange" Briefe und eine gehörige Portion westfälischer Hartnäckigkeit halfen weiter.1991 erschien das Songbook im Pendragon Verlag in einer Erstauflage von 3.000 Stück. Einer der größten Erfolge des Verlegers, der Pendragon 1981 gründete.

Es auf immerhin 23 Jahre in der schwierigen Verlagsbranche zu bringen, ist keine einfache Übung. Der Verdrängungswettbewerb ist groß, kleine Verlage müssen mit viel Geschick versuchen, in die oftmals starren Programme der Buchhandelsketten zu gelangen. Oder in das handverlesene Sortiment kleiner Buchhändler. Für Günther Butkus (45) war immer die Vielfalt seines Verlagsangebots ein wichtiger Aspekt, um am Markt Bestand zu haben.

Die deutsche Übersetzung der berühmten Shaft-Krimis von Ernest Tidyman kann man daher in seinem Verlag ebenso finden wie Gedichte oder Reisebücher aus der Arktis von Ansgar Walk, Literatur aus dem Nachlass der westfälischen Dichterin Hertha Koenig aus den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts oder die Reihe koreanischer Literatur. "Ich hatte immer die Vorstellung, das zu machen, was andere nicht machen", erzählt Butkus. Deutschsprachige Gedichte von Cocteau zum Beispiel oder eben das John-Lennon-Songbook ?" der Pendragon Verlag ist bekannt für seine ungewöhnlichen Ideen, für die Butkus es immer wieder schafft, einen Markt zu finden.

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Entstanden ist der Gedanke, einen Verlag zu gründen, aus einer für die achtziger Jahre recht typischen Haltung: "Ich hatte selbst Gedichte geschrieben, die ich unter die Leute bringen wollte. Damals war es in Bielefeld noch etwas Neues, sein eigenes Buch zu machen und das auch zu verkaufen", berichtet der Verleger. Die Edition nannte er kurzerhand "Pendragon", in Anlehnung an die Artus-Sage, außerdem erschien ihm die Verknüpfung von "pen" und "dragon" für das kühne Anliegen, sich im Literaturbetrieb zu behaupten, sehr passend.

Butkus: "Damals ging ich mit 200 Exemplaren an den Start, im Copy Shop gedruckt und gebunden. Kaum waren die auf dem Markt, bekam ich schon die ersten Mauskripte zugeschickt." Ein Germanistik-Studium beendete Butkus vorzeitig, um sich ganz dem Verlag zu widmen.

Der Bielefelder Autor Hellmuth Opitz, bis heute im Pendragon-Verlag vertreten, gehörte zu den ersten, die Butkus betreute. "Ich bin immer gern auf Lesungen gegangen und hatte Spaß daran, mit den Autoren ins Gespräch zu kommen", schildert er. Dieses Interesse, die Fähigkeit, auf Schriftsteller zuzugehen, wirkt sich bis heute positiv auf die Verlagsentwicklung aus.

Hans-Christoph Buch und Peter Schneider, heute beide angesehene Suhrkamp-Autoren, gehörten zu den frühen Schriftstellern des Pendragon Verlags. Unter anderen D.B. Blettenberg, Reiner Schöne, Sigrid Lichtenberger und Bernd Lassahn folgten. Seinen größten Erfolg hatte Butkus allerdings mit einem ungewöhnlichen Stück Literatur, dem "Gummibärchen-Orakel" von Dietmar Bittrich, ein nicht ganz ernst zunehmender Beitrag zur Lebenshilfe mittels Gummibärenbefragung. "Dieses Buch bescherte uns den größten Erfolg, den wir je hatten", sieht sich der Verleger in seiner Überzeugung bestätigt, dass Ungewöhnliches und Nie-Dagewesenes einen kleinen Verlag am Leben halten kann.

Was mit eigener Lyrik begann, hat sich zu einer festen Größe in der ostwestfälischen Verlags-Landschaft gemausert. Inzwischen erreichen jährlich mehr als 1.000 Manuskripte den Bielefelder Kleinverlag. Er ist stets mit einem Stand auf der Frankfurter Buchmesse vertreten, vom Lennon-Buch verkauften sich mehr als 12.000 Exemplare. Trotzdem bleibt Butkus vorsichtig, ist nur wenig expandiert: Heute stehen ihm in seinem Büro an der Stapenhorststraße drei Mitarbeiter zur Seite ?" Susanne Bornemann, Michael Baltus (Grafik und Gestaltung) und Uta Zeißler.

Der Bielefelder weiß, wie schnelllebig das Verlagsgeschäft ist: "In den achtziger Jahren war vieles verspielter, es war mehr Geld im Umlauf. Es gab weniger Konzentrationen im Buchhandel und eine größere Bereitschaft, außerhalb des Mainstreams Bücher zu kaufen", fasst der Verleger das veränderte Klima zusammen. Sein Rezept, um dennoch in der Verlagslandschaft zu überleben: "Leidenschaft und Strategie. Beides gehört zusammen, sonst gefährdet man das Unternehmen."


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