Christian Grube schärft mit Ideen, Lust und Tatkraft den Sinn für Kultur in Hiddenhausen
Kreis Herford/Hiddenhausen. "Ich bin nur der Impresario, der den Rahmen schafft." Das kleine "Nur" ist sein komplexer Arbeitsbereich, die Kultur sein pädagogisches Anliegen. In der Gemeinde Hiddenhausen im Kreis Herford bringt Christian Grube seit mehr als 22 Jahren Ideen, Lust und Tatkraft ein.
"Kultur ist ein großer Schatz", so Christian Grube. In seinem Rathausbüro im Ortsteil Lippinghausen engagiert er Künstler, koordiniert Veranstaltungen. Oft ist er unterwegs, schaut persönlich nach dem Rechten, verkauft auch Eintrittskarten, wenn Not am Mann ist. "Ich bin mit dem Feuilleton groß geworden", sagt der Medienpädagoge, Veranstalter und Pressesprecher, erzählt von den Theater- und Konzertbesuchen als Kind, als sein Vater Rudolf als Redakteur für das Feuilleton der Neuen Westfälischen schrieb. Früh arbeitete auch Sohn Christian in freier Mitarbeit bei der Zeitung, im Fotolabor, im Archiv und bei der Post, damals schon "crossmedial" wie er scherzt. Grube studierte Biologie, Kunst und Deutsch, wollte Lehrer am Gymnasium sein. In Seminaren der Medien- und Freizeitpädagogik erlernte er Film-, Videoschnitt und Kameratechnik, wichtiges Können für seine spätere Kulturarbeit.
"Ich habe mich unentbehrlich gemacht", lacht Grube mit einem Augenzwinkern. Mit einer Anstellung als Lehrer sollte es nicht klappen – kein Bedarf in den 80ern. Bestens hingegen erwies sich sein beruflicher Start als ABM-Kraft mit eigenem Schnittplatz in der Gemeinde Hiddenhausen. Grube griff zur Videokamera und weil die Hiddenhauser sich Anfang des 20. Jahrhunderts der Tabakfabrikation widmeten, besorgte er Material von einem Bünder Zigarrenhersteller, verhandelte mit dem Zollamt, suchte kundige Frauen. Schnell vergaßen sie die Kamera, rollten wie vor rund 90 Jahren die Tabak-Puppen, brachten sie in der hölzernen Presse in Form und sangen dazu alte Lieder. Für seine Zeitzeugen-Protokolle arbeitet Grube eng zusammen mit Gisela Hering-Bejaoui, Frauengleichstellungsbeauftragte der Gemeinde, interviewt auch heute noch Menschen wie du und ich. "Alltagsgeschichten sind spannend", so der eingefleischte Videofilmer Grube. Er versteht sich als "moderner Stadtschreiber".
"Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt", sagt der Kulturgenießer. Die Welt blickt zurück, mindestens jedoch Ostwestfalen honoriert die rege Kultur in der Provinz mit vollem Haus in der Kleinkunstbühne der Olof-Palme-Gesamtschule. Hier lock(t)en Kabarettisten wie Hanns Dieter Hüsch, Harald Schmidt, die Missfits oder Gerhard Polt in die Aula, auch Mathias Richling und Anka Zink. Grube pflegt seine Kontakte, so zur Schauspielerin Eva Maria Hagen, die ihre Traumbilder 2004 zum ersten Mal öffentlich in Hiddenhausen zeigte. "Wir fördern vor allem junge Künstler", sagt Grube.
"Ellen Brinkmeier hörte ich in der Bielefelder Altstadt", erzählt Grube über einen der vielen Zufälle, die ein Kulturmanager braucht. Was er hörte, war die Musikerin mit ihrem Hang, einem Schweizer Klanginstrument. Was daraus entstand, war das erste Hang-Festival in Deutschland auf dem mehr als 600 Jahre alten Wasserschloss Gut Bustedt, gestaltet von Musikern und Künstlern mit viel Freiraum für spontane Workshops, Auftritte und Gespräche.
Die Resonanz: "So schön wie in Hiddenhausen war das Hangfestival (Hangout) in England nicht."