Herford / Bad Oeynhausen. Als Farina Gerlach sechs war, war sie wenige Minuten genau dort, wo die heute 15-jährige Schülerin einmal hin möchte: auf der Musical-Bühne. Die Eltern hatten Farina vor neun Jahren in das Musical "Hair" mitgenommen. In der Schlussszene liefen die Darsteller durch die Ränge und nahmen Zuschauer mit auf die Bühne. Farina war dabei.
Auf der Rückfahrt in ihre Heimatstadt Bad Oeynhausen schwärmte die kleine Farina unentwegt von ihrem nur wenige Minuten dauernden Auftritt. Und in ihr reifte ein Traum: Sie wollte und will noch immer Musical-Darstellerin werden. Klavierunterricht war der erste direkte Schritt; zwei Jahre später, als Achtjährige, nahm sie zusätzliche Gesangsstunden sowie Schauspielunterricht.
Die Karriere des jungen Mädchens ging steil nach oben – begünstigt durch ihren Ehrgeiz, ihr musikalisches Talent, eine schon sehr früh außerordentlich weit entwickelte Stimme und eine ganz besondere Begabung. Farina besitzt das absolute Gehör. Sie kann Lieder, einmal gehört, sofort am Klavier nachspielen. Ihre Klavierlehrerin nannte sie deshalb auch schon mal "Notenfresserin". Farinas Gier nach neuen Songs war nahezu unersättlich.
Doch Farina wollte noch mehr. Sie wandte sich an die Herforder Rockakademie OWL. Die organisierte für die inzwischen Elfjährige Auftritte unter anderem in Bünde, Bielefeld und Herford. Im August 2004 nahm Farina ihre erste Single ("Hör mir zu") auf und im Februar 2005 den Song "Eins auf dieser Welt" für eine CD, mit der Opfer der Tsunami-Katastrophe auf den Malediven unterstützt wurden. Bei einem Casting für das Musical "Aida" in Essen schaffte sie es bis in den Recall. Um dann nur abgewiesen zu werden, weil sie für die gesuchte Rolle zu jung war.
www.rockakademie-owl.de
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Möglicherweise hätten in diesem Moment viele Türen für das junge Ausnahmetalent – so Udo Erber von der Rockakademie – offen gestanden, doch Farina schlug sie (vorläufig) zu. Sie fühlte sich ausgepowert. "Es gab einen Bruch. Das wurde alles zu viel für mich, und ich hatte keine Lust mehr weiter aufzutreten", erzählt Farina heute. Auch Gesangsstunden nahm sie nicht mehr.
Nur ihrem Traum, Musicaldarstellerin zu werden, träumte sie weiter. Und ebenso schnell wie Farinas Eifer verflogen war, war er plötzlich wieder da. Farina: "Ich dachte mir, jetzt bin ich in der 10. Klasse, und das kann doch nicht sein, dass ich hier auf meinem Hintern sitze und nichts passiert." Seit einem halben Jahr nimmt sie private Ballett-Stunden und auch mit dem professionellen Gesangsunterricht an der Musikschule hat sie wieder begonnen. Ein Zeichen für ihren Willen: Die Stunden finanziert sie zum Teil selbst, indem sie als Küchenhilfe in einem Café arbeitet.
Dennoch möchte Farina nichts überstürzen. Vor allen Musical-Träumen möchte sie ihr Abitur machen und auch vom schnellen Ruhm à la "Deutschland sucht den Superstar" hält sie wenig. "Pop-Sängerin zu werden ist nicht mein Ziel, ich möchte allein Musical-Darstellerin werden." Punkt. Jetzt arbeitet Farina wieder an ihrem Traum. Die Auszeichnung der Rockakademie OWL sieht sie dabei als Ehre und Bestätigung für ihren Neuanfang.
Das absolute Gehör
Menschen, die ein absolutes Gehör besitzen, hören einen Ton und können sofort bestimmen, ob es sich um ein C ein Cis oder ein F handelt. Nur einer von zehntausend Menschen hat dieses Tonhöhengedächtnis, wie es Forscher nennen. Forscher haben allerdings herausgefunden, dass die meisten Neugeborenen absolut hören, diese Fähigkeit aber nach einigen Jahren verloren geht. Eine frühzeitige und intensive Beschäftigung mit Musikinstrumenten kann die Gabe des absoluten Gehörs fördern. So soll unter Berufsmusikern jeder zehnte ein absolutes Gehör haben. Beethoven, Bach, Händel und Chopin oder begnadete Solisten und Dirigenten wie Solti, Menuhin und Rubenstein hörten absolut.