Herford. Angefangen mit der Musik hat Dennis Le Rose mit zehn Jahren. Er versuchte sich am Keyboard, nahm Klavier- und Gesangsunterricht, das Gitarrespielen brachte er sich nebenher selbst bei. Seine Leidenschaft allerdings hat er woanders entdeckt: "Was ich machen will, ist Komponieren", sagt der von der Rockakademie OWL zum "Nachwuchskünstler des Monats" gekürte 19-Jährige.
Dennis hat selbst komponierte Hörbeispiele mitgebracht: "Victory" (Sieg) heißt eine Filmmusikkomposition, die genau so siegreich klingt, wie der Titel vermuten lässt. Die Melodie dafür hat er zunächst auf dem Keyboard eingespielt, auf dem Computer wird das Ganze dann orchestriert. Herausforderung: Als Komponist sollte man schon vorher eine Ahnung davon haben, wie alle Stimmen zusammen klingen.
"Ich versuche, viele Stile auszuprobieren"
Ob er für "Victory" eine bestimmte Filmvorlage gehabt hat? "Nein", antwortet er schlicht, "ich stelle mir das dann einfach vor." Nicht zu heiter sollte es klingen, eher düster, schließlich wird hier ein großer Kampf angekündigt. "Ich versuche, viele Stile auszuprobieren und für mich zu entdecken", meint Dennis.
Auch ein rührseliges Stück hat er mal komponiert. Dennis braucht gar nicht lange in seinem Laptop-Archiv zu kramen: "Time to Look Forward" – das hat er kürzlich für seine eigene Abitur-Entlassungs-Feier arrangiert. Ein Werk für Chor, Orchester und Solo-Stimme.
Dass Dennis das Orchester dabei sogar selbst dirigiert hat, scheint für ihn keine Sensation, nahm er doch vorher noch schnell ein paar Dirigierstunden bei seinem Lehrer Stephan Otters, Schulleiter der Musikschule Bad Salzuflen. "Es ist eine Sache, wenn man komponiert. Aber wenn die das dann spielen, was man selbst komponiert hat, dann ist das ein richtig tolles Gefühl."
Sieger bei "Jugend musiziert"
Wenn Dennis vom Komponieren erzählt, nebenbei erwähnt, dass er mit dem Singen auch schon Bühnenerfahrung gesammelt hat, oder ganz bescheiden mitteilt, er habe 2007 den ersten Platz bei "Jugend musiziert" in der Kategorie Popgesang belegt, dann scheint es, als sei dieser Nachwuchskünstler längst in der Musik zu Hause.
Music Award 2009
40 Bewerbungen von Rockbands und Solokünstlern aus der Region waren nach Auskunft der Rockakademie OWL in Herford bis gestern für den mit 750 Euro dotierten "Music Award 2009" eingegangen. Die Rockakademie sucht die besten Nachwuchsmusiker aus der Region. Aus dem Bewerberfeld wählt eine Jury in den nächsten Tagen zehn Teilnehmer für den Vorentscheid aus, bei dem diese sich am 23. August live beim Herforder Hoekerfest präsentieren werden. Sechs kommen ins Finale am 12. September im MARTa.
Dennis komme zwar aus der Popszene, "aber ich finde es toll, wie sich das weiterentwickeln kann", meint Stephan Otters. "Komposition" war zunächst lediglich als Projekt gedacht, das der Musikschullehrer gemeinsam mit Dennis startete.
Daraus entstand eine Leidenschaft, deren Techniken in der Musikschule verfeinert wurden. Zum Hauptfach Komposition gehören eben auch Pflichten wie Musiktheorie, Rhythmus- oder Melodie-Diktate, einzelne Melodien werden entwickelt und zusammengeführt.
"Das Wichtigste ist, dass man sehr viel ausprobiert"
Eine komplexe Angelegenheit, schließlich ist Dennis als Komponist der Autor einer ganzen Partitur. "Das Wichtigste ist, dass man sehr viel ausprobiert", weiß Dennis. Zurzeit versuche er sich an der "Horrorschiene". Zu seinen persönlichen Lieblingsfilmen allerdings zählen Klassiker wie "Der Pate": "Da ist die Musik so schön, typisch italienisch. Es ist besonders schön, dass man verschiedene Kulturen hört." Da er selbst italienische Wurzeln hat, greift er beim Singen gerne zu italienischen Stücken, Eros Ramazotti zum Beispiel, Balladen, Duette, "eher ruhigere Sachen".
Und es ist immer die Musik, auf die er sich konzentriert, wenn er sich einen Film ansieht. Manchmal lenke das zwar von der Handlung ab, aber Dennis hört sich gerne an, wie andere Komponisten Musik machen. Danny Elfman, Hans Zimmer – solche Größen der Filmkomposition haben ihn inspiriert.
Zwar plant er nicht, mit dem Komponieren direkt nach Hollywood zu gehen. Eine Idee für seine Zukunft hat der 19-Jährige jedoch schon. Gerne würde er an einer Filmakademie studieren, vielleicht noch ein Praktikum beim Berliner Filmorchester machen. Kontakte zu den Regisseuren sind elementar für jeden angehenden Filmmusikkomponisten.
Ein Komponist aber ist er bereits. "Mit meiner Musik kann ich Gefühle ausdrücken. Wenn ich merke, dass mir das gelungen ist, bekomme ich Bestätigung. Dann merke ich, dass ich meinem Ziel ein Stück näher gekommen bin."