Willebadessen. Dieser Winter ist lang und frostig, Norbert Hofnagel kann das eindrucksvoll beweisen. Er steht in einer Scheune, so groß wie eine Sporthalle, und zeigt auf die Türmchen aus Holz, ganz hinten in der Ecke. Noch im Herbst war die Halle voll von kleinen Hackschnitzeln, mit denen man heizen kann. Jetzt ist das Lager fast leergefegt.
Hofnagel greift zum Handy und ruft einen Mitarbeiter an. "Kundschaft ist auf dem Weg", sagt er. Dann winkt er dem Landwirt zu, der mit dem Trecker aus Paderborn gekommen ist, um Nachschub für seine Holzpellet-Heizung zu holen. Die Nachfrage nach Energie, Wärme und Rohstoffen ist riesig.
Norbert Hofnagel ist Geschäftsführer des Betriebshilfsdiensts und Maschinenrings Höxter-Warburg. 1.060 Landwirte sind in diesem Verein zusammengeschlossen, eine echte Wirtschaftskraft im sehr ländlich geprägten Kreis Höxter.
Vertriebszentrum für Pellets, Dünger und Hackschnitzel
Vor mehr als zehn Jahren heckte Hofnagel mit einigen Kollegen einen kühnen Plan aus: Sie wollten selbst mitspielen auf dem Energiemarkt – und auf nachwachsende, umweltfreundliche Rohstoffe setzen. Die Idee vom Biomasse-Hof in Willebadessen-Borlinghausen war geboren, Umschlagplatz und Vertriebszentrum für Pellets, Dünger und Hackschnitzel. Biomasse eben.
Energiequelle
Biomasse ist ein Überbegriff für organische Substanzen, die die Natur produziert. In der Energie- und Wärmeerzeugung hat Biomasse den Vorteil der Nachhaltigkeit – etwa gegenüber Erdöl. Viele Experten sagen: Das endliche Öl sollte nur noch in Maßen zur Energiegewinnung dienen. Besser sei es, möglichst auf nachwachsende Rohstoffe zu setzen. Allerdings hat das Verheizen von Holz nicht nur Vorteile. Kritiker bemängeln eine erhöhte Feinstaubproduktion. (ab)
Borlinghausen liegt am Rand des Eggegebirges, die Probleme des ländlichen Raums und des demografischen Wandels kann man auch hier nicht übersehen. 421 Einwohner, keine DSL-Anbindung, an der Zufahrt zum Biomasse-Zentrum stehen andere Höfe seit Jahren leer, einige Fenster sind eingeschlagen.
Die Gegend, in der heute der Biomasse-Hof steht, heißt "Teutonia", seit dem 19. Jahrhundert wird dort geschuftet. Die "Teutonia"-Gesellschaft grub nach Eisenerz, später siedelte sich eine Glasfabrik an, dann eine Ziegelei, ein Sägewerk, ein Spielzeughersteller. Unternehmer kamen und gingen, der Boden war jahrzehntelang verseucht. Mittlerweile ist er ausgetauscht und gesund. Aus Industrie-Ruinen ist eine kleine Zukunftsfabrik entstanden.
Gute Umweltbilanz
"Ich höre immer, dass der ländliche Raum durch den demografischen Wandel besonders benachteiligt ist. Aber es muss auch mal Schluss mit dem Pessimismus sein", sagt Norbert Hofnagel. Der Biomasse-Hof zeige, dass das Leben auf dem Land auch Vorteile habe – nämlich die Freiheit, seine Energiequelle selbst zu wählen. "In der Stadt ist man von Gas und Öl abhängig. Hier können wir auf umweltfreundlichere Heiztechniken umstellen." Das NRW-Wirtschaftsministerium streicht in mehreren Studien die gute Umweltbilanz von Heizungen heraus, die mit regional produzierten Holzpellets oder Hackschnitzel befeuert werden.
Etwa 600.000 Euro haben die Landwirte des Maschinenrings anfangs in den Borlinghausener Hof investiert. Eine Entscheidung, die sich mittlerweile auszahlt. Zuletzt schrieb die Tochtergesellschaft des Maschinenrings, die den Hof betreibt, erstmals schwarze Zahlen. Mehrere Institutionen im Kreis Höxter und Umgebung heizen mit nachwachsenden Rohstoffen, darunter Einrichtungen der Stadt Brakel, das Schulzentrum in Horn-Bad Meinberg oder das Heilpädagogische Therapie- und Förderzentrum (HPZ) in Warburg.
Zuletzt hat Norbert Hofnagel das Erfolgsprojekt auf der Grünen Woche in Berlin vorgestellt. Aber auch Probleme kamen zur Sprache: Dass die Öl- und Gaspreise derzeit sehr niedrig sind, was die umweltfreundlichere Biomasse als Heizstoff unattraktiver macht. Und dass eine Holzpellet-Heizung in der Anschaffung immer noch teurer ist als eine Ölheizung. Gerade in der Wirtschaftskrise scheuen viele Firmen eine solche Investition.
Borlinghausen und der ganze Kreis Höxter setzen trotzdem auf die richtige Karte, glaubt Hofnagel. Für viele Landwirte des Maschinenrings sei das Biomasse-Geschäft schon jetzt ein gutes Zubrot. "Vielleicht ist das ein Weg, um die Landwirtschaft trotz des demografischen Wandels zukunftsfest zu machen."
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