Vor allem im Kreis Höxter kämpfen Kirchengemeinden gegen sinkende Mitgliederzahlen
Borgentreich. Sieben Beerdigungen und eine Taufe – was anmutet wie die skurrile Abwandlung eines bekannten Filmtitels, ist Tatsache in Rösebeck. In dem Städtchen im Kreis Höxter wurden im vergangenen Jahr sieben Gemeindemitglieder beerdigt, nur ein neues wurde getauft.
Als Regina Weber vor 47 Jahren aus dem Kreis Gütersloh nach Rösebeck kam, "da war alles noch anders." Die Kirche war voll, der Ort lebendig. Mittlerweile hat sich einiges geändert. "Viele gehen hier weg, weil es keine Arbeit gibt", sagt die 74-Jährige. Das lässt auch die Zahl der Gläubigen in der Kirchengemeinde sinken.
Pfarrer Werner Lütkefend ist entsetzt, wenn er einen Blick auf die Zahlen wirft. 432 Katholiken leben in Rösebeck, vor gut 20 Jahren waren es noch 542. "Sind alle Gemeinden noch lebensfähig?" fragt der Geistliche und gibt auch gleich die Antwort: "Irgendwann werden Gemeinden fusionieren – oder sich auflösen müssen."
Rösebeck selbst gehört zum Pastoralverbund Borgentreicher Land, so wie neun andere Kirchengemeinden auch. Für die insgesamt 7.547 Katholiken sind vier hauptamtliche Seelsorger zuständig. Es gibt außerdem eine Gemeindereferentin und einen Diakon, der allerdings nur nebenberuflich für die Gemeinde arbeitet. Dass die Dörfer massiv junge Menschen verlieren und damit auch ein Priestermangel einhergeht, weiß Lütkefend längst. "Auch andere Leute werden jetzt langsam wach."
Die Gläubigen müssen mithelfen
Zu ihnen gehört auch Anna Köster. Die 70-Jährige macht sich Sorgen. Zum Gottesdienst in einen anderen Ort fahren, weil in der eigenen Kirche keine Gottesdienste mehr stattfinden können? "Das wird irgendwann so kommen", ist die Seniorin sicher. "Vor allem für Ältere wird das dann schwierig."
Pfarrer Lütkefend will es nicht so weit kommen lassen. "Jede Gemeinde soll selbständig bleiben. Uns ist es wichtig, dass sonntags überall die Glocken läuten." Die Gläubigen müssen dabei allerdings mithelfen.
Dafür hat sich der Pastoralverbund ein besonderes Konzept überlegt. Bereits neun Gläubige haben sich zu Wortgottesdienstleitern ausbilden lassen. Kann kein hauptamtlicher Geistlicher den Gottesdienst übernehmen, springt ein Laie ein. "Wir können vor Ort einfach nicht mehr so präsent sein", sagt Lütkefend über das Seelsorgeteam. Was auch einen weiteren Nachteil mit sich bringt: "Die Nähe zu den Menschen ist nicht mehr so gegeben."
Hospizarbeit wird im Mittelpunkt stehen
Der 54-Jährige setzt auf die Eigenverantwortung der Gemeinde. Er strebt eine Änderung von mitsorgend zu selbstsorgend an. Ehrenamtliche sollen also künftig selbst kirchliche Aufgaben übernehmen. Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte tragen einen Teil der Verantwortung für die Gemeinden und es soll einen Beauftragten für kirchliche Belange in jeder Gemeinde geben. "Wir unterstützen natürlich alle in dieser Eigenverantwortung."
Rund 500 Menschen leben in Rösebeck, doch in Zukunft wird die Zahl weiter schrumpfen, darüber sind sich alle einig. Daraus wird sich für die Kirchengemeinde auch eine neue Schwerpunktaufgabe ergeben. Seelsorger und Ehrenamtliche werden sich verstärkt um Alleinstehende kümmern. Hospizarbeit wird im Mittelpunkt stehen. Auch den Nachwuchs will Werner Lütkefend nicht aufgeben. Er weiß: "Junge Leute haben kaum noch Kontakt zur Kirche." Damit abfinden will sich der Geistliche nicht.
Zumindest bei Johanna, Ricarda und Nina war er schon erfolgreich. Die Achtjährigen müssen als Kommunionkinder in den Gottesdienst gehen. Doch die drei Mädchen sind sicher: "Wenn wir älter sind, kommen wir auch noch."
Lütkefend sieht die kleine Gemeinde gut aufgestellt: "Wir sind vorbereitet", sagt er, "auch wenn wir nicht genau wissen, was kommt. Wir wollen lebensfähig sein."