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02.02.2010
BAD DRIBURG
Beliebter Bürgerbus
Wie Menschen in gehobenem Alter in Bad Driburg mobil bleiben
VON JULIA RENNER

Einsteigen bitte | FOTO: MARC KÖPPELMAN

Bad Driburg. Die Ohren funktionieren nicht mehr so gut wie früher. Macht aber nichts: "Dann müssen die Fahrgäste etwas lauter sprechen." Seit mehr als zwölf Jahren fährt Fritz Schmitt ältere Menschen mit dem Bürgerbus durch Bad Driburg. 75 Jahre alt ist er nun selbst und damit laut Gesetzgeber eigentlich zu alt, um den kleinen Bus zu fahren. Im April wird er den jüngeren Ehrenamtlichen Platz machen – die selbst alle schon jenseits der 60 sind.

Alwine Koritkos Knie sind kaputt. "Ohne den Bus ist es schwierig für mich", sagt sie. Mit Tüte und Tasche in der Hand steht sie an der Haltestelle Stadtmitte, dem Dreh- und Angelpunkt des Bürgerbusses, und wartet auf Fritz Schmitt.

Der sitzt seit halb neun am Morgen hinterm Steuer. Als er Koritko einsammelt, ist es kurz nach zehn Uhr. Nach einer kurzen Pause geht es weiter für den 75-Jährigen. Tour 1 steht an, in die nördliche Südstadt. Von Haltestelle zu Haltestelle schaukelt der kleine Bus. Viereinhalb Stunden dauert eine Schicht, und manchmal, so wie heute, ist Schmitt etwas deprimiert, "weil kaum Fahrgäste einsteigen".

Im Bus wird auch über Privates gesprochen

Die meisten kennt er persönlich. Er weiß, wer an welchem Tag mitfährt. "Man unterhält sich oft, und zuhören tue ich immer, wenn mir die Fahrgäste etwas erzählen." Es ist selbstverständlich, dass nicht nur über das Wetter, sondern auch über Privates gesprochen wird. Schmitt manövriert den Achtsitzer vorsichtig um eine enge Kurve und lächelt. "Wenn die Leute aussteigen, sich umdrehen und noch mal danke sagen – das ist etwas wirklich Schönes."

Hilfsbereit | FOTO: MARC KÖPPELMANN

Bei den Senioren in Bad Driburg ist Schmitt beliebt. "Ich habe gehört, Sie hören auf", sagt Vera Hüttner, als sie einsteigt. Herr Schmitt ist ihr liebster Fahrer. "Obwohl: Eigentlich haben wir alle lieb", sagt die 81-Jährige und lacht. Die Atmosphäre im Bus ist entspannt, fast familiär.

Ohne den Bus, sagt Vera Hüttner, könne sie sich ihr Leben gar nicht mehr vorstellen. Sie ist auf den ehrenamtlichen Fahrdienst angewiesen, um zum Arzt, zum Einkaufen oder zum Frisör zu kommen. Edith Krause pflichtet ihr bei. Ohne den Bus könnte sie ihr Leben nur schwer organisieren. Bis zur Polizei fährt die 90-Jährige und erledigt von dort aus Arztbesuche, Bankgeschäfte und Einkäufe. "Das kann man ja alles nur in der Innenstadt machen." Um Punkt 13 Uhr fährt sie wieder zurück, sagt sie. Den Fahrplan hat sie genau im Kopf. Fritz Schmitt wird ihr dann helfen, die Einkaufstüten in den Bus zu hieven. Wie so oft.

Jeden Tag 100 Fahrgäste

Vier Touren bietet der Bürgerbus an, kreuz und quer durch die Stadt, montags bis freitags. Bernhard Pillkahn ist einer von 18 Fahrern. Der 70-Jährige ist Vorsitzender des Vereins. Jeden Tag, sagt er, werden 100 Fahrgäste durch die Stadt gefahren.
Zwischen 65 und 95 Jahre alt sind die Mitfahrer und froh über den Dienst. Einen innerstädtischen Bus gibt es nicht. "Ohne uns läuft nix", sagt Pillkahn. Die Senioren wissen das zu würdigen. Ab und zu gibt es mal einen Euro in die Spardose, die beim Fahrer steht. Auch von Vera Hüttner. 20 Euro drückt sie Pillkahn in die Hand, als sie aussteigt. "Das sind schließlich alles Ehrenamtliche, das muss man auch mal belohnen", sagt sie und winkt zum Abschied.

Schwarze Zahlen

Den Bürgerbusverein Bad Driburg gibt es seit 1997, derzeit gehören ihm rund 130 Mitglieder an. Der einzige Bus des Vereins ist angeschlossen an das Nahverkehrsunternehmen Bahn Bus Hochstift (BBH) "und macht schwarze Zahlen", wie Bernhard Pillkahn, Vorsitzender des Vereins, sagt. Vom Land wird der Verein jedes Jahr mit 5.000 Euro, einer sogenannten Organisationspauschale, unterstützt. Davon werden die jährlichen ärztlichen Untersuchungen der Fahrer und Fahrerlaubnisse finanziert. Alle 18 Fahrer arbeiten ehrenamtlich.



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