Bielefeld. Die Zugfahrt in der Regionalbahn könnte demnächst billiger werden. Die Bundesnetzagentur erklärte die Gebühren, die die Deutsche Bahn von Konkurrenten wie der Nordwestbahn für die Schienennutzung erhebt, für rechtswidrig. Damit schafft sie die Möglichkeit, die Fahrtkosten zu senken.
Derzeit fordert die Bahntochter DB Netz AG die sogenannten Regionalfaktoren nur im Personennahverkehr auf bestimmten Strecken. Auf Nebenstrecken, die weniger befahren werden, müssen Wettbewerber einen höheren Betrag zahlen als in Ballungsräumen. Die Schienen innerhalb von Bielefeld zählen zu so einem Ballungsraum. Die Auswahl der Regionalstrecken sei "nicht nachvollziehbar", sagt Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur. "Die genannten Begründungen waren für uns weder sachlich noch rechnerisch nachzuvollziehen." Damit erklärt Kurth die erhobenen Gebühren für ungültig.
Auch die Nordwestbahn, die in OWL fährt, sei von dieser Änderung betroffen. "Auf einigen Strecken, die wir befahren, zahlen wir Regionalfaktoren", sagt Sprecherin Kathrin Hofmann. "Für uns bringt die Entscheidung der Bundesagentur viel Positives. Der Verkehrsverbund hat im nächsten Jahr vielleicht mehr Geld zur Verfügung."
Mehr Verkehr auf die Schienen bringen
Für Unternehmen wie die Nordwestbahn zahlt der Aufgabenträger, der Verkehrsverbund Ostwestfalen-Lippe (VVOWL), die Trassenpreise. Würden diese durch ein neues Tarifsystem gesenkt, stände dem VVOWL mehr Geld zur Verfügung. Ob dadurch Fahrtkosten gesenkt werden, steht noch nicht fest. Hofmann: "Wie der Aufgabenträger das Geld schließlich einsetzt, kann man nicht sagen. Möglich ist auch, dass es mehr Züge gibt, die in den späteren Abendstunden fahren."
Die Regionalfaktoren werden seit 2003 erhoben. "Momentan gibt es 46 verschiedene Regionalnetze", sagt René Henn, Sprecher der Bundesnetzagentur. Diese Ungleichbehandlung verstoße gegen das eisenbahnrechtliche Diskriminierungsverbot. Die höheren Preise für schwach befahrene Strecken laufen dem erklärten Ziel zuwider, mehr Verkehr auf die Schienen zu bringen. Henn: "Das Trassenpreissystem ist einfach nicht transparent."
Mit Beginn des Winterfahrplans am 12. Dezember ändern sich die jetzigen Faktoren. Bis dahin müssen sie gezahlt werden. Wie die DB Netz AG letztlich Korrekturen im Trassenpreissystem vornimmt, um ein kostendeckendes Ergebnis sicherzustellen, entscheidet das Unternehmen bis Dezember. Dazu ist es gesetzlich verpflichtet. Denkbar wäre, bundesweit die gleichen Gebühren zu erheben, so Hofmann.
Regionalfaktoren
In OWL gibt es drei private Wettbewerber der Deutschen Bahn. Die Westfalenbahn aus Bielefeld wurde 2005 gegründet, außerdem gibt es die Nordwestbahn mit Sitz in Osnabrück, und die Eurobahn, eine Tochter des französischen Unternehmens Keolis. Die Regionalfaktoren, mit denen der Trassengrundpreis multipliziert wird, liegen zwischen 1,0 und 1,91. Der Grundpreis für die Nutzung der Trasse durch die Privatbahnen beträgt etwa vier Euro. Im Bereich Lippe/Senne liegt der Faktor bei 1,12. Bei vier Euro Grundpreis wäre ein Betrag von 4,48 Euro pro Zugkilometer fällig. Im Weserbergland liegt der Faktor bei 1,14 – macht 4,56 Euro pro Kilometer. Und damit acht Cent mehr als in Lippe-Senne.