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16.03.2010
Frauen in der Führungsspitze: OWL-Firmen gegen starre Regelung
Telekom setzt auf Quote
VON CHRISTIAN LUND

Auf dem Weg in die Vorstandsetage | FOTO: DPA

Bielefeld. Die Ahlers AG aus Herford kann mit Fug und Recht behaupten, prozentual die höchste Frauenquote im Top-Management zu haben: Mit Stella Ahlers als einem von zwei Vorstandsmitgliedern liegt sie bei 50 Prozent.

Ganz so weit geht die Deutsche Telekom mit ihren Forderungen nicht. Aber immerhin kündigte sie an, den Frauenanteil in leitenden Positionen auf mindestens 30 Prozent zu erhöhen. Die neue Regelung soll weltweit für den gesamten Konzern gelten.

Vorstände und Aufsichtsräte großer Unternehmen werden nach wie vor von Männern dominiert. Das zeigt die aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Nur 2,5 Prozent aller Vorstandsmitglieder der 200 größten Unternehmen sind Frauen. In Aufsichtsräten nehmen Frauen ein Zehntel aller Sitze ein.

Die Frauenquote sei keine Gleichmacherei, erklärte Telekom-Chef René Obermann in Bonn, sondern ein Gebot der gesellschaftlichen Fairness und eine Notwendigkeit für den Erfolg. Schon jetzt seien 60 Prozent der Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge Frauen.

Gerry Weber beschäftigt zu 88 Prozent Frauen

In Ostwestfalen-Lippe beschäftigen die Unternehmen eher weniger Frauen in Spitzenpositionen, von Ausnahmen abgesehen. Wincor Nixdorf mit Hauptsitz in Paderborn beispielsweise kommt auf eine Quote, die "deutlich unter 30 Prozent liegt", wie Unternehmenssprecher Ulrich Nolte sagte. Der Modehersteller Gerry Weber aus Halle dagegen beschäftigt laut einer Sprecherin insgesamt stolze 88 Prozent Frauen; in der Geschäftsleitung immerhin 3 von 16 Personen.

Aufgrund der Branchenzugehörigkeit habe das Industrieunternehmen Benteler aus Paderborn eine Quote von 15 Prozent, teilte Sprecherin Gudrun Girnus mit. Der Anteil habe sich aber während der vergangenen fünf Jahre schon erhöht. "Innerhalb der Holding aber haben wir sogar 35 Prozent, dort werden drei von acht Bereichen von Frauen geführt", sagte Girnus. Das sind die Abteilungen IT, Personal und Unternehmenskommunikation.

Eine Quotenregelung aber befürwortet keines der angefragten Unternehmen. "Wir sehen den Menschen und suchen den fähigsten aus dem Pool heraus", erklärte Götz Borchert, Sprecher des Modeherstellers Ahlers. Insgesamt beschäftige das Modeunternehmen etwa ein Fünftel weibliche Kräfte. Das hänge damit zusammen, dass in der Generation 60 plus traditionell sehr viele Männer gearbeitet hätten, wohingegen in der heutigen Generation derjenige Arbeitnehmer engagiert werde, der die beste Qualifikation habe.

Auch die Bertelsmann AG in Gütersloh hält eine Quotenregelung für nicht notwendig. "Der Anteil an Frauen im Top-Management hat sich seit 1998 mehr als verdoppelt, auf aktuell 17 Prozent, auf Management-Ebene sind 28 Prozent der Führungskräfte Frauen", erklärte ein Sprecher. Insgesamt sind bei Bertelsmann 53 Prozent Frauen beschäftigt.


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