Rheda-Wiedenbrück. Firmenchefs und Architekten haben den ersten Spatenstich gesetzt für ein neues Portalgebäude des Fleischkonzerns am Unternehmenssitz in Rheda-Wiedenbrück. Hier sollen ab Sommer 2011 Gäste empfangen werden, Mitarbeiter saunieren und Kinder spielen – während nebenan jeden Tag 22.000 Tiere geschlachtet werden.
Die Bagger schaufeln schon. Vor dem Hauptwerk des größten deutschen Fleischproduzenten zieht die Unternehmensführung ein neues Empfangsgebäude hoch – für 200 Arbeitsplätze in der Verwaltung, mit Schulungs- und Tagungsräumen sowie Umkleiden für 5.000 Mitarbeiter. Dazu kommen ein Fitnessstudio zur Entspannung der Angestellten, eine Sauna, eine Kindertagesstätte mit 80 Plätzen, ein Kunstrasen- und ein Basketballplatz.
Das neue Gebäude soll 20 Meter hoch und fast so groß wie ein Fußballfeld werden: 106 Meter mal 40 Meter. 20 Millionen Euro investiert das Unternehmen in das Bauwerk des Architektenbüros ATP N+M aus Offenbach, das seit zwei Jahrzehnten mit Tönnies zusammenarbeitet. Besonders stolz präsentierte Architekt Ulf Bambach nachhaltige Bauteile wie die wärmegedämmte Fassade, die Dreischeibenverglasung oder die geplante Erdwärmeanlage mit 35 Bodensonden. "Das ist was für Übermorgen", sagte Geschäftsführer Josef Tillmann. Mit zusätzlichen Investitionen von etwa 1,5 Millionen Euro werde der CO2-Ausstoß im Vergleich zu konventionellen Gebäuden um 75 Prozent reduziert .
Auch in Zukunft kräftig expandieren
Hintergrund des Neubaus ist das massive Wachstum der Unternehmensgruppe. TönniesFleisch setzte 2009 mit etwa 7.500 Mitarbeitern an den Standorten in Rheda-Wiedenbrück, Sögel, Herzebrock-Clarholz, Weißenfels (Sachsen-Anhalt) und Brandenburg an der Havel rund 3,9 Milliarden Euro um. 2010 erwartet der Konzern einen Erlös von gut 4 Milliarden Euro.
3-D-Modell | MODELL: TÖNNIES
Auch in Zukunft will der ostwestfälische Fleischverarbeiter kräftig expandieren. In fünf Jahren solle der Umsatz bei gut 5 Milliarden Euro liegen, sagte Firmenchef Clemens Tönnies. Als große Wachstumsmärkte betrachtet er vor allem China und Russland. Mehr als 50 Prozent der Fleisch- und Tiefkühlware exportiert der Konzern mittlerweile in diese Länder sowie nach Südafrika und Japan. Vor kurzem erhielt Tönnies die Zulassung für den kanadischen Markt.
Beim Thema Tierschutz waren Schlachtkonzerne in den vergangenen Tagen eher in die Defensive geraten. Laut eines Berichts des ZDF-Magazins "Frontal 21" geraten jedes Jahr über eine halbe Millionen Schweine in deutschen Betrieben lebend statt tot in die Brüh- und Zerlegemaschinerie – obwohl das gegen das Gesetz verstößt. Staatssekretärin Julia Klöckner (CDU) vom Bundeslandwirtschaftsministerium forderte deshalb von den Landesregierungen, Schlachthofbetreiber nachhaltig zu kontrollieren.
Clemens Tönnies wies den Vorwurf der mangelhaften Tierbetäubung gegenüber dieser Zeitung von sich: "Gut, dass Sie mich das fragen. Ich fordere von der gesamten Branche, dass sie die gleichen Standards wie wir ansetzt." Bei Tönnies seien die Tiere "zu 100 Prozent" betäubt, wenn sie geschlachtet werden.