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14.06.2010
Im Wohngebiet darf laut gekickt werden
Zumindest auf Spiel- und Bolzplätzen ist Krach grundsätzlich erlaubt

Bielefeld. Die schönsten Szenen eines Fußballspiels während der WM stellen Kinder gerne - am besten in den Trikots ihrer Helden - auf dem Bolzplatz oder auf der Straße nach. Frühe Anstoßzeitzeiten in Südafrika ermöglichen es, nach dem Spiel selbst noch eine Runde zu kicken. Dabei müssen die kleinen Messis und Schweinis einiges beachten.

Eine aktuelle "Bolzplatzentscheidung" kommt vom Verwaltungsgericht Braunschweig. Dort hatte sich ein Anwohner über die "unzumutbaren Lärm-immissionen" beschwert, die von einem Bolzplatz in rund 20 Metern Entfernung auf sein Hausgrundstück einwirkten. Er bemängelte zudem, dass die Auflagen für den Betrieb des Platzes nicht eingehalten würden. Im Sommer würde weit nach Ende der öffentlichen Spielzeit um 19 Uhr hinter dem Ball hergejagt. Das Gericht urteilte, dass der Anwohner nicht über ein Maß hinaus belästigt würde, das weitere Auflagen rechtfertige. Die Stadt als Betreiber konnte nachweisen, dass regelmäßig Kontrollen durch das Ordnungsamt oder die Stadtjugendpflege durchgeführt werden, bei denen bisher keine nennenswerten Verstöße festgestellt worden waren. Auch die Tatsache, dass hin und wieder ein Vater (also eine Person "über 12 Jahre") mit seinem Sohn Dribblings und Flanken übe, sei kein Beweis dafür, dass der Lärm unangemessene Pegelwerte erreiche. (AZ: 2 A 137/09)

In einem anderen Fall verlangte ein Hauseigentümer, dass ein in der Nachbarschaft gelegener Bolzplatz geschlossen werde. Er störe ihn unzumutbar. Doch das Oberverwaltungsgericht für NRW ließ die Pforten geöffnet. Grundsätzlich müsse jeder Anwohner den von einem Spiel- oder Bolzplatz ausgehenden Geräuschpegel in einem allgemeinen Wohngebiet im Rahmen der Benutzungsregeln hinnehmen. Nur dann, wenn es zu missbräuchlicher Nutzung des Platzes komme, gebe es die Möglichkeit, dagegen "polizei- und ordnungsrechtliche Mittel in Anspruch zu nehmen". (OVG für NRW, 10 E 289/09)

Ein Hauseigentümer in Nassau, der in der Nähe eines Wendehammers in einem reinen Wohngebiet lebt, pfiff die Kicker zurück, die dort spielten. Der rund 20 Meter vom Wendehammer entfernt wohnende Mann fühlte sich in seiner Ruhe unzumutbar gestört. Der Krach, den die Nachbarskinder verursachten, wurde gutachterlich gemessen. Das ergab, dass der zulässige Lärmpegel für ein solches Wohngebiet "erheblich und oft überschritten" wurde. Das war das Ende des Wende-Stadions, die Gemeinde musste das Treiben unterbinden. Sie stellte Verbotsschilder auf, die zunächst von den Kindern ignoriert wurden. Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz urteilte dann, die Kommune müsse endgültige Maßnahmen ergreifen, um den Lärm zu beenden. Welche, das wurde der Kommune überlassen. (AZ: 7 A 10789/07)

Ob Fußball "regulär" - also auf einem Fußballplatz mit Schiedsrichter - gespielt wird oder auf einem "Bolzer", macht keinen Unterschied, meint das OLG Hamm. Auch dort gelten die Regeln des Deutschen Fußballbundes. Das habe zur Folge, dass eine Verletzung, die nicht absichtlich verursacht wurde, weder Schadenersatz noch Schmerzensgeldansprüche bringen könne. So ging ein 9-jähriger leer aus, der durch eine "Grätsche" eines 16-jährigen zu Fall gebracht und verletzt worden war. Mit Betreten eines Platzes habe er sich freiwillig "in Gefahr" begeben. (AZ: 13 U 62/97)


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