Bielefeld. Die börsennotierte Bielefelder Synaxon AG steht möglicherweise vor der Übernahme durch einen ostwestfälischen Unternehmer.
Die ARF Holding GmbH in Schloß Holte-Stukenbrock und ihr Gesellschafter Bruno Fortmeier haben Anfang August ihre Beteiligung an dem Computerhandelsunternehmen auf 38,9 Prozent erhöht. Jetzt will Fortmeier den Synaxon-Aktionären ein Kaufangebot machen. "Wir werden unseren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen", sagte Fortmeier gestern etwas zurückhaltend.
Grundsätzlich muss jeder Investor, der durch Zukauf die Marke von 30 Prozent der Stimmrechte einer Gesellschaft überschreitet (und so potenziell die Kontrolle erlangt) ein so genanntes Pflichtangebot abgeben. In den nächsten Tagen ist daher mit der Veröffentlichung eines Angebots zu rechnen.
Welchen Kaufpreis Fortmeier den Aktionären bieten wird, sagte er gestern nicht. Auch über seine weiteren Unternehmen sagt er nur wenig: "Wir sind pressescheu". Allerdings ist Fortmeier in OWL kein Unbekannter: In Schloß Holte-Stukenbrock führt Fortmeier die von seinem Vater Josef gegründete Jofo Pneumatik GmbH (190 Mitarbeiter), die unter anderem Steuerungen und Antriebe für Lüftungen und Rauchabzugsanlagen herstellt. In Löhne hat Fortmeier den Küchenhersteller Nieburg mit gut 110 Mitarbeitern 2008 aus der Insolvenz gerettet.
Mit der Synaxon AG würden aktuell 123 Mitarbeiter in die Unternehmensgruppe aus Schloß Holte-Stukenbrock aufgenommen. Synaxon war 1999 unter dem Namen der Franchise-Computerhandelskette PC Spezialist an die Börse gegangen und verfügt seither über eine Eigenkapitalausstattung von mehr als 70 (derzeit 76) Prozent.
Vorstandschef Frank Roebers sieht sein Unternehmen heute als "größte IT-Verbundgruppe" Europas mit 2.721 Partnern im deutschen Einzelhandel. Darunter sind 91 Franchisenehmer der PC-Spezialist-Kette. Die große Mehrheit sind Mitglieder der Einkaufskooperationen Microtrend, Akcent und iTeam. Die IT-Kooperation Synaxon UK in Großbritannien zähle inzwischen ebenfalls mehr als 600 Partner, so Roebers.
Den Umsatz hat Synaxon im ersten Halbjahr um 36,9 Prozent auf 8,9 (Vorjahr 6,5) Millionen steigern können. Verantwortlich dafür sei der sehr erfreuliche Erfolg im eigenen Onlinehandel: Der Umsatz sei hier auf 2,32 (Vorjahr 0,14) Millionen Euro gewachsen. Trotz erhöhter Investitionen seien vor Steuern und Zinsen 115.000 (356.00) Euro Betriebsgewinn (Ebit) und 77.000 (245.000) Euro Nettogewinn verbucht worden.
Die mögliche Übernahme durch den in verschiedenen Branchen engagierten Bruno Fortmeier ("er erinnert mich etwas an Warren Buffet") sieht Roebers nach den vorliegenden Informationen positiv. Es handele sich nicht um eine feindliche Übernahme, zumal Fortmeier das Management und die Strategie unterstütze.






