Bielefeld. Spurlos ist die Wirtschaftskrise auch an den Geschäften der Bielefelder Goldbeck-Gruppe nicht vorübergegangen. Der Gesamtumsatz des Bauunternehmens, das jahrelang mit zweistelligen Raten gewachsen war, ist im Geschäftsjahr 2009/10 (bis 31. März 2010) um 17,9 Prozent gesunken. Der Umsatz der Gruppe betrug 1,05 Milliarden Euro – nach 1,28 Milliarden Euro im Jahr zuvor.
Doch Jörg-Uwe Goldbeck als Sprecher der Unternehmensleitung sieht angesichts des Geschäftsverlaufs keine Veranlassung für Trauerstimmung. "Es war für uns ein gutes Geschäftsjahr", sagte Goldbeck gelassen, und er sprach von einem "wirtschaftlich vernünftigen Ergebnis". Die Investitionen würden stets aus dem Cashflow bezahlt, und er ließ keinen Zweifel daran, dass dies auch im vergangenen Jahr gelungen ist. Es seien mehr als 26 Millionen Euro investiert worden, und zwar überwiegend im Inland: "Dies ist ein Bekenntnis zum Standort Deutschland", sagte Goldbeck. Zugleich bekräftigte er Goldbecks Strategie als produktionsorientiertes Unternehmen, das die wesentlichen Bauteile und Elemente selber herstellt.
Inzwischen sei der Auftragseingang wieder "sehr erfreulich", in den fünf Monaten von April bis August seien Aufträge in Höhe von 575 Millionen Euro geschrieben worden. Der Beiratsvorsitzende Ortwin Goldbeck wagte die Prognose, dass der Umsatz im laufenden Jahr wieder um zehn Prozent über die Marke von 1,1 Milliarden Euro wachsen könnte.
Stammbelegschaft soll vergrößert werden
Um den Aufschwung meistern zu können, will das Unternehmen, das mit 855 Beschäftigten allein am Stammsitz heute zu den größten industriellen Arbeitgebern in Bielefeld gehört, die Stammbelegschaft jetzt weiter aufstocken. "Wir würden gern weitere Mitarbeiter einstellen", sagte Jörg-Uwe Goldbeck, "wir suchen 100 Ingenieure und Architekten." So soll die ohnehin bereits "hohe Ingenieurkompetenz" der Goldbeck-Gruppe weiter ausgebaut werden. Allerdings sei der Markt "leergefegt", und die Lage verschärfe sich.
Deutlich wird: Die Anwerbung talentierter Nachwuchskräfte nimmt bei Goldbeck breiten Raum ein. Die Rede ist von Hochschulmarketing und Karrieretagen (der nächste ist im November in Bielefeld), 2011 will Goldbeck an der Technischen Universität Darmstadt obendrein einen Lehrstuhl für energieeffizientes Bauen stiften. Und auch die traditionelle Berufsausbildung ("Wir haben über hundert Auszubildende") werde eine wachsende Bedeutung für das Unternehmen haben.
Lehrstuhl für energieeffizientes Bauen
Während der Krise war die Stammbelegschaft der Gruppe konstant gehalten worden, die Zahl der Mitarbeiter wuchs leicht auf 2.389 (Vorjahr 2.383). Für notwendige Kapazitätsanpassungen sei das Ausnutzen von Arbeitszeitkonten ausreichend gewesen – auf Kurzarbeit konnte Goldbeck verzichten. Allerdings wurde der Einsatz von Zeitarbeitern von 10 bis 15 Prozent zu Höchstzeiten auf jetzt 5 Prozent der Belegschaft gesenkt, wie es hieß. Auch der Zukauf von Leistungen wurde eingeschränkt.
Im Branchenvergleich hat sich das Unternehmen auch in der Krise sehr gut gehalten. Während der Gewerbebau in Deutschland Einbußen verzeichnet habe, seien Goldbecks Umsätze hier nahezu stabil geblieben – also sei der Marktanteil zumindest im Inland gewachsen.
Empfindliche Einbußen hatte es vor allem im Ausland gegeben: Der Umsatz von Goldbeck International schrumpfte um mehr als 50 Prozent auf 172 (Vorjahr 376) Millionen Euro. Vor allem in Osteuropa seien vielfach Investoren abgesprungen, häufig habe es in der Finanzkrise an der Finanzierung von Bauprojekten gehapert. Der fürs Auslandsgeschäft zuständige Uwe Brackmann nimmt es optimistisch: Dafür gebe es etwa in Polen oder Großbritannien künftig wieder umso bessere Wachstumschancen.
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