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16.02.2011
Tönnies steigert Umsatz auf 4,3 Milliarden Euro
Fleischunternehmer aus Rheda-Wiedenbrück will weiter wachsen
VON THOMAS SEIM

Großer Arbeitgeber | FOTO: RAIMUND VORNBÄUMEN

Rheda-Wiedenbrück. Es war ein erfolgreiches Jahr für Clemens Tönnies – alles in allem. Ein paar Widrigkeiten können diese Bilanz des Fleischunternehmers aus Rheda-Wiedenbrück jedenfalls nicht wesentlich schmälern.

Die Zahlen: 15,5 Millionen Schweine verarbeiteten die Tönnies-Schlachthöfe. 7.600 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen. 150 neue Arbeitsplätze sind entstanden. Und schließlich der Umsatz: Die Vier-Milliarden-Grenze ist geknackt: 4,3 Milliarden Umsatz machte Tönnies 2010 nach gut 3,9 Milliarden in 2009.


Alles gut also in Rheda-Wiedenbrück. 40 Jahre wird das Unternehmen in diesem Jahr alt. Und es hat einen rasanten Aufstieg hingelegt, der sich fortsetzen soll. Eine Steigerung des Umsatzes in diesem Jahr auf 4,5 Milliarden Euro jedenfalls gilt nicht als ausgeschlossen. Das Credo des Unternehmenschefs ist eindeutig: Warum sollte nicht mehr möglich sein? Schließlich ist auch bislang die Produktion von Schweinefleisch rasant gewachsen trotz zahlreicher Bedenkenträger.

Fehlende Führung bereitete Kopfzerbrechen

In den Siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts beispielsweise produzierten deutsche Schlachtbetriebe nur 72 Prozent des in Deutschland verzehrten Schweinfleischs. Heute liegt die Quote zwischen 105 und 110 Prozent. Ein Ende ist nicht in Sicht, die Steigerung auf 150 Prozent für die massive Ausweitung des Exports denkbar.

Info

Fleischhunger 2010 gestiegen

Noch nie ist in deutschen Schlachthöfen so viel Fleisch produziert worden wie im Jahr 2010. Mehr als zwei Drittel der Gesamtmenge von 8,0 Millionen Tonnen entfiel dabei auf Schweinefleisch, wie das Statistische Bundesamt berichtete. Insgesamt wurden 302.000 Tonnen oder 3,9 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2009 produziert.
´Überdurchschnittliche Zuwächse gab es bei der Produktion von Geflügelfleisch: Die Gesamtmenge wuchs um 7 Prozent auf 1,38 Millionen Tonnen. Für den steigenden Fleischhunger im In- und Ausland mussten 58,1 Millionen Schweine, 3,7 Millionen Rinder und Kälber, 974.000 Schafe sowie mehr als 32.000 Ziegen und Pferde ihr Leben lassen.

Natürlich gibt es auch weniger gute Nachrichten. Der Dioxin-Skandal der Geflügelindustrie zum Beispiel ist an Schweinefleisch-Unternehmen nicht völlig spurlos vorbei gegangen. Dagegen halfen auch die im Vergleich zu anderen Fleischbranchen niedrigen Grenzwerte nicht. Vor allem das uneinheitliche Krisenmanagement und die fehlende Führung aus der Bundespolitik haben den Fleischproduzenten in Rheda-Wiedenbrück Kopfzerbrechen bereitet.

Aber die Folgen scheinen für das Unternehmen überschaubar. Die Marktpreise für Schweinefleisch waren nach einer relativ kurzen Einbruchphase von etwa zehn Tagen wieder stabilisiert und steigen seither. In spätestens vier Wochen, so glauben die Analysten des Unternehmens, könnte die Krise überwunden sein. Langfristig rechnen sie eher mit steigenden Preisen.

Ein Vertrauensbruch, den Tönnies übel nimmt

Auch über die Stadt Gütersloh hat sich Clemens Tönnies geärgert. Er wollte die Rindfleischproduktion dort von 50 auf 120 Tonnen pro Tag ausweiten und glaubte sich einig mit der Stadt. Die aber machte nach Bürgerprotesten einen Rückzieher und untersagte die Maßnahme. Statt vier bis fünf sollten acht bis zehn Lkw täglich durch die Stadt rollen. Vorbei. Zusagen wurden nicht eingehalten, sagt das Unternehmen. Ein Vertrauensbruch, den Tönnies übel nimmt.

Und dann ist das schließlich noch das Verfahren vor dem Landgericht Essen wegen Verstoßes gegen das Lebensmittelgesetz. Eigentlich wollte die Staatsanwaltschaft Tönnies einen Betrug zur Last legen. Und weitere 23 Anklagepunkte. Geblieben ist nur dieser eine. Auch den hält der Fleischunternehmer für falsch. Er glaubt fest an eine von seiner Konkurrenz eingefädelte Intrige. Nächste Woche verhandelt das Landgericht Essen.

Was auch immer am Ende dieses Verfahrens stehen wird – Clemens Tönnies wird die von ihm vermutete Intrige nicht ohne weitere Aufklärung lassen.


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