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17.01.2012
ESPELKAMP/ DÜSSELDORF
Klageflut gegen Glücksspielstaatsvertrag
Schadenersatzansprüche in Milliardenhöhe
VON MARTIN KRAUSE

Der Professor und Verfassungsrichter Friedhelm Hufen (r.) und der Industrieökonom Hans-Günther Vieweg (l.) vom ifo-Institut unterstützen Paul Gauselmann. | FOTO: KRAUSE/DPA/ MONTAGE: GRUNDMANN

Düsseldorf/Espelkamp. Die Hersteller und Betreiber von Unterhaltungsautomaten – der Volksmund spricht von Glücksspielautomaten – sehen sich einer staatlichen Hetzjagd ausgesetzt. Während das Zocken im Internet boomt und die Bundesländer ihre Lotterien und Casinos päppeln, drohen den traditionellen Spielhallen massive Beschränkungen. Im Kampf gegen befürchtete Einbußen erhält Branchenprimus Paul Gauselmann (Espelkamp) aber jetzt Schützenhilfe von dem Mainzer Staatsrechtler Friedhelm Hufen.

Hufen kommt in einem neuen Gutachten zu dem Schluss, der ab Juli 2012 geltende neue "Glücksspieländerungsstaatsvertrag" und die darauf aufbauend geplanten Gesetze in 15 Bundesländern seien in zahlreichen Einzelheiten verfassungswidrig. Auch europarechtlich seien die Pläne "höchst bedenklich". Hufen, Professor an der Uni Mainz und Richter am Verfassungsgericht von Rheinland-Pfalz, kritisiert dabei nicht nur den geplanten Eingriff in unternehmerische Rechte und Freiheiten, sondern auch die Stoßrichtung der rechtlichen Änderungen. Es gehe in Wirklichkeit offenbar nicht darum, die Glücksspielsucht zu bekämpfen, sondern das staatliche Lotterie- und Glücksspielmonopol zu verteidigen.

Unter anderem sollen die bisher akzeptierten "Mehrfachkonzessionen" (mehrere Spielhallen direkt nebeneinander, um die Begrenzung der Gerätezahl zu umgehen) für Spielhallen künftig verboten werden. Zwischen Spielhallen soll es bis zu 250 Meter Mindestabstand geben. Die Sperrzeiten sollen erheblich verlängert werden, der bisher unbegrenzte Bestandsschutz für bestehende Spielhallen-Lizenzen soll auf fünf Jahre verkürzt werden.

Existenzgefährdend: 70.000 Arbeitsplätzen gefährdet

Diese Maßnahmen sowie die steigende Konkurrenz durch Glücksspielangebote im Internet, die tendenziell weiter steigende Vergnügungssteuer und verschärfte Rauchverbote drohen die Branche mit ihren bundesweit 70.000 Arbeitsplätzen in ihrem Bestand zu gefährden, fürchtet der Verband der Deutschen Automatenindustrie. Dass eine Existenzgefährdung vorliegt, attestiert auch der Industrieökonom Hans-Günther Vieweg vom Münchener ifo-Institut: Die Länder und Kommunen versuchten derzeit, die Unterhaltungsautomatenbranche an die Seite zu drängen, so Vieweg.

Verbandschef und Branchenprimus Paul Gauselmann glaubt aber, dass der "mit heißer Nadel gestrickte Staatsvertrag" spätestens 2014 gekippt wird. Um den "Vernichtungsplan" zu stoppen", sei die Branche bereit, eine Prozessflut vor Verwaltungsgerichten und Landesverfassungsgerichten anzustrengen. Gauselmann warnte zudem vor branchenweit möglichen Schadenersatzforderungen von bis zu 4 Milliarden Euro. Wegen der hohen Investitionen der Vergangenheit einerseits und der gesetzlich geplanten Eingriffe in den Bestands- und Vertrauensschutz andererseits könne allein die Gauselmann AG bis zu 1 Milliarde Euro Schadenersatz von den Ländern fordern.


Einbußen im Industriegeschäft
  • Paul Gauselmann, Chef des Spielautomaten-Unternehmens Gauselmann AG in Espelkamp, sieht bereits erste Einbußen durch die in 15 Bundesländern geplanten Beschränkungen für Spielhallen.
  • Die Zurückhaltung der Auftraggeber habe in der Automatenherstellung zu einem Rückgang um 20 Prozent geführt.
  • Das Unternehmen mit 6.300 fest Beschäftigten (5.000 im Inland, die Hälfte in Spielotheken) habe daher Zeitarbeiter nach Hause schicken müssen.
  • Die Investitionen – in den Vorjahren stets über 200 Millionen Euro – seien um mehr als 10 Prozent reduziert worden.
  • Die gesamte Gauselmann-Gruppe, die den Umsatz 2010 um 22 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro erhöht hatte, sei aber auch 2011 im einstelligen Prozentbereich gewachsen. (mika)

Kommentare
Jeder spricht hier von den Gefahren die von den privaten Spielhallen ausgehen (Spielsucht) und das diese Gefahren durch staatliche Einflussnahme begrenzt werden sollten. Was aber ist denn mit den staatlichen Spielhöllen (Kasino oder Wetten und Spiele im Internet)? Sollte man diese "Staatsunternehmen" dann nicht auch genauso behandeln (mit allen Pflichten und Auflagen) wie die privaten Spielhallenbetreiber?

So wie sich das hier anhört, gibt es hier Menschen, die würden nie im Leben einen Fehler machen. Sie sind diszipliniert und akurat. Aber wir sind verschieden und es gibt Menschen, die sind labil und geraten schnell auf die schiefe Bahn, egal ob Alkohol/ Drogen oder Spielsucht. In jedem Fall ist die Familie betroffen, wenn derjenige einen hat und die leiden darunter, weil man die Süchtigen immer wieder in Versuchung führt. Frau Gauselmann betreut ja die Tafeln in Espelkamt. Vielleicht ist es ja für sie ein beruhigendes Gefühl, die Menschen zu unterstützen, die vielleicht durch die Spielautomaten ihres Mannes in die Schulden geraten sind und nun von der Stütze leben müssen.

Komisch, dass so viele beim Thema Spielautomat an Spielsucht denken. Woran denken Sie denn beim Thema Alkohol? Leberschaden, frühzeitiger Tod, vermeintlicher Problemlösen? Beim Thema Rauchen? Lungenkrebs, Herz-Kreislauf Schaden?? Beim Thema Auto? Tödlicher Unfall auf der A2? Beim Thema Kettensäge? Arbeitsunfall und abgetrennter Arm?? Lassen Sie die Kirche im Dorf, es gibt zahlreiche Beschränkungen der Automatenbranche und diese werden wohl nicht die letzten sein. Rahmenbedingen ja, alles kaputreglementieren (Rauchverbot in Kneipen und überall sonst) NEIN. Jeder ist für sich selbst verantwortlich, das habe ich in meinen über 50 Lebensjahren gelernt.

wie schafft Herr Gauselmann es bloß immer wieder Menschen an seine Spielgeräte zu zwingen ?BöseBöse Böse. wie gut das es keine anderen Hersteller solcher Automaten gibt und keine anderen Süchte.(Alkohol Drogen etc)

Das muss doch jeder selbst entscheiden, ob er mit Geldeinsatz spielt oder nicht, Tina. Wieso sollte sowas gesetzlich reglementiert werden? Abgesehen von Altersgrenzen (Jugendschutz etc.). Wer Volljährig ist und meint sein Geld an diesen langweiligen Automaten zu verdaddeln, soll's tun.



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