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21.01.2012
Familienfrieden bei Tönnies gestört
Gesellschafter Robert Tönnies verärgert über private Beteiligungen des Konzernchefs
VON MARTIN KRAUSE

Investitionsfreudig | FOTO: MARION POKORRA-BROCKSCHMIDT

Rheda-Wiedenbrück. Der Name Tönnies steht für eine Erfolgsgeschichte. Aus einer kleinen Metzgerei entstand in nur vier Jahrzehnten der größte deutsche Fleischwarenkonzern. Robert Tönnies aber, der 33-jährige Sohn des Firmengründers Bernd Tönnies, scheint nicht mehr ganz zufrieden zu sein. In einem Brief an führende Mitarbeiter meldete er - sozusagen öffentlich - Änderungsbedarf an und kritisierte den Boss, seinen Onkel Clemens Tönnies.

Man muss die Familiengeschichte kennen, um die Bedeutung des jetzt vom Manager Magazin berichteten Vorgangs zu erahnen. 1971 war es, als Bernd Tönnies in Rheda einen Zerlegebetrieb für Schweine gründete, aufbauend auf der Tradition der elterlichen Metzgerei. Der junge Mann, der im Laufe der Jahre als knallharter Geschäftsmann und Präsident des Fußballvereins Schalke 04 bekannt werden sollte, holte seinen vier Jahre jüngeren, damals 15-jährigen Bruder Clemens mit an Bord, behielt aber die Mehrheit am gemeinsamen Unternehmen.

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Schweine für China

Tönnies will massiv in China wachsen. Dazu sei ein neues Gemeinschaftsunternehmen geplant, sagte Firmenchef Clemens Tönnies der "Wirtschaftswoche". Das Unternehen werde helfen, in China ein flächendeckendes Netz großer Zerlegebetriebe aufzubauen. Die sollen dann auch mit Schweinefleisch aus Deutschland beliefert werden. "Wir bauen dafür hier am Stammsitz in Rheda gerade die neue Verpackungs- und Gefrierlogistik", sagte Tönnies dem Magazin.

Er habe seinem Bruder "viel zu verdanken", so erinnerte sich Clemens Tönnies später in Interviews. Bis 1994 entwickelte sich das Schlachtunternehmen zu einem der größten seiner Branche. Wenige Monate nach einer Nierentransplantation starb Bernd Tönnies im Sommer 1994. Seinen damals noch jugendlichen Söhnen Clemens (heute 36) und Robert vermachte er die Firmenanteile, sein "kleiner Bruder" Clemens erbte die Verantwortung im Unternehmen – und nebenbei auch das Engagement bei Schalke.

"Marktbeherrschende" Position

Clemens Tönnies, selbst Vater von zwei Kindern, beeindruckte seitdem die Beobachter, von denen manche sich fragten, ob er das nötige Durchsetzungsvermögen für die schwierige Fleischbranche mitbringt. Der Konzern wuchs kräftig: Zuletzt zählte die Gruppe 7.500 Mitarbeiter, der Umsatz betrug 2010 4,3 Milliarden Euro. Das Bundeskartellamt hält Tönnies in Teilen des Schlachtgeschäfts gar für "marktbeherrschend", so durchschlagend war der Erfolg.


Nicht zuletzt wohl in Anerkennung seiner Leistung übertrugen ihm die Neffen Clemens und Robert zehn Prozent der Firmenanteile, sodass der Chef seine Beteiligung von 40 auf 50 Prozent aufstocken konnte. Die andere Hälfte hält inzwischen allein Robert Tönnies, der die 25 Prozent seines Bruders erwarb.

Robert Tönnies aber fordert nun Änderungen. In seinem Brief kündigte er an, sich "bis auf Weiteres" aus dem Tagesgeschäft in geschäftsführender Position im Tönnies-Konzern zurückzuziehen, wie das Manager-Magazin schreibt. In den kommenden Wochen und Monaten wolle er demnach "an der Schaffung einer neuen Unternehmensverfassung und der Installierung einer modernen Corporate Governance" arbeiten. Angeblich will Robert eine "Doppelspitze" und einen "unabhängigen Aufsichtsrat" installieren.

Kauf auf eigene Rechnung

Ein Dorn im Auge scheint dem Neffen unter anderem die Beteiligung am größten deutschen Wursthersteller, der Zur-Mühlen-Gruppe (Redlefsen, Böklunder) zu sein. Clemens Tönnies hat die Beteiligung, die er bis 2014 auf 100 Prozent ausbauen will, offenbar auf eigene Rechnung gekauft. Auch weitere Investments ist der Konzernchef demnach ohne Einbindung der gemeinsamen Holding eingegangen. Robert Tönnies aber fordert die "vollständige Integration" der Beteiligungen – "damit in Zukunft handfeste Interessenkonflikte (Beispiel: Gewinnverlagerungen) und mögliche Streitpunkte (...) von vornherein ausgeschlossen sind".

Beobachter wundern sich über den Familienzwist, denn die Anteile der Neffen dürften durch das Wirken ihres Onkel in den vergangenen Jahren stark an Wert gewonnen haben. Eine offizielle Stellungnahmen aber gab der Konzern bisher nicht ab. Robert Tönnies’ Anwalt Mark Binz aus Stuttgart war nicht zu erreichen. Ein Sprecher von Clemens Tönnies sagte nur, dass man sich zu Familieninterna nicht äußere. Und staunte: Das Unternehmen sei doch in der bisherigen Verfasstheit "außerordentlich erfolgreich".

Mehr zum Thema in nw-news.de
Kommentare
Da kann ich Robert T. verstehen. Ein privates Engagement an anderen Unternehmen aus der gleichen Branche durch Clemens T. geht ja gar nicht.



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