Gütersloh. Der Mann hat Humor. Und er traut sich was. Auf die Frage, ob er Liz Mohns jüngstes Werk, die "Schlüsselmomente" gelesen habe, antwortet Thomas Rabe, neuer Bertelsmann-Boss: "Nicht ganz." Aber mit den "Schlüsselmomenten der ,Schlüsselmomente‘" habe er sich natürlich befasst. Mit oder ohne das Rüstzeug der Bertelsmann-Matriarchin: Rabe hat Großes vor mit Europas größtem Medienkonzern.
Dafür will Rabe zunächst die Abhängigkeit von der RTL-Gruppe reduzieren, sagt er im Interview mit dem Spiegel. Das Fernseh-Imperium ist bislang so etwas wie die Goldene Gans der Gütersloher, steuerte zuletzt zwei Drittel des Bertelsmann-Gewinns bei. Der Konzern müsse internationaler werden, sagt Rabe.
Bertelsmann werde in mehr Geschäftsfeldern aktiv sein. "Wir werden auf jeden Fall wieder breiter." Zwei beispielhafte Projekte gebe es bereits: BMG Rights Management, das mit Musikrechten immer mehr Geld verdient. Außerdem habe sich Bertelsmann zur Hälfte an einem 100 Millionen Dollar schweren Fonds beteiligt, der Möglichkeiten im weltweiten Bildungsgeschäft ausloten soll.
"Eine Milliarde plus X" stehe jedes Jahr für Investitionen zur Verfügung, erklärt der 46-Jährige.
Geloaded nicht reloaded
Bertelsmann werde "Wachstum aber sicher nicht mit neuen Schulden erkaufen", sagt Rabe. Stattdessen werde der Konzern sich Partner suchen. Bertelsmann habe "noch nie für besondere Kapitalstärke" gestanden. Aber daraus könne man auch eine Tugend machen. Er wolle "ein Klima schaffen, dass die besten Unternehmer im Medienbereich wieder zu uns kommen, um hier ihre Ideen umzusetzen, egal ob als Angestellte, mit Beteiligungen oder Fonds." Einen Börsengang der Bertelsmann AG schließt Rabe jedoch aus.
Als Finanzvorstand habe er Gelegenheit gehabt, alle Geschäftsbereiche kennenzulernen.
"Alle liegen mir am Herzen, aber unser Blick muss nüchtern sein." Auch die Gesellschafter, die Familie Mohn, habe sich neu positioniert. "Es war für sie ja nicht einfach, dem Verkauf von Buchclubs oder Auslagerung des Druckereien zuzustimmen. Das waren teils sehr emotionale Entscheidungen." Noch eines war bei Bertelsmann bislang undenkbar: Das Rütteln am Prinzip der Dezentralität. Doch auch hier will Rabe neue Akzente setzen. "Uns steht im Moment globale Spieler wie Facebook gegenüber, die alles andere als dezentral aufgestellt sich." Man müsse sich deshalb die Frage stellen, ob es nicht besser sei, in einigen Bereichen enger zusammenzuarbeiten.
Angesichts des energiegeladenen Starts hätten Mitarbeiter Thomas Rabe bereits den Spitznamen "Thommy Reloaded" eingebracht, in Anlehnung an Thomas Middelhoff, einen seiner Vorgänger, schreibt der Spiegel. Abgesehen vom Vornamen seien sie ganz unterschiedliche Typen, sagt Rabe, dem Middelhoff einst zu RTL holte. "Ich drehe eher viele kleine Räder als das eine ganz große Rad. Ich bin nicht reloaded, sondern ganz normal geloaded."