Bielefeld. Deutschlands Industrie- und Handelskammern bündeln ihre Kräfte: Heute schalten die Unternehmensvertreter eine gemeinsame Lehrstellenbörse im Internet frei. Mit dem Auftakt des Onlinemarktes hofft die Dependance in Bielefeld auf Reklame für die teils verwaisten Ausbildungsplätze in der Region - und verspricht jedem Bewerber seinen Traumjob.
Wer bis gestern im Internet über die Industrie- und Handelskammern (IHK) etwa eine kaufmännische Lehrstelle gesucht hat, stieß auf einen Flickenteppich. Mit einem Klick auf die "Ausbildungsplatzbörse" der landesweiten Zweigstellen steuerte der Navigator auf eine grob vereinfachte Karte Nordrhein-Westfalens.
Dann wurde es unübersichtlich. Hinter jedem der 16 roten Punkte warben die Kammern von Aachen bis Bielefeld je nach Gusto auf unterschiedliche Weise für ihre Ausbildungsplätze vor der Haustür; der eine mit fantasievollen Grafiken, der andere mit schnörkellosen Suchmasken. Gemein war ihnen nur der lokale Anspruch.
Deshalb blieben nach Ansicht der Bielefelder IHK "Lehrstellen zunehmend Leerstellen", wie es wortwitzelnd heißt. Die neue bundesweite Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammern soll ab heute helfen, das zu ändern. "Mit dem Auftritt lösen wir den Flickenteppich auf", sagt IHK-Geschäftsführer Swen Binner. "Wer mobil und flexibel ist, findet seinen Traumberuf."
Auf der Plattform stehen allein für OWL 269 Profile, deutschlandweit warten mehr als 10.000 Ausbildungsplätze. Die Kammern wollen nun durch die "erste interaktive Lehrstellenbörse Deutschlands" Anbieter und Jugendliche besser zusammenbringen: Unternehmen, die ihre freien Plätze in der Börse einstellen, dehnen ihren Suchradius nicht mehr nur auf die Region, sondern auf die Bundesrepublik aus. "Zudem bietet die Plattform weitere Möglichkeiten", sagt IHK-Sprecher Jörg Deibert: "Unternehmen mit vielen Filialen können ihre Angebote zentral einpflegen und für ihre einzelnen Standorte nach Auszubildenden suchen."
Im Umkehrschluss dürfen Jugendliche auf den passenden Job hoffen. "Wer sich für einen speziellen Beruf interessiert", so Binner, "hat nun viel bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz." Die Suche sei einfach und diskret, die Bewerber sollen selbst entscheiden, ob ein Unternehmen von einem eventuellen Interesse erfährt. Zudem benachrichtigt die Online-Lehrstellenbörse registrierte Nutzer täglich über neue Angebote.
Gleichwohl wird auch der neue IHK-Marktplatz kaum die Misere beenden, wonach es inzwischen immens schwer ist, alle offenen Lehrstellen zu besetzen. Wie bereits die Handwerkskammer in ihrem Jahresgespräch erwähnt hatte, lassen sich bei den Bewerbern verstärkt schulische Mängel feststellen. IHK-Chef Binner führt das Problem auf den demographischen Wandel zurück: "Die Auswahl ist viel begrenzter als früher."