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23.02.2012
Seidensticker platziert Unternehmensanleihe
Den Kapitalmarkt anzapfen
VON ANDREA FRÜHAUF

Gehen neue Wege | FOTO: FRÜHAUF

Düsseldorf. Der Bielefelder Hemden- und Blusenhersteller Seidensticker will kräftig wachsen. In den nächsten drei Jahren sind europaweit jedes Jahr zehn neue Geschäfte ("Home of shirts") und fünf Factory-Outlet-Stores geplant. "Wir wollen den Umsatz in den nächsten drei bis vier Jahren mehr als verdoppeln", kündigte die Geschäftsleitung in Düsseldorf an.

Um dieses Wachstum finanziell zu stemmen, wagt das Familienunternehmen (2010/2011: 201,4 Mio. Euro Gesamtumsatz samt Lizenzgeschäft) mit einer Anleihe den Sprung an den Kapitalmarkt. Selbst einen Börsengang schließt Seidensticker für die Zukunft nicht aus. Zwar sei dies jetzt nicht geplant. "Wir gefallen uns gut als Familienunternehmen, aber man soll niemals nie sagen", sagte der geschäftsführende Gesellschafter Gerd Oliver Seidensticker (er hält 50 Prozent der Unternehmensanteile).

Bis zu 30 Millionen Euro will Seidensticker über die Platzierung einer Anleihe am Mittelstandsmarkt der Düsseldorfer Börse von Privatanlegern, darunter auch von Mitarbeitern ("sie erhalten zudem ein kleines Geschenk"), einsammeln. Die kleinste Stückelung beträgt 1.000 Euro. Die Anleihe ist mit 7,25 Prozent verzinst und hat eine sechsjährige Laufzeit. Zeichnungsstart ist der 27. Februar.

Thomas Dierkes, Vorstand der Börse Düsseldorf, bezeichnete Seidensticker wegen seines bekannten Markennamens als "Türöffner" für weitere Emittenten. Seidensticker will von den Geldern 12 Millionen Euro in den Ausbau des eigenen Filialnetzes stecken und weitere 15 Millionen Euro zur Umschuldung von Krediten nutzen. Zum Bilanzstichtag (Ende: 30. April) 2010/2011 summierten sich die Verbindlichkeiten auf gut 29,4 Millionen Euro. Die Ablösung eines Schuldscheindarlehens der Deutschen Bank im Jahr 2014 könne problemlos zurückgezahlt werden, sagte Detlef Adler, Sprecher der Unternehmensleitung. Auch die Anleihe soll aus dem operativen Cashflow beglichen werden.

"Wir stehen nicht unter Druck, sondern wir wollen uns von Banken unabhängig machen, um langfristig planen zu können", betonte der geschäftsführende Mitgesellschafter und Cousin Frank Seidensticker (er hält 31 Prozent, seine Schwester Nicole 19 Prozent). Die Commerzbank und die HSH-Nordbank in Hongkong, mit denen Seidensticker mehr als 30 Jahre zusammengearbeitet habe, wurden geschlossen. "Inzwischen wickeln die Volksbank Bielefeld und die DZ Bank unsere Geschäfte in Hongkong ab", hieß es in Anspielung an den unsicheren Finanzierungsmarkt. Banken würden Kredite oft auf ein, zwei Jahre begrenzen. "Und 30 Millionen hätten wir nicht von einer Bank bekommen."

Anleger sollen ihre Anleihe (bis zu 50.000 Euro) jederzeit verkaufen können und ihr Geld am Ende zurückerhalten. Weil die Altgesellschafter ihre Anteile an die Kinder in Form einer Schenkung ohne Steuerabzug übertragen haben, sind die verpflichtet, jährlich mindestens 50 Prozent des Gewinns im Unternehmen zu halten, um die Eigenkapitalquote zu stärken. Sie sei nach der Trennung von dem verlustreichen Geschäft mit Damenoberbekleidung (2008/09: 6,3 Mio. Euro Verlust) von 3,2 auf 13,4 Prozent im ersten Halbjahr 2011/12 gestiegen. 2010/11 wurde ein Gewinn von 7,8 Millionen Euro erzielt – nach 0,5 Millionen Euro im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2011/12 wuchs der Gewinn auf 3,0 (2,9) Mio., der Umsatz auf 104,6 (99,7) Mio. Euro.



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