Bielefeld. Hartmut Ostrowski hat wieder Tritt gefasst. "Mir geht es sehr, sehr gut", sagt der Ex-Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG. Ende 2011 hatte der 54-Jährige die Aufgaben an Thomas Rabe (43) abgegeben. Damals war vom Burnout die Rede. Und davon, dass die Kraft nicht für weitere fünf Jahre an der Bertelsmann-Spitze reiche.
Die Kraft ist zurück. Allerdings profitiert davon weniger Bertelsmann, sondern Familienunternehmen aus OWL sowie mehrere Jungunternehmen. Ostrowskis jüngstes Engagement: bis zu eine Million Euro für den Online-Dienst Toptranslation. Dem Unternehmen traut er perspektivisch einen Umsatz von 100 Millionen Euro zu.
Kein Kommentar zum Nachfolger
"Ein massives Burnout war das damals nicht", kommentiert Ostrowski heute seinen Ausstieg bei Bertelsmann. "Ich war auch nicht depressiv. Aber ich habe gemerkt, dass mir die Belastung körperlich nicht guttut." Sein Fazit: "Ich bin froh, dass ich es gemacht habe." Damit meint er keineswegs allein den Abschied bei Bertelsmann, sondern auch die 29 Jahre davor, die Ostrowski für den Medienkonzern gearbeitet hat. Nach dem Ausstieg bei Bertelsmann war Ostrowski vier Wochen in Tuvalu in der Südsee, anschließend in seinem Haus auf Mallorca. Dort hat er sich nachhaltig erholt. "Jetzt habe ich eine schöne Zeit. Ich bin sehr zufrieden."
Ob "zufrieden" auch sein Urteil über die Arbeit seines Nachfolgers Thomas Rabe ist, lässt Ostrowski offen. Natürlich verfolge er die Arbeit, das sei als Mitglied des Bertelsmann-Aufsichtsrats ohnehin seine Pflicht. "Aber einen Kommentar gebe ich nicht. Er macht es gut. Aber es liegt mir fern zu kritisieren oder zu loben." Ein fundiertes Urteil könne man ohnehin erst in rund fünf Jahren abgeben. Etwa doppelt so lang liegen die Zeiten von Thomas Middelhoff an der Spitze der Bertelsmann AG zurück. Und hier wagt Ostrowski ein Urteil. "Zwei, drei Schritte von Middelhoff sind hoch zu loben", sagt er und nennt Middelhoffs Coup, Bertelsmann die RTL-Mehrheit zu sichern.
"Nie wieder angestellt arbeiten"
Ostrowski selbst ist neben seinem Engagement im Bertelsmann-Aufsichtsrat in den Beiräten des Logistikriesen Kraftverkehr Nagel und bei der Gundlach-Gruppe mit Verlagen und Verpackungs-Industrie. Operativ ist er hier nicht tätig. Es gehe darum, die Familien in der Führung der Unternehmen zu unterstützen. "Ich mache nicht das Geschäft." Zwei weitere Engagements seien noch in der Planung – und daher bis auf weiteres geheim. Ein Viertel seiner Zeit setzt Ostrowski für diese Aufgaben ein.
Den Rest investiert er in die Verwaltung des "bescheidenen persönlichen Vermögens", seine Immobilien und in seine privaten Investitionen. Drei gibt es bereits: Ostrowski hat in das Hanse College (Hamburg) investiert, in das Startup Active Cross, das Sportgeräte produziert, und jetzt in Toptranslation. 2010 sei das Unternehmen gegründet worden. "Es wächst jeden Monat um 50 Prozent", berichtet Ostrowski. Perspektivisch gesehen traut er dem Online-Übersetzungsdienst ein Umsatz von 100 Millionen Euro zu. Vermittelt haben das Geschäft Bernd Kundrun und Rolf Schmidt-Holtz, zwei weitere Ex-Bertelsmänner, mit denen Ostrowski nach eigener Aussage "fast freundschaftlich verbunden" ist. Ein weiteres Beiratsmandat, auch weitere Investments kann sich Ostrowski vorstellen. Nur eins nicht: "Ich will nie wieder angestellt arbeiten."