Schmiergeldaffäre: Prozess beginnt am 6. Juni
Augsburg/Gütersloh. Am 6. Juni wird Michael R., ehemaliger Deutschlandchef von Media-Markt, vor der Großen Strafkammer des Augsburger Landgerichts der Prozess gemacht. Der Ex-Topmanager der Elektronikkette muss sich wegen "gewerbsmäßiger und bandenmäßiger Bestechung" verantworten.
Unter den acht Mitangeklagten, die in U-Haft sitzen, ist auch Bruno H.. Der 53-Jährige, der einige Jahre bei Hertie in Gütersloh die Elektroabteilung geleitet hatte, war bei Media-Markt als Regionalmanager für den süddeutschen Bereich zuständig.
Die Staatsanwaltschaft Augsburg wirft den beiden Ex-Media-Markt-Managern vor, von Oktober 2005 bis Juni 2010 von einem Inhaber einer Vermarktungsagentur in Wetzlar in zahlreichen Fällen Schmiergelder von insgesamt fast fünf Millionen Euro kassiert zu haben, die sie sich "hälftig geteilt" hätten.
Auftragsvolumen laut Anklage fast 50 Millionen Euro
Im Gegenzug habe die Agentur bundesweit in Media-Märkten DSL-Internetverträge verkaufen dürfen. Das Auftragsvolumen belief sich laut Anklage auf fast 50 Millionen Euro – trotz "Kenntnis günstigerer und qualitativ besserer Konkurrenzangebote". Die Bezahlungen seien durch die Mithilfe weiterer Angeklagter verschleiert worden.
Als die Agentur 2010 pleiteging, hätten die beiden Angeklagten ihr Geschäftsmodell mit zwei gegründeten Hamburger Firmen fortgesetzt. Das Auftragsvolumen summierte sich laut Staatsanwaltschaft für 2010 und 2011 auf weitere 15 Millionen Euro.
Nach einem anonymen Hinweis flog die Affäre 2011 auf. Bei einer Razzia wurden bundesweit Wohnungen, Büros und die Media-Saturn-Zentrale in Ingolstadt durchsucht. Im Oktober gab es erste Verhaftungen. Beide Manager wurden entlassen. Eine erste juristische Niederlage hat R. jetzt vor dem Landgericht Ingolstadt erlitten. Das schmetterte seine beiden Klagen gegen seinen Exarbeitgeber ab. Im vergangenen November hatte die Gesellschafterversammlung den 47-Jährigen wegen der Vorwürfe zuerst als Deutschlandchef abberufen, ihm dann fristlos gekündigt.
Beides wollte R., der seit 2006 Deutschlandchef war und kurz zuvor auch in den Vorstand des Media-Saturn-Konzerns aufgerückt war, nicht hinnehmen. Doch laut Richter Konrad Kliegl "gab es ausreichend dringende Gründe für eine Verdachtskündigung". Die Vorwürfe hätten sich massiv erhärtet, als "ein Mitarbeiter aus der zweiten Führungsebene" und der Agentur-Chef ein Geständnis abgelegt und R. weiter belastet hätten.