Bielefeld. Es hätte alles so schön sein können beim Aktionärstreffen in Bielefeld: Die Itelligence AG hat 2011 den Umsatz um 25 Prozent gesteigert, die Umsatzrendite (Ebit) von 5,5 auf 6 Prozent erhöht, das Personal um 407 auf 2.251 Mitarbeiter aufgestockt und mehrere Firmenzukäufe gestemmt. Doch statt des erwarteten Lobes ernteten Vorstand und Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung nur spärlichen Applaus für die operativen Leistungen. Stattdessen wurde die Dividende erneut als zu mager bemängelt, und heftige Kritik setzte es an der Höhe der Vergütungen für Aufsichtsräte und Vorstände.
Aktionärsschützer Heiko Barkemeyer von der Schutzgemeinschaft SdK forderte, dass stets die Hälfte des Jahresüberschusses ausgeschüttet werden sollte - also 23 Cent Dividende für 2011 bei einem Gewinn von 46 Cent je Aktie. Tatsächlich wurde die Dividende zwar um 28 Prozent von 14 auf 18 Cent je Aktie erhöht, "aber dann fehlen uns noch 5 Cent", rechnete Barkemeyer vor. Er sprach von einer "knauserigen" Behandlung der Aktionäre, bei denen vom Erfolg des Software-Dienstleisters zu wenig ankomme.
Der Detmolder Aktionär Hagfried Pomplun hieb in die gleiche Kerbe und mahnte, es sollten nur Akquisitionen durchgeführt werden, die langfristig profitabel seien. Derzeit sei die Kapitalrendite unter die Kapitalkosten gesunken. Für größere Investitionen brauche Itelligence immer Kredite oder Kapitalerhöhungen: "Dann kann der Aktienkurs nicht steigen."
Als Beweis für die geringe Attraktivität der Aktie wertete Pomplun den Verlauf der im Mai durchgeführten 22-prozentigen Kapitalerhöhung, die durch die Ausgabe von 5,46 Millionen neuen Aktien brutto 36,8 Millionen Euro in die Itelligence-Kassen spülte - Geld, das für die weitere Expansion gebraucht wird. Die neuen Aktien wurden überwiegend vom japanischen Großaktionär NTT gezeichnet, dessen Beteiligung so von 87,7 auf 89,5 Prozent stieg. Der Anteil von Vorstandschef Herbert Vogel, der keine Aktien zeichnete, sank von 2,5 auf 2 Prozent, der Streubesitz fiel von 9,8 auf 8,5 Prozent.
Redegefechte lieferten sich Barkemeyer und Pomplun mit Aufsichtsratschef Lutz Mellinger über die Höhe der Vergütungen für die beiden Vorstände (insgesamt 1,66 Millionen Euro) und die sechs Aufsichtsräte (insgesamt 303.400 Euro). "Ich finde, dass die Organe zu viel verdienen", sagte Barkemeyer, und Pomplun forderte die Kleinaktionäre sogar auf, Aufsichtsräten und Vorständen die Entlastung zu verweigern. Das blieb aber folgenlos.
Vorstandschef Vogel und Finanzvorstand Norbert Rotter, die ihre Verträge kürzlich bis Ende 2015 (Vogel) bzw. Ende 2017 verlängert hatten, skizzierten den Aktionären ehrgeizige Pläne. So soll der Umsatz von zuletzt 342,4 "schnell" auf mehr als 500 Millionen Euro steigen. Weiße Flecken auf der Itelligence-Karte - etwa in Brasilien, Mexiko und der Türkei - sollen durch Töchter beseitigt werden.