Rheda-Wiedenbrück. Leo Lübke, Chef des Möbelherstellers Interlübke, zieht nach drei verlustreichen Geschäftsjahren die Notbremse und strukturiert das Familienunternehmen um. "Wir wollen kleiner, feiner, flexibler und stabiler werden", erläutert der 48-Jährige seine Vision. Interlübke müsse bei schlechter Konjunktur auch mit weniger Wachstum noch gut gebettet, sprich profitabel, sein.
Schon 2009, nach dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise, wurden 29 Stellen abgebaut. "Zudem mussten wir damals Leiharbeiter, die wir eigentlich übernehmen wollten, nach Hause schicken", sagt Lübke rückblickend. Service, Schlosserei und Montage wurden bereits ausgelagert. "Jetzt müssen wir an die Prozesse ran", sagt er. Alles soll auf den Prüfstand. Bis zu 40 der 287 Mitarbeiter sollen am Jahresende sozialverträglich entlassen oder teils vom Schwesterunternehmen Cor übernommen werden. Damit würde Interlübke zwei Millionen Euro sparen. Bis zu den Sommerferien wird es zudem wochenweise erneut Kurzarbeit geben. Urlaubs- und Weihnachtsgeld wurden vorerst gestrichen.
"Dabei waren wir nach der Kölner Möbelmesse so euphorisch", erläutert der Unternehmer, der 90 Prozent der Interlübke-Anteile hält (zehn Prozent gehören seiner Mutter). "Die Auftragseingänge übertrafen die Erwartungen." Das Jubiläumsjahr 2012 habe nach einem schlechten Vorquartal mit Wachstum über Plan sehr gut begonnen. Im März sei der Umsatz dann plötzlich um 18 Prozent eingebrochen. Erst im Mai habe es mit zwei Prozent Umsatzplus eine Trendwende gegeben.
Schrankwand war einst Statussymbol
Über die Kaufzurückhaltung kann Lübke nur spekulieren. "In den 60er Jahren war die Schrankwand noch ein Statussymbol." Dies habe sich gewandelt. Heute legten Bundesbürger laut Umfrage in puncto Wohnen vor allem Wert auf Polstermöbel. Auch sei der Markt volatiler geworden. Weiteres Problem: "Die Moderne ist heute überall." Das schlichte Design der Marke Interlübke sei kein Alleinstellungsmerkmal mehr, wohl aber die Qualität. Mancher gehe heute zum Tischler oder kaufe sein Regal bei Ikea, um Geld zu sparen. "Marken sind bei Möbeln weniger wichtig."
Am Grundkonzept will Lübke trotz dieser Entwicklungen festhalten: "Wir bleiben ein Premiumhersteller in der Nische." Ein Ausflug in die Großfläche sei schon in den 90ern gescheitert und eine "heilsame Lehre" gewesen. Design-Klassiker wie das Regalsystem Studimo, das Kommodensystem Cube oder die Schlafraumwand S 07 bleiben im Programm.
Komplexe Kundenwünsche
Aber Kundenwünsche seien heute so komplex, dass Interlübke eine Menge Teile vorhalten und fertigen müsse. Um Kosten zu sparen und Läger kleiner zu halten, soll es nur noch ein Standardangebot geben, erläutert Lübke seine Vision. Beispiel Studimo: Extrawünsche der Kunden sollen mit Sonderanfertigungen zum Aufpreis bedient werden. "Wir wollen kommissionsnah fertigen." Für die zu Musterring gehörende Marke WK Wohnen wird Interlübke das neue Programm "WK 450 tune" produzieren. Dies biete ein Umsatzpotenzial von 2 Millionen Euro.