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02.06.2012
"Kundenwünsche aufgreifen"
Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer der Holz- und Möbelindustrieverbände, im Interview

Rät zur Einmischung im Handel | FOTO: NW

Bielefeld. Mit mehr als 150.000 Mitarbeitern gehört die Holz- und Möbelindustrie zu den großen Branchen. OWL ist eines ihrer Zentren. Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer der Verbände HDH (Holz) und VDM (Möbel) sieht seine Industrie im Aufwind. So meldete die Möbelindustrie für das 1. Quartal 7,1 Prozent Umsatzwachstum und im Vorjahresvergleich 2.000 neue Stellen. In den Problemen einzelner Firmen erkennt Klaas kein generelles Alarmsignal, sagte er im Gespräch mit Martin Krause .

Herr Klaas, die Holzindustrie reicht vom Furnierwerk bis zum Fertighausbau. Kann man die konjunkturelle Lage der Branche auf einen Nenner bringen?
DIRK-UWE KLAAS: Ja. Während wir in Deutschland vor wenigen Jahren noch die rote Laterne als kranker Mann Europas hatten, sind wir jetzt in der Lokomotivführerrolle. Das gilt auch für die Holzindustrie. Wir bauen Beschäftigung auf, nachdem wir jahrelang abgebaut haben. 2012 erreichen wir wieder den Stand vor der Finanzkrise.

Wo läuft es am besten?
KLAAS : Alles was mit dem Bau und baunahen Bereichen zu tun hat, steht auf der Sonnenseite - von den Bauholzlieferanten und Fertighausbauern bis zu den Herstellern von Fenstern oder Bodenbelägen wie Parkett.

Sorgen Energiewende und Strompreiserhöhungen für Probleme?
KLAAS: Wir sind nicht die Aluminiumindustrie, die wegen hohen Strombedarfs besonders leidet. Uns macht das Thema aber durchaus Sorgen unter dem Aspekt der verfügbaren Kaufkraft der Verbraucher und im Blick auf die Energierechnung unserer Unternehmen. Das hängt jedoch davon ab, wie die Unternehmen aufgestellt sind - manche verfeuern zum Beispiel Restholz im eigenen Kraftwerk, betreiben damit ihr ganzes Werk und speisen am Ende noch Strom ins Netz ein. Das führt aber zu anderen Problemen, weil Holz zunehmend auch energetisch verwertet wird.

Weil die Holzpreise steigen. Wie sehr trifft Sie das?
KLAAS: Einige Schätzungen sagen, dass schon bis zu 50 Prozent des Holzes energetisch genutzt werden - diese Zahl ist aber wohl zu hoch gegriffen. Das führt zu Verknappung und zu erheblichen Preissteigerungen. Die sind unterschiedlich von Holzart zu Holzart - aber wir reden auf jeden Fall von zweistelligen Teuerungsraten.

Werden die höheren Kosten an die Kunden weitergegeben?
KLAAS: Das versuchen wir, es ist aber nicht so einfach. Denn der Markt ist hart umkämpft.

Genau das spüren gerade ja auch einige Möbelhersteller in OWL. Fühlen Sie sich da als Hauptgeschäftsführer des Verbandes in einer heiklen Situation?
KLAAS: Nein, in keiner Weise. Wieso?Einige prominente Möbelhersteller der Region befinden sich in schwerer See. Dazu zählen Küchenmöbler wie Poggenpohl und die mit einem Werk in Enger vertretene Alno AG, aber auch Kastenmöbler wie Interlübke bauen Personal ab. Liegt das an den hohen Preisen der Marken?
KLAAS: Nein, ich glaube, es überwiegen andere Gründe. Man kann jeden Einzelfall durchgehen. So habe ich zum Beispiel größtes Vertrauen, dass mit Elmar Duffner (dem Präsidenten des Möbelverbandes VDM, d. Red.) jetzt bei Alno eine Führungsperson am Werk ist, die Alno wieder in ruhiges Fahrwasser bringen wird.

Poggenpohl senkt die Arbeitszeit, Interlübke baut Personal ab. Auch bei Siematic gab es 2009 Entlassungen. Gerade hochpreisige Marken leiden unter Absatzproblemen. Ein Standortproblem?
KLAAS: Das glaube ich weniger, zumal die Personalkostenanteile bei den genannten Firmen überschaubarer sind als zum Beispiel bei Polstermöbelherstellern. Die Probleme haben eher etwas mit unternehmensspezifischen Besonderheiten zu tun. Ich sehe die Strahlkraft der Marken nicht beeinträchtigt oder gar beschädigt durch die Anpassungen.

Die Markenbildung ist jahrelang als Strategie für hochpreisige deutsche Möbel empfohlen worden. Muss da jetzt umgedacht werden?
KLAAS: Ich sehe da keinen Zusammenhang und kein generelles Problem bei den Marken.

Bei den Küchenmöblern ist die Entwicklung gespalten. Einige sind äußerst erfolgreich, so wie Nobilia und Häcker, bei anderen rumort es. Bei den bisher unauffälligen Nolte Küchen in Löhne ist der Umsatz offenbar nicht zufriedenstellend, und mit Hans-Hermann Hagelmann muss ein langjähriger Geschäftsführer gehen.
KLAAS: Dort ist eine völlig legitime Personalentscheidung getroffen worden. Wenn Sie sich die Verweildauer von Führungskräften in der Wirtschaft anschauen, dann war der Chef von Nolte Küchen (2001 bis 2012, d. Red.) überdurchschnittlich lange im Amt.

Wo steht die Branche in 10 Jahren - wohin muss sie sich bewegen?
KLAAS: Wir werden mehr Export haben. Wir werden in der Analyse der Kundenwünsche besser werden müssen, also im Aufgreifen und Umsetzen neuer Einrichtungstrends. Und wir werden unsere Spitzenstellung in der Wettbewerbsfähigkeit weiter ausbauen. Das betrifft Maschinisierung und Produktivität, dazu gehören Logistik und der Umgang mit neuen Medien. Und dazu gehören Themen wie Vertikalisierung. Dafür müssen die Hersteller sich mehr eigene Gedanken über die Vermarktung ihrer Produkte machen und dem Handel assistieren.

Dafür braucht man dann wieder eine Marke?
KLAAS: Nicht zwingend. Aber ich muss - flapsig gesagt - dem Handel das Verkaufen beinbringen, Flächenkonzepte anbieten oder die Mitarbeiter der Händler qualifizieren.


Hauchdünnes Holz für Luxusprodukte

Den seit Jahren hohen Anpassungsdruck in der Holz- und Möbelindustrie symbolisiert das Furnierwerk der Firma Wehmeyer, das seinen Standort sinnfällig am Fuß der Baumberge im münsterländischen Havixbeck hat. 150 Jahre alte Eichen, seltene (und sündhaft teure) Ringelahornstämme oder tropische Ebenhölzer werden dort in tausende millimeterdünne Scheiben (0,3 bis 2,5 mm) geschnitten. Während bis in die 70er Jahre hinein fast jeder deutsche Wohnzimmerschrank furniert war, ist die Zeit der Massenherstellung heute fast passé. Der Trend zu lackierten Möbeln und Kunststoffimitaten schmerzt die winzige Teilbranche. "Furnier wird zum Nischenprodukt", weiß Firmenchef Heiner Wehmeyer (46). Sein in Münster ansässiges Unternehmen erzielt 6 Millionen Euro Jahresumsatz mit 50 Mitarbeitern. "Wir sind stets auf der Suche nach neuen Märkten", sagt er und verweist auf exklusive Kundschaft. So habe er das im Sommer eröffnende Waldorf-Astoria-Hotel in Berlin mit Ringelahorn ausgestattet. Neben Herstellern von Möbeln oder Musikinstrumenten gehören heute vor allem Schiffs- und Flugzeugbauer zu den Abnehmern. "Beim Yachtbau werden keine Fehler im Holz akzeptiert", sagt Wehmeyer – der Einkauf der Rundhölzer sei daher Chefsache. (mika)



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