Gütersloh (dpa/fr). Die Bertelsmann-Tochter BMG erwägt nach Medienberichten, Teile des britischen Musikkonzerns EMI zu übernehmen. Die Tonträgersparte von EMI steht derzeit vor der Übernahme durch den Musikkonzern Universal Music, der zu Vivendi gehört.
Das Musikrechte-Unternehmen BMG Right Management, das Bertelsmann gemeinsam mit dem Finanzinvestor KKR betreibt, war im Oktober lediglich bis in die Schlussrunde der letzten verbliebenen Bieter für EMI gekommen. Der Preis sei durch die Decke gegangen und BMG sei ein disziplinierter Käufer, sagen Branchenkenner zur Begründung. So will Universal nun als Kaufpreis rund 1,2 Milliarden Pfund (gut 1,5 Mrd. Euro) für den Deal zahlen. Doch die EU-Wettbewerbskommission hat Bedenken dagegen angemeldet. Mit einem Teilverkauf von EMI will Universal die Bedenken der Wettbewerbshüter zerstreuen und die Übernahme unter Dach und Fach bringen.
Die Bertelsmann-Tochter BMG Rights Management zähle zu den Kaufinteressenten für eine Reihe von Plattenlabels der EMI, die auch Musikrechtekataloge enthalten. Insgesamt wolle Universal Vermarktungsrechte der EMI mit einem Jahresumsatz von mehr als 250 Millionen Euro abgeben, berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Auch die Financial Times und der britische Guardian berichteten unter Berufung auf Verhandlungskreise von Gesprächen. Bertelsmann und KKR wollten die Berichte nicht kommentieren. Allerdings gilt das BMG-Geschäft als bevorzugter Wachstumsmarkt, wie Bertelsmanns neuer Chefstratege Thomas Hesse, ein Ex-Sony-Music-Manager, betonte. Laut Vorstandschef Thomas Rabe steht jedes Jahr "eine Milliarde plus x" für Investitionen bereit.
Copyrights von Textern und Komponisten
BMG war bereits in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von kleineren Übernahmen gewachsen. Für 2012 peilt BMG laut Branchenkennern rund 250 Millionen Euro Umsatz an. Bislang verdient BMG sein Geld vor allem mit den Copyrights von Textern und Komponisten. In jüngster Zeit konzentriert sich BMG aber auf den Kauf der umfassenderen Masterrechte. Dann liegen auch die Rechte an den Tonaufnahmen in derselben Hand.
Obwohl Universal etwa zwei Drittel des EMI-Geschäfts in Europa abgeben wolle, ist die Zustimmung der Wettbewerbshüter laut Financial Times weiter unsicher. Die Kommision wolle erst Reaktionen der Wettbewerber abwarten, hieß es in Brüssel.