Bielefeld. Schöne neue Technikwelt: In OWL kann man im Internet jetzt nicht mehr nur nach Straßen und Routen suchen, sondern auch herausfinden, ob das eigene Haus für ein Solaranlage auf dem Dach geeignet ist. Der Service ist für den Bürger kostenlos; auch für die Kreise sind Solarkataster eine gute Investition.
Je nach Kreis und investiertem Geld sieht die Solarkatasterseite tatsächlich aus wie das Kartenprogramm von Google; mit dem Unterschied, dass die Häuser unterschiedlich eingefärbt sind. Bei einem Klick auf ein Dach poppen Informationen zu Sonneneinstrahlung, möglichem Stromertrag und der CO2-Einsparung pro Jahr auf. Die Farbskala reicht dabei meist von grün für "sehr gut für Photovoltaik geeignet" bis rot für "ungeeignet".
Bielefeld hat seinen Solaratlas seit 2009 am Netz. Knapp über 120.000 Gebäude sind dort verzeichnet. "Wir haben monatlich weit über 8.000 Zugriffe von Nutzern", sagt Projektleiter Björn Klaus. Bielefeld sei als eine der ersten Städte mit der virtuellen Darstellung des Solarpotentials in OWL an den Start gegangen, denn "Solar lohnt sich in jedem Fall", so Klaus.
Ab Ende des Jahres für Gütersloh
Nicht nur könne der einzelne Hausbesitzer vom günstigen Strom, Einspeisevergütungen und fallenden Modulpreisen profitieren, auch die Stadt oder der Kreis hat etwas davon. Zum Beispiel Gütersloh, dort soll das Kataster ab Ende des Jahres zur Verfügung stehen. "Gütersloh will bis 2050 energieautark werden, das Solarkataster leistet dazu einen Beitrag", sagt Ursula Thering, Projektleiterin der Koordinationsstelle Energie und Klima. Hier wolle man nicht nur das Kataster nutzen: "Es geht nicht nur um das Dach, wir müssen das gesamte Haus betrachten. Eine Photovoltaik-Anlage lohnt sich nicht um jeden Preis. Auch andere energetische Verbesserungen am Haus sind wichtig."
Das Potential für Strom aus Sonnenenergie ist riesig. "Wir könnten 100 Prozent des privaten Stromverbrauchs aus Sonnenenergie decken", sagt Björn Klaus aus Bielefeld. Tobias Priß, Sachbearbeiter für Erneuerbare Energien des Kreises Lippe, rechnet zusätzlich vor: "Wir nutzen erst sieben Prozent des Solarpotentials." Außerdem birgt das Kataster auch einen klaren wirtschaftlichen Vorteil: "Wir gehen davon aus, dass die Kunden, wenn sie sich für Solarmodule entscheiden, auf lokale Handwerksunternehmen zurückgreifen", sagt Priß.
Auch die Sparkassen oder Volksbanken haben in manchen Kreisen etwas davon. In Höxter etwa hat die Sparkasse die Finanzierung des Katasters übernommen. Dafür verweist sie auf ihrer Website auf das Programm und bietet auch gleich einen Link zum Wirtschaftlichkeitsrechner, der ein Sparkassen-Finanzierungsmodell für die Photovoltaikanlage auf dem Dach errechnet. "Die Kunden können sich natürlich überall eine Finanzierung holen, aber wir bieten eben den Service aus einer Hand", sagt Sebastian Ueckert von der Sparkasse Höxter.
Desgin an Google Maps "angelehnt"
In Herford und Paderborn laufen die Vorbereitungen für das Kataster noch, in Paderborn mit, in Herford ohne Hilfe der Sparkassen. Für die Programmierung des Katasters und die Digitalisierung der erforderlichen Daten ist in vielen Kreisen die Firma Geoplex mit Sitz in Osnabrück und Halle verantwortlich. "Uns war bei der Gestaltung wichtig, dass die Seite jeder bedienen kann, darum haben wir das Design auch an Google Maps angelehnt", sagt Geschäftsführer Frederik Hilling.
Die Firma mit zehn Mitarbeitern hat eine eigene Technik zur Gebäudeerkennung entwickelt: "Beim Solarkataster ist entscheidend, dass man die Dachform für die Bewertung genau erkennt. Das können wir bieten." Bei einem ungefähren Preis von 30.000 Euro, wie ihn der Kreis Herford zu investieren gedenkt, sei Geoplex auch einer der günstigsten Anbieter für derlei Datierungen.
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