Schrift

17.08.2012
MADRID
Finanzielles Eigentor
Der spanische Fußball steckt nun auch in der Eurokrise – durch eigene Schuld
VON HUBERT KAHL

Teure Stars | FOTO: DPA/MONTAGE: LÖHRIG

Madrid (dpa). Zuerst platzte in Spanien die Immobilienblase. Dann gerieten Sparkassen und Banken so sehr in Gefahr, dass Madrid die Europäische Union um Hilfe bitten musste. Nun greift die Krise auf eine Branche über, die den Spaniern besonders am Herzen liegt - auf den Fußball.

Der Erfolg basiert auf einer wirtschaftlich brüchigen Basis. Die spanischen Fußballklubs sind so sehr verschuldet, dass der Liga der Ruin droht. Nach Berechnungen des Ökonomen José María Gay de Liébana von der Universität Barcelona drückt die Vereine der Primera División ein Schuldenberg von insgesamt 3,5 Milliarden Euro. "Muss die EU nun auch den spanischen Fußball retten?", fragte die Zeitung El País.

Info

Licht und Schatten bei deutschen Vereinen

  • Krösus des deutschen Fußballs ist der FC Bayern München: 328,5 Millionen Euro Umsatz und 1,3 Millionen Euro Nettogewinn meldete die FC Bayern AG für die Saison 2010/11. Die Bilanz weist zwar Verbindlichkeiten von 64,2 Millionen Euro aus, aber auf der Habenseite hatte Vorstandschef Rummenigge 129,1 Millionen Euro flüssig in der Kasse. Auch der börsennotierte Fußballklub Borussia Dortmund hat sich gut entwickelt und im Geschäftsjahr 2010/11 (Ende Juni) 135,4 Millionen Euro Umsatz gemacht. Nach dem verlustreichen Vorjahr erzielten die Dortmunder 5,6 Millionen Euro Gewinn. Der Schuldenberg beläuft sich aber immer noch auf knapp 56,1 Millionen Euro. Das ist wenig im Vergleich zu den Schulden spanischer Klubs: Real Madrid hatte (bei zuletzt 479,5 Millionen Euro Umsatz) rund 660 Millionen Euro Schulden, der FC Barcelona meldete (bei 450,7 Millionen Euro Umsatz) 450 Millionen Euro Schulden. Sogar der viel kleinere FC Valencia hatte zwischenzeitlich Verbindlichkeiten von mehr als einer halben Milliarde Euro angehäuft. Ähnlich angespannt ist die Lage von Arminia Bielefeld: Der Klub hat jüngst Schulden von etwa 27 Millionen Euro auf eine neue Tochter übertragen. Das ist ein Mehrfaches des Umsatzes: Der Lizenzspieleretat betrug in der 3. Liga zuletzt nur 2,8 Millionen Euro, der Gesamtetat der Arminia-Gruppe 7 Millionen Euro.


Dabei wird Spanien in aller Welt um seine glanzvollen Fußballer beneidet. Die Nationalmannschaft gewann die Welt- und Europameisterschaft, Real Madrid und der FC Barcelona gehören international zu den erfolgreichsten Klubs, die Liga preist sich als "die stärkste Liga der Welt". Aber der Erfolg basiert auf einem Geschäftsmodell, das wirtschaftlich auf die Dauer nicht tragbar ist.

Viele Vereine zahlten jahrelang ihre Steuern nicht. Die Verbindlichkeiten der Profiklubs bei den Finanzämtern wurden von der Regierung auf 750 Millionen Euro beziffert. Inklusive der Schulden aus der Sozialversicherung geht es um 1,3 Milliarden Euro. Die hohen Schulden werden als besonders skandalös empfunden in Zeiten der Krise, in denen Spanien die EU um Hilfe bitten und die Regierung den Bürgern drastische Einsparungen zumuten muss. Die Vereine in anderen Ländern beklagten sich, weil sie sich gegenüber den Spaniern benachteiligt fühlten. Der spanische Fußball musste sich ein "finanzielles Doping" vorhalten lassen. Im Frühjahr wurde über einen Schuldenerlass spekuliert. Die Regierung einigte sich mittlerweile mit den Klubs auf einen Plan zum Abbau der Steuerschulden, aber die Details wurden nie offengelegt.

Spaniens Fußballklubs leben seit Jahren über ihre Verhältnisse: Sie geben im Jahr 2,1 Milliarden Euro aus, nehmen aber nur 1,8 Milliarden ein. Dies konnte auf Dauer nicht gutgehen. Mehr als ein Dutzend Profiklubs musste sich für zahlungsunfähig erklären und Gläubigerverfahren einleiten. "Die goldenen Zeiten sind vorbei, nun muss auch der Fußball Einsparungen vornehmen", schrieb das Wirtschaftsblatt Cinco Días. Selbst die Spitzenklubs Real und Barça leisten sich für die neue Saison kaum Verstärkungen.

Insgesamt gaben die spanischen Vereine in diesem Sommer bisher 55 Millionen Euro für neue Spieler aus, nur ein Fünftel der Summe des Vorjahres. Der Glanz von Real und "Barça" hat lange die Finanzmisere des spanischen Fußballs verdeckt. Aber die Dominanz der beiden Klubs ist auch eine Schwäche. Beide sichern sich regelmäßig die Hälfte aller Gelder. So halten sie die Konkurrenz auf Abstand. Die Folge ist, dass Spaniens 1. Liga sich international nur schlecht vermarkten lässt – denn es wird langweilig.



Anzeige
Weitere Nachrichten aus der regionalen Wirtschaft
Schloß Holte-Stukenbrock
Synaxon verzeichnet Umsatzeinbruch im PC-Markt
Schloß Holte-Stukenbrock. Eine so kleine Hauptversammlung hat die Synaxon AG wohl noch nie erlebt: 13 Teilnehmer erschienen am Hauptsitz in Schloß Holte-Stukenbrock – und dies waren nicht alles... mehr

Löhne
Hermes Fulfilment plant Neubau in einem Löhner Gewerbegebiet
Löhne. Das Unternehmen Hermes Fulfilment plant in Löhne (Kreis Herford) den großen Wurf. In einem Gewerbegebiet im Stadtteil Gohfeld soll die größte Halle in Ostwestfalen-Lippe entstehen... mehr

Bielefeld
Gildemeister AG bald Geschichte
Bielefeld. Die Umbenennung der Gildemeister AG ist beschlossene Sache. Vor der Hauptversammlung am Freitag in Bielefeld war eigentlich eine sehr emotionale Debatte erwartet worden... mehr

Bad Oeynhausen
Denios AG stärkt ihren Haupt-Standort
Bad Oeynhausen (nisi). Die Denios AG plant am Firmensitz in Bad Oeynhausen eine Erweiterung der Produktion und der Verwaltung. Rund sechs Millionen Euro will Vorstandschef Helmut Dennig am Hauptsitz... mehr




Videos
Anzeige

Anzeigen

Wirtschaft
Dax setzt Gewinnserie fort - Elfter Gewinntag in Folge
Frankfurt/Main - Gestützt auf leicht positive US-Vorgaben hat der Dax am Dienstag seine Gewinnserie den elften Tag in Folge fortgesetzt. Nach einem... mehr

Immer mehr Steuersünder packen aus
Berlin - Geplatztes Steuerabkommen, eine neue Daten-CD und der Fall Hoeneß: Der Druck auf Steuersünder steigt. Bundesländer verzeichnen einen... mehr

Studie: Bargeld kostet im Schnitt rund 150 Euro im Jahr
Frankfurt/Main - Das in Deutschland beliebte Bargeld kostet die Bundesbürger einer Studie zufolge Jahr für Jahr Milliarden. Insgesamt müssten Handel... mehr

Bericht: Weiter Umsatzrückgang bei Karstadt
Essen - Der Warenhauskonzern Karstadt muss auch im laufenden Geschäftsjahr 2012/13 nach Informationen des "Handelsblatts" weiter mit Umsatzrückgängen... mehr

CO2-Streit mit Brüssel: Autobranche bittet Merkel um Hilfe
Berlin - Die deutsche Autobranche kämpft vehement gegen schärfere Klimaschutzrichtlinien der EU. Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie ... mehr





Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format