Madrid (dpa). Zuerst platzte in Spanien die Immobilienblase. Dann gerieten Sparkassen und Banken so sehr in Gefahr, dass Madrid die Europäische Union um Hilfe bitten musste. Nun greift die Krise auf eine Branche über, die den Spaniern besonders am Herzen liegt - auf den Fußball.
Der Erfolg basiert auf einer wirtschaftlich brüchigen Basis. Die spanischen Fußballklubs sind so sehr verschuldet, dass der Liga der Ruin droht. Nach Berechnungen des Ökonomen José María Gay de Liébana von der Universität Barcelona drückt die Vereine der Primera División ein Schuldenberg von insgesamt 3,5 Milliarden Euro. "Muss die EU nun auch den spanischen Fußball retten?", fragte die Zeitung El País.
Licht und Schatten bei deutschen Vereinen
- Krösus des deutschen Fußballs ist der FC Bayern München: 328,5 Millionen Euro Umsatz und 1,3 Millionen Euro Nettogewinn meldete die FC Bayern AG für die Saison 2010/11. Die Bilanz weist zwar Verbindlichkeiten von 64,2 Millionen Euro aus, aber auf der Habenseite hatte Vorstandschef Rummenigge 129,1 Millionen Euro flüssig in der Kasse. Auch der börsennotierte Fußballklub Borussia Dortmund hat sich gut entwickelt und im Geschäftsjahr 2010/11 (Ende Juni) 135,4 Millionen Euro Umsatz gemacht. Nach dem verlustreichen Vorjahr erzielten die Dortmunder 5,6 Millionen Euro Gewinn. Der Schuldenberg beläuft sich aber immer noch auf knapp 56,1 Millionen Euro. Das ist wenig im Vergleich zu den Schulden spanischer Klubs: Real Madrid hatte (bei zuletzt 479,5 Millionen Euro Umsatz) rund 660 Millionen Euro Schulden, der FC Barcelona meldete (bei 450,7 Millionen Euro Umsatz) 450 Millionen Euro Schulden. Sogar der viel kleinere FC Valencia hatte zwischenzeitlich Verbindlichkeiten von mehr als einer halben Milliarde Euro angehäuft. Ähnlich angespannt ist die Lage von Arminia Bielefeld: Der Klub hat jüngst Schulden von etwa 27 Millionen Euro auf eine neue Tochter übertragen. Das ist ein Mehrfaches des Umsatzes: Der Lizenzspieleretat betrug in der 3. Liga zuletzt nur 2,8 Millionen Euro, der Gesamtetat der Arminia-Gruppe 7 Millionen Euro.
Dabei wird Spanien in aller Welt um seine glanzvollen Fußballer beneidet. Die Nationalmannschaft gewann die Welt- und Europameisterschaft, Real Madrid und der FC Barcelona gehören international zu den erfolgreichsten Klubs, die Liga preist sich als "die stärkste Liga der Welt". Aber der Erfolg basiert auf einem Geschäftsmodell, das wirtschaftlich auf die Dauer nicht tragbar ist.
Viele Vereine zahlten jahrelang ihre Steuern nicht. Die Verbindlichkeiten der Profiklubs bei den Finanzämtern wurden von der Regierung auf 750 Millionen Euro beziffert. Inklusive der Schulden aus der Sozialversicherung geht es um 1,3 Milliarden Euro. Die hohen Schulden werden als besonders skandalös empfunden in Zeiten der Krise, in denen Spanien die EU um Hilfe bitten und die Regierung den Bürgern drastische Einsparungen zumuten muss. Die Vereine in anderen Ländern beklagten sich, weil sie sich gegenüber den Spaniern benachteiligt fühlten. Der spanische Fußball musste sich ein "finanzielles Doping" vorhalten lassen. Im Frühjahr wurde über einen Schuldenerlass spekuliert. Die Regierung einigte sich mittlerweile mit den Klubs auf einen Plan zum Abbau der Steuerschulden, aber die Details wurden nie offengelegt.
Spaniens Fußballklubs leben seit Jahren über ihre Verhältnisse: Sie geben im Jahr 2,1 Milliarden Euro aus, nehmen aber nur 1,8 Milliarden ein. Dies konnte auf Dauer nicht gutgehen. Mehr als ein Dutzend Profiklubs musste sich für zahlungsunfähig erklären und Gläubigerverfahren einleiten. "Die goldenen Zeiten sind vorbei, nun muss auch der Fußball Einsparungen vornehmen", schrieb das Wirtschaftsblatt Cinco Días. Selbst die Spitzenklubs Real und Barça leisten sich für die neue Saison kaum Verstärkungen.
Insgesamt gaben die spanischen Vereine in diesem Sommer bisher 55 Millionen Euro für neue Spieler aus, nur ein Fünftel der Summe des Vorjahres. Der Glanz von Real und "Barça" hat lange die Finanzmisere des spanischen Fußballs verdeckt. Aber die Dominanz der beiden Klubs ist auch eine Schwäche. Beide sichern sich regelmäßig die Hälfte aller Gelder. So halten sie die Konkurrenz auf Abstand. Die Folge ist, dass Spaniens 1. Liga sich international nur schlecht vermarkten lässt – denn es wird langweilig.