Schrift

21.08.2012
Windhorst beackert Afrika
Investmentfirma Sapinda kauft zehntausende Hektar Land in Sambia für den gebürtigen Rahdener
VON MARTIN KRAUSE

Umtriebig | FOTO: DPA

Bielefeld/Berlin. Lars Windhorst kehrt zurück ins Rampenlicht. Diesmal nicht als Computerbauer (wie in den 1990er Jahren) oder Internetunternehmer (wie in den 2000er Jahren), sondern als Landwirt und Großgrundbesitzer. In den vergangenen Monaten habe die von Windhorst mitgeführte Sapinda-Gruppe 20.000 Hektar Ackerland im südafrikanischen Sambia gekauft, sagt sein Kommunikationschef Andreas Fritzenkötter.

Die meisten Schlagzeilen hat der heute 35-jährige gebürtige Rahdener jahrelang durch seine zahlreichen juristischen Scherereien mit geprellten Gläubigern und zwei spektakuläre Pleiteserien gemacht. Seit 2011 aber ist der ehemalige Kanzlerberater Andreas Fritzenkötter für ihn tätig, und Windhorst zeigt sich reumütig und total seriös. Vor den Olympischen Spielen durfte Windhorst im Manager-Magazin seitenweise über seine Lieblingsplätze in seiner neuen Wahlheimat London erzählen, wohin er vor drei Jahren seinen Hauptwohnsitz verlegt habe. Der Spiegel widmete seinen aktuellen Unternehmungen nun einen vierseitigen Bericht. Windhorst ist wieder wer.

Im Frühjahr 2012 hatte Windhorst für die Investmentfirma Sapinda einen prominenten Beirat mit Starbesetzung zusammengetrommelt, darunter Beraterlegende Roland Berger und Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold. Gemeinsam suchen sie Investmentchancen "auf den internationalen Rohstoffmärkten und in der Agrarproduktion".

Allerdings hat Windhorst sich in der Vergangenheit den Ruf eines Spekulanten erworben, der gern auf fallende Kurse setzt und mit Leerverkäufen arbeitet. Ist Windhorst jetzt einer jener Rohstoff- und Nahrungsmittelspekulanten, denen eine Mitschuld am Hunger in Entwicklungsländern gegeben wird? Die ihr Geld mit jenem "Landgrabbing" verdienen, das Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann als ein Kernproblem Afrikas identifizierte, weil die landlosen Einheimischen dadurch ihre Lebensgrundlage verlieren ?

Investitionen nicht nur in Sambia geplant

Martin Richenhagen, früherer Topmanager des Claas-Konzerns in Harsewinkel und seit 2004 Chef des konkurrierenden amerikanischen AGCO-Konzerns, sitzt ebenfalls in Windhorsts Beirat. "Sapinda befasst sich mit dem Thema der nachhaltigen Landwirtschaft in verschiedenen Entwicklungsländern", sagt der Mann, auf dessen Expertise auch das Weltwirtschaftsforum in Davos schon vertraut hat. Er beteuert: "Sapinda spekuliert definitiv nicht mit Nahrungsmitteln, sondern setzt auf die Optimierung der Landwirtschaft zum Beispiel in Afrika."

Sapindas Kommunikator Andreas Fritzenkötter, als gebürtiger Gütersloher wie Windhorst ein Ostwestfale (beide lernten sich auf Reisen mit Exkanzler Helmut Kohl kennen), betont, es sollten Nahrungsmittel für den afrikanischen Markt angebaut werden: "Mais, Soja und Getreide, denn danach gibt es in Afrika eine irrsinnige Nachfrage." Nicht nur in Sambia, auch in anderen Ländern solle investiert werden. Derzeit würden die erworbenen Flächen von afrikanischen Unternehmen urbar gemacht. Die gemeinsam mit dem früheren Molkereimanager Carl Heinrich Bruhn und seiner Unternehmensberatung Hofkontor gegründete, mehrheitlich von Sapinda kontrollierte Firma Amatheon Agri, die das Land gekauft habe, werde sich auch um den Anbau kümmern. Nachwachsende Rohstoffe aber "sind nicht unsere Sache", so Fritzenkötter.

Kommentare
1.Was bringt es eigentlich gut beleumundeten Menschen wie Roland Berger oder Joachim Hunold,wenn sie sich mit diesem Windei in Verbindung bringen?

2.'Derzeit werden die erworbenen Flächen urbar gemacht.' Wird etwa wie in Brasilien der Urwald gerodet um Soja anzupflanzen?

(...) Einer von vielen aalglatten Abzockern, die Teil der Systemkrise im wirtschaftlichen Bereich sind. Aber auch hier gilt: Alleine könnten W. und Konsorten nicht handeln. Sie brauchen auch Mitspieler, die bereit sind, ihnen die Mittel zur Verfügung zu stellen. Diese sollten sich dann aber nicht beschweren, wenn sie mal wieder über den Tisch gezogen wurden.

alleine bei dem Namen von dem Menschen wird mir schlecht.

wieso bekommt dieses Windei immer wieder ein Forum ?

Tausende betrogene Anleger haben ihr Geld von dem (...) nie wieder gesehen, weil er ja "insolvent" war! Jetzt schmeißt er wieder mit Millionen um sich, ohne sich um seine Opfer zu scheren, und nimmt damit die Ärmsten der Welt aus! (...)



 Seite 1 von 3
weiter >
  >>



Anzeige
Weitere Nachrichten aus der regionalen Wirtschaft
Bielefeld
BOW kürt die besten Personalentwickler in Ostwestfalen-Lippe
Kreativ, originell und im Praxistest erfolgreich sollten sie sein - die Projekte, mit denen sich Unternehmen aus der Region um die Auszeichnung "Beste Personalentwicklungsmaßnahme in Ostwestfalen-Lippe" bewerben konnten. mehr

Essen/Gütersloh
Schickedanz’ Ehemann lobt Middelhoff
Der Chef des 2009 in die Insolvenz gerutschten Arcandor-Konzerns, Thomas Middelhoff, hat seine umstrittenen Millionenboni nach Ansicht eines früheren Aufsichtsratsmitglieds zu Recht erhalten. mehr

Detmold
Richter baut goldene Brücken
Mit geschlossenen Augen sitzt Heinrich Griem im Gerichtssaal und vernimmt auf der Anklagebank die Vorwürfe, die der Bielefelder Oberstaatsanwalt Ralf Günter erhebt. Die Staatsanwaltschaft Bielefeld wirft dem langjährigen Finanzchef des einstigen Möbelriesen Schieder gemeinschaftlichen Kreditbetrug in vier Fällen vor. mehr

Wirtschaft
Weber kämpft um sein Outlet
m Streit um den Neubau eines Gerry-Weber-Outlet-Centers in Halle (Kreis Gütersloh) hat Gerhard Weber noch einmal nachgelegt. mehr




Videos
Anzeige
Wirtschaft
Moderates Plus im Dax nach ZEW-Daten
Frankfurt/Main - Der Dax hat am Dienstag nach Konjunkturdaten aus Deutschland moderat zugelegt. Insgesamt aber dreht sich laut Marktanalyst Gregor... mehr

Entspannung in kriselnder Solarbranche
Bonn/Brüssel/Peking/München - Die Sonne scheint wieder etwas heller in der Solarindustrie. Der schwer angeschlagene Modulhersteller Solarworld will... mehr

Boeing baut extralangen Dreamliner - Airbus-Großauftrag
Le Bourget - Kurz nach Erstflug der Airbus A350 kommt die Antwort vom Rivalen Boeing: Mit der 787-10 soll bis 2018 ein Konkurrenzflieger fertig sein.... mehr

Deutsche Konjunktur rappelt sich nur langsam auf
Berlin/Mannheim/Essen - Ein langer Winter, die Flutschäden und weiter schwache Investitionen - in den Himmel wachsen die Konjunkturaussichten in... mehr

BDA-Präsident Hundt geht - Nachfolger soll Ingo Kramer werden
Berlin - 17 Jahre BDA-Präsident - eine lange Zeit für Dieter Hundt. Nachfolger Kramer hat viel zu tun - Tarifeinheit, Mindestlohn... mehr



Anzeigen

Anzeige
Anzeige



Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format