Investmentfirma Sapinda kauft zehntausende Hektar Land in Sambia für den gebürtigen Rahdener
Bielefeld/Berlin. Lars Windhorst kehrt zurück ins Rampenlicht. Diesmal nicht als Computerbauer (wie in den 1990er Jahren) oder Internetunternehmer (wie in den 2000er Jahren), sondern als Landwirt und Großgrundbesitzer. In den vergangenen Monaten habe die von Windhorst mitgeführte Sapinda-Gruppe 20.000 Hektar Ackerland im südafrikanischen Sambia gekauft, sagt sein Kommunikationschef Andreas Fritzenkötter.
Die meisten Schlagzeilen hat der heute 35-jährige gebürtige Rahdener jahrelang durch seine zahlreichen juristischen Scherereien mit geprellten Gläubigern und zwei spektakuläre Pleiteserien gemacht. Seit 2011 aber ist der ehemalige Kanzlerberater Andreas Fritzenkötter für ihn tätig, und Windhorst zeigt sich reumütig und total seriös. Vor den Olympischen Spielen durfte Windhorst im Manager-Magazin seitenweise über seine Lieblingsplätze in seiner neuen Wahlheimat London erzählen, wohin er vor drei Jahren seinen Hauptwohnsitz verlegt habe. Der Spiegel widmete seinen aktuellen Unternehmungen nun einen vierseitigen Bericht. Windhorst ist wieder wer.
Im Frühjahr 2012 hatte Windhorst für die Investmentfirma Sapinda einen prominenten Beirat mit Starbesetzung zusammengetrommelt, darunter Beraterlegende Roland Berger und Air-Berlin-Gründer Joachim Hunold. Gemeinsam suchen sie Investmentchancen "auf den internationalen Rohstoffmärkten und in der Agrarproduktion".
Allerdings hat Windhorst sich in der Vergangenheit den Ruf eines Spekulanten erworben, der gern auf fallende Kurse setzt und mit Leerverkäufen arbeitet. Ist Windhorst jetzt einer jener Rohstoff- und Nahrungsmittelspekulanten, denen eine Mitschuld am Hunger in Entwicklungsländern gegeben wird? Die ihr Geld mit jenem "Landgrabbing" verdienen, das Welthungerhilfe-Präsidentin Bärbel Dieckmann als ein Kernproblem Afrikas identifizierte, weil die landlosen Einheimischen dadurch ihre Lebensgrundlage verlieren ?
Investitionen nicht nur in Sambia geplant
Martin Richenhagen, früherer Topmanager des Claas-Konzerns in Harsewinkel und seit 2004 Chef des konkurrierenden amerikanischen AGCO-Konzerns, sitzt ebenfalls in Windhorsts Beirat. "Sapinda befasst sich mit dem Thema der nachhaltigen Landwirtschaft in verschiedenen Entwicklungsländern", sagt der Mann, auf dessen Expertise auch das Weltwirtschaftsforum in Davos schon vertraut hat. Er beteuert: "Sapinda spekuliert definitiv nicht mit Nahrungsmitteln, sondern setzt auf die Optimierung der Landwirtschaft zum Beispiel in Afrika."
Sapindas Kommunikator Andreas Fritzenkötter, als gebürtiger Gütersloher wie Windhorst ein Ostwestfale (beide lernten sich auf Reisen mit Exkanzler Helmut Kohl kennen), betont, es sollten Nahrungsmittel für den afrikanischen Markt angebaut werden: "Mais, Soja und Getreide, denn danach gibt es in Afrika eine irrsinnige Nachfrage." Nicht nur in Sambia, auch in anderen Ländern solle investiert werden. Derzeit würden die erworbenen Flächen von afrikanischen Unternehmen urbar gemacht. Die gemeinsam mit dem früheren Molkereimanager Carl Heinrich Bruhn und seiner Unternehmensberatung Hofkontor gegründete, mehrheitlich von Sapinda kontrollierte Firma Amatheon Agri, die das Land gekauft habe, werde sich auch um den Anbau kümmern. Nachwachsende Rohstoffe aber "sind nicht unsere Sache", so Fritzenkötter.
2.'Derzeit werden die erworbenen Flächen urbar gemacht.' Wird etwa wie in Brasilien der Urwald gerodet um Soja anzupflanzen?