Brüssel/Gütersloh (nw). Nach erheblichen Zugeständnissen an die Wettbewerbshüter darf der weltgrößte Musikkonzern Universal das traditionsreiche Londoner Plattenlabel EMI kaufen. Die EU-Kommission gab am Freitag grünes Licht für die rund 1,5 Milliarden Euro schwere Übernahme, die Universals Spitzenposition in Europa zementiert.
Um Bedenken gegen eine zu großer Marktmacht zu zerstreuen, will die Tochter des französischen Vivendi-Konzerns sich nach der Übernahme von einigen wichtigen EMI-Sparten trennen - darunter das lukrative Label Parlophone, dessen Repertoire von Queen bis Coldplay reicht. Die Rechte an den Werken der Beatles kann Universal dagegen behalten.
Auch von Sparten wie Chrysalis, Mute und EMI Classics will sich Universal trennen. EMI-Töchter in Frankreich, Spanien und einigen anderen europäischen Ländern muss Universal ebenfalls abgeben. Insgesamt macht das nun zum Verkauf stehende Portfolio 30 Prozent des EMI-Umsatzes aus. Die Franzosen wollen zudem eigene Marken wie Sanctuary, Co-Op und die griechische Tochter abgeben. Das gesamte Paket könnte Branchenexperten zufolge einen Wert von knapp 600 Millionen Euro haben.
Zu den Interessenten gehört der Bertelsmann-Konzern. Das in jahrzehntelanger Arbeit aufgebaute eigene Musikgeschäft hatten die Gütersloher 2008 verkauft. Das später von Bertelsmann zusammen mit dem US-Finanzinvestor KKR neu gegründete Musikrechte-Joint-Venture BMG könnte das eigene Geschäft mit den EMI-Töchtern mehr als verdoppeln. Aber auch Sony Music und Virgin-Records-Gründer Richard Branson sind interessiert.
Nach den Sparten-Verkäufen kommt Universal mit EMI in Europa auf 40 Prozent Marktanteil. Mit den Zugeständnissen sei der Wettbewerb in der Musikindustrie gewährleistet, erklärte EU-Kommissar Joaquin Almunia. Verkauft wird EMI von der Citigroup, die die Kontrolle bekam, weil der Finanzinvestor Terra Firma als Vorbesitzer seine Schulden nicht mehr bedienen konnte.






