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10.11.2012
Jungunternehmer: Der Weg in eine süße Zukunft
Existenzgründungstag der IHK / Selbstständige berichten von ihren Erfahrungen
VON SILKE GENSICKE

Eigene Rezepte | FOTO: SILKE GENSICKE

Bielefeld. Sie hat eine Schwäche für Pralinen, ein Faible für Torten und den Mut, sich vor einem halben Jahr selbstständig zu machen - Dorothea Gutzeit steuert als neue Besitzerin des ehemaligen Café Passon in eine süße Zukunft. Mit der Geschäftsübernahme erfüllte die Konditormeisterin sich den Traum von der Selbstständigkeit. Ein Wunsch, den so mancher hegt, wie sich auf dem 38. Ostwestfälischen Existenzgründungstag der Industrie- und Handelskammer in Bielefeld zeigte.

"Nicht jeder ist ein Unternehmertyp. Arbeitslosigkeit, der Wunsch nach einem höheren Einkommen oder nach der Erfüllung eines Traumes sollten keine Gründe für eine Selbstständigkeit sein", sagt Ortwin Goldbeck, Präsident der IHK Ostwestfalen. Lediglich 50 Prozent der Neugründungen in Ostwestfalen gebe es auch noch nach fünf Jahren.

Info
Neugründungen in Ostwestfalen
  • Insgesamt 10.972 neue Unternehmensgründungen verzeichnete die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld.
  • "Im Bereich des Dienstleistungsgewerbes liegt nachweislich der Schwerpunkt", sagt Ricarda Hoffmann von der IHK in Bielefeld. Mehr als die Hälfte aller Gründungen erfolgen in diesem Sektor. 
  • Bundesweit wurde jedes fünfte Unternehmen im Jahr 2011 von einem über 45-Jährigen gegründet. 
  • Nach absoluten Gründungszahlen war die Stadt Bielefeld im vergangenen Jahr Spitzenreiter in Ostwestfalen.


Erst seit einem halben Jahr steht Dorothea Gutzeit als Nachwuchsunternehmerin ihre Frau. Die vergangenen acht Jahre lebte die 37-Jährige in Berlin, leitete ein kleines Café und eine Backstube. Und sie hatte Pläne. "Ich wollte mich in Berlin selbstständig machen, dann kam das Angebot von Regina Passon, ihr Café in Bielefeld zu übernehmen", sagt Gutzeit, die im Bielefelder Traditionscafé ihre Ausbildung absolviert hat.

Team aus 20 Mitarbeitern

Gutzeit überlegte lange, sicherte sich die Unterstützung eines Unternehmensberaters und verschaffte sich einen Überblick vor Ort. "Ich kann jedem nur empfehlen, sich nicht allein auf Zahlen zu verlassen, sondern einen Blick hinter die Kulissen zu werfen." Und ihr gefiel, was sie sah. Das bestehende Team aus 20 Mitarbeitern hat die Nachwuchsunternehmerin übernommen, einige Rezepte ihrer Vorgängerin ebenso.


Doch es stehen Veränderungen an. Im eigenen Schokostudio will Gutzeit im Laden stehen und vor den Augen ihrer Kunden Pralinen fertigen. Darüber hinaus lassen sie die alten Pläne in der Hauptstadt nicht los. "Pralinen sind meine Leidenschaft und meine Idee hat definitiv etwas damit zu tun." Mehr verrät sie noch nicht. Ein Anwalt für Markenrecht kümmere sich in Berlin um ihr Anliegen.

Mit gleichem Elan wie die Konditormeisterin, jedoch ohne die Unterstützung von Mitarbeitern, stemmt Kerstin Schümer, gelernte Schneidermeisterin ihr Geschäftsprojekt - ein Nähcafé. "15 Jahre lang hat mich dieser Gedanke beschäftigt. Vergangenen September habe ich den Schritt dann gewagt und mich selbstständig gemacht. Erst einmal nebenberuflich", sagt Schümer.

Aufgeben kommt nicht in Frage

In Bielefeld-Schildesche hat sie das Nähcafé Leitfaden eröffnet. Näh- und Bügelmaschinen können stundenweise gemietet werden, Stoffe und Zubehör gekauft und mit Rat und Tat steht die 48-jährige Inhaberin ihren Kunden zur Verfügung. Ihr Resümee nach einem Jahr Selbstständigkeit: "Ohne meine halbe Stelle bei einem Bildungsträger ginge es noch nicht." Aufgeben kommt für Schümer aber nicht in Frage - im Gegenteil. Dass ihre Idee ankommt, hat sich bereits gezeigt. "Ein echtes Highlight sind die Männer-Nähkurse. Zweimal die Woche treffen sie sich und nähen Handytaschen für ihre Freundinnen und Oberhemden für sich selbst", erzählt sie.

Die Finanzen bescherten den Unternehmerinnen viele schlaflose Nächte. Ein guter Steuerberater sei ebenso unverzichtbar wie ein guter Arzt. "So mancher Kostenfaktor hat mich eiskalt erwischt", gesteht Schümer. Trotz allem steht für beide Geschäftsfrauen fest: "Wir würden uns wieder selbstständig machen".



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