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20.11.2012
Gütersloh
Start für europäische Ratingagentur
Bertelsmann-Stiftung stellt Projekt vor
VON BERNHARD HÄNEL

Prestigeobjekt | FOTO: VORNBÄUMEN

Gütersloh. Eine starke Gegenstimme zu den drei großen, marktbeherrschenden US-Ratingagenturen – der Plan nimmt Gestalt an. Die Bertelsmann-Stiftung stellt heute in Berlin ein neues Ratingmodell mit internationalen Beispielen vor.

Noch im April 2012 hatte die Unternehmensberatung Roland Berger das Projekt für gescheitert erklärt, da sich zu wenig Investoren gefunden hätten. Die Gütersloher Stiftung ließ sich davon nicht entmutigen und legt nun eine Machbarkeitsstudie für eine internationale, unabhängige und nicht-gewinnorientierte Ratingagentur vor. Damit entspricht sie auch den Wünschen vieler Euro-Staaten nach einer von den USA unabhängigen Agentur, wie sie erst am Samstag Jean-Claude Juncker, der Chef der Euro-Gruppe, im Interview mit dieser Zeitung bekräftigt hatte.
Das Konzept der Bertelsmann-Stiftung sieht eine nicht gewinnorientiert arbeitende Ratingagentur INCRA (International Non-Profit Credit Rating Agency) vor.

Sie soll, so die bisher bekannt gewordenen Fakten, von einem Fonds im Volumen von 400 Millionen Dollar (306 Millionen Euro) finanziert werden, aus dessen Ausschüttungen die laufenden Kosten getragen werden. Beteiligen können sich daran Regierungen, Unternehmen, Stiftungen und Privatleute.

Ratings sollen nichts kosten

INCRA soll sich ausschließlich auf Länderratings und Benotungen internationaler Organisationen beschränken. Die US-Konkurrenten würden diesen Bereich eher als Imagefaktor betrachten und ihre Ressourcen auf die Bewertungen von Unternehmenspapieren konzentrieren, mit denen sie auch ihr Geld verdienen, heißt es bei der Bertelsmann-Stiftung. Die INCRA-Ratings sollen nichts kosten.
Grundlage könnten zwei Indizes der Bertelsmann-Stiftung sein: Der Transformationsindex, der unter anderem staatliche Stabilität, Wahlen, politische Beteiligungsrechte, Gewaltenteilung und Korruptionsbekämpfung misst, und der Sustainable Governance Index, der Reformbedarf und die Reformfähigkeit von Staaten bewertet.

Mit Spannung wird erwartet, ob die Ratings besser oder schlechter ausfallen als die der großen Agenturen. Die Bertelsmann-Stiftung setzt darauf, dass die Einschätzung langfristiger und realistischer als die der großen Agenturen ist.     



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