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27.11.2012
Spenge/Köln
Frommholz lässt die Kölner Messe aus
Sensation in der Möbelbranche
VON HARTMUT BRAUN

Umlagert | FOTO: FRANK-MICHAEL KIEL-STEINKAMP

Spenge/Köln. Für die Möbelbranche ist das eine Sensation: Der Spenger Polstermöbel-Hersteller Frommholz, einer der Treuesten der Treuen der IMM Cologne, wird sich im nächsten Jahr erstmals nicht auf der Kölner Messe präsentieren. Andere Unternehmen aus OWL halten es ebenso.

Doch bei Frommholz ist es etwas Besonderes: Seit 1936 sucht das Spenger Familienunternehmen den Kontakt zur Kundschaft in den Kölner Messehallen. Köln war – in guten wie in schlechten Zeiten – ein "Muss" für die Polsterer aus dem Kreis Herford. Und für die Kölner war Frommholz stets ein überzeugender Propagandist.


Doch jetzt kündigt Junior Gero Walter per Presseerklärung einen großen Frommholz-Auftritt mit 300 Gästen im Februar in der "Weltstadt Hamburg" an – mit dem Zusatz, es sei keine Entscheidung gegen Köln; und leicht sei sie seinem Vater und ihm wirklich nicht gefallen.

Man darf ihm das Bedauern abnehmen

Vater Dirk Walter Frommholz ist Präsident des Verbandes der deutschen Polstermöbelindustrie; er ist der Messe durch Mitgliedschaft in diversen Gremien verbunden. Man darf ihm das Bedauern abnehmen.

Sie hätten sich mit den Kölnern leider nicht über die gewünschte größere Fläche an einem neuen Standort einigen können, heißt es in Spenge. Aber auch: Es ist kein Abschied für immer: "2014 sehen wir neu." Dann sind die – nur alle zwei Jahre auftretenden – Küchenhersteller nicht dabei und in den Deutzer Messehallen ist wieder mehr Platz.

Nun ist es allerdings auch so, dass seit einiger Zeit der Absatz von Polstermöbeln im Allgemeinen stagniert und das Familienunternehmen Frommholz sich im Umbruch befindet: Die Produkte sollen moderner, zeitgeistiger, werden, und das ohne Abstriche an alten Stärken wie handwerklicher Solidität und höchster Stoffqualität.

Der Absatz ist eingebrochen

Die einst 240-köpfige Belegschaft ist derweil auf die Hälfte geschrumpft; der Absatz ist eingebrochen und die Mitarbeiter haben sich in einem abweichenden Tarifvertrag auf Einkommensverzicht eingelassen.

Doch derzeit spürt Gero Frommholz eine positive Firmenkonjunktur: Der Betrieb sei bis Februar ausgelastet; 2012 werde ein Jahr ohne rote Zahlen.

Und fünf neue Kollektionen sollen für 2013 einen weiteren Schub bringen und neue Kunden begeistern – nur eben nicht in Köln. Das durch die kurzfristige Messe-Absage eingesparte Geld werde in den Auftritt im Hamburger Hafen und in Anzeigen-Kampagnen investiert – und nicht zuletzt auch in die neuen Kollektionen.

Dauergäste gehen ihre eigenen Wege

Wie Frommholz haben sich andere Stamm-Aussteller aus dem Kreis Herford gegen Köln entschieden: Die familiengeführten Polstermöbelhersteller Wemafa (Kirchlengern), Nolte (Spenge) und Puhlmann (Enger), allesamt Dauergäste in Köln, gehen ihre eigenen Wege; auch Gepade bleibt daheim. Einige denken offenbar über einen Zweijahres-Rhythmus nach.

Die Messehallen werden trotz solcher Absagen ausgebucht sein, sagt Möbelverbands-Geschäftsführer Lucas Heumann (Herford). Allerdings könne es niemanden kalt lassen, wenn gerade die kleineren und mittleren Hersteller auf der IMM nicht mehr vertreten wären, egal, ob aus konjunkturellen oder Kostengründen oder wegen der spürbaren Dominanz der großen Einkaufsverbände. Heumann: "Auf Dauer geht das nicht gut."



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