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13.12.2012
Machtwort gegen Provinzial-Verkauf
Norddeutsche Sparkassen schließen Privatisierung aus / CDU-Fraktion in Landschaftsversammlung für Fusion mit Rheinland
VON MARTIN KRAUSE

Münster. Hinter den Kulissen der Provinzial Nordwest herrscht große Aufregung. Eine kurzfristig für Mittwoch angesetzte Sitzung des 20-köpfigen Aufsichtsrates ist überraschend wieder abgesetzt worden, hieß es Mittwoch aus Münster. Management, Mitarbeiter und Umfeld des öffentlich-rechtlichen Versicherungskonzerns müssen einen doppelten Schock verdauen: Die Überlegungen über den Verkauf an einen privaten Konzern wie die Allianz AG und die massiven Proteste dagegen einerseits; den angeblichen tätlichen Angriff auf Vorstandschef Ulrich Rüther und sein Geständnis, der Angriff sei nur vorgetäuscht gewesen, andererseits.

Eine gewisse Orientierung gab es zumindest in einem Punkt: Der Vorstand des Sparkassen- und Giroverbandes Schleswig-Holstein hat beschlossen, dass die Provinzial Nordwest definitiv nicht an einen privaten Wettbewerber verkauft werden soll. Dies teilte der Kieler Sparkassenpräsident Reinhard Boll mit, dessen Verband 18 Prozent an dem Versicherungskonzern in Münster hält. Damit dürfte der (nur einstimmig mögliche) Verkauf vom Tisch sein. Boll hatte nach unwidersprochenen Berichten selbst an einem Treffen mit Allianz-Chef Michael Diekmann teilgenommen, der demnach mehr als 2,25 Milliarden Euro für den Kauf der münsterschen Provinzial geboten haben soll.

Eine entsprechend klare Positionierung des Sparkassenverbandes Westfalen-Lippe (der 40 Prozent der Provinzial Nordwest hält) und seines Präsidenten Rolf Gerlach gibt es bisher nicht. Auch Gerlach war bei dem Treffen mit Diekmann, ebenso wie Wolfgang Kirsch, der Direktor des ebenfalls mit 40 Prozent beteiligten Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe.

Die CDU-Fraktion der Landschaftsversammlung lehnt einen Verkauf an private Interessenten strikt ab. Die Provinzial-Versicherungen würden als "integraler Bestandteil des öffentlichen Finanzdienstleistungsverbundes" gesehen, sagte CDU-Fraktionsgeschäftsführer Friedrich Klanke aus Stemwede. Seine Partei befürworte Verhandlungen mit den Eigentümern der Provinzial Rheinland, "die dann eine Fusion der beiden Provinzial-Versicherungen zum Ziel haben." Eine zeitliche Begrenzung dieser Verhandlungen bis 31. März, wie sie im Gespräch mit Ministerpräsidentin Hannelore Kraft vereinbart worden sei, sei falsch: "Wir setzen uns unnötig unter Zeitdruck."

Fassungslosigkeit herrschte auch Mittwoch noch über die Entwicklung im Fall von Provinzial-Chef Ulrich Rüther. Einig sind sich die Beobachter, dass Rüther unerhörten Druck verspürt haben muss. Vor dem angeblichen Angriff am 5. Dezember hatte er sich auf dem Weg in eine Betriebsversammlung befunden. "Wir hoffen, dass er unser Vorstandsvorsitzender bleiben kann", sagte die Kieler Betriebsratschefin Kerstin David. "Ich hätte eine kurzfristige Klärung der Führungsfrage erwartet", sagte ein selbstständiger Provinzial-Vertreter aus OWL, der nicht genannt werden will.
5.000 Demonstranten werden am Freitag in Münster zu einer Protestaktion gegen eine möglicherweise mit Stellenabbau verbundene Privatisierung der Provinzial erwartet. Erwartet werden auch NRW-Sozialminister Guntram Schneider (SPD) und CDU-Landespolitiker Karl-Josef Laumann.



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