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28.12.2012
Jörg Krämer: "Die Haushaltspolitik Japans ist unverantwortlich"
Der Chefvolkswirt der Commerzbank im Interview

Tokio/Bielefeld. Sparen? Den Schuldenberg abbauen? Nicht mit dem neuen japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe. Der will die Geldpolitik lockern, schiebt Konjunkturprogramme an – und will auch die japanischen Kernkraftwerke wieder hochfahren. "Er wird scheitern – genau wie seine Vorgänger", prognostiziert Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank im Gespräch mit Stefan Schelp.

Info

Richtungswechsel

  • Shinzo Abes konservative Liberal-Demokraten waren klare Sieger der Wahl am 16. Dezember. Mit dem kleineren Partner, der Komeito-Partei, verfügen sie über eine Zweidrittel-Mehrheit. Im Kabinett sind vor allem enge Gefolgsleute Abes vertreten.
  • Auf der politischen Ebene strebt Abe eine Überarbeitung der pazifistisch ausgerichteten Verfassung des Landes an. Im Territorialstreit mit China kündigte er eine harte Haltung an.
  • In der Atompolitik will Abe eine Kehrtwende vornehmen. Als sicher eingestufte Atomreaktoren sollten wieder in Betrieb genommen und die Pläne zum Ausstieg aus der Kernenergie auf den Prüfstand gestellt werden.


Herr Krämer, der neue japanische Ministerpräsident hat eine weitere Lockerung der Geldpolitik angekündigt. Das bedeutet einen noch kräftigeren Anstieg der ohnehin schon immensen Verschuldung. Ist das der richtige Weg? Lässt sich so die Wirtschaft ankurbeln?
JÖRG KRÄMER:
Die japanischen Staatsschulden betragen mehr als 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der japanische Staat ist damit stärker verschuldet als Griechenland. Bald wird die japanische Regierung ihre Schulden nicht mehr nur bei ihren Bürgern finanzieren können, sondern Investoren im Ausland finden müssen. Ausländern müsste der japanische Staat jedoch deutlich höhere Zinsen bieten, was die Finanzen weiter belasten würde. Eine Staatsschuldenkrise wie im Euroraum ist in Japan nicht mehr undenkbar. Die Haushaltspolitik Japans ist unverantwortlich.

Es soll ein Konjunkturprogramm von 88 Milliarden Euro aufgelegt werden. Kann das helfen?
KRÄMER:
Seit zwanzig Jahren hangelt sich Japan von einem Konjunkturprogramm zum anderen. Das hat zwischenzeitlich konjunkturelle Strohfeuer entfacht, aber Japans ineffiziente wirtschaftliche Strukturen zementiert und Japan wirtschaftlich zurückfallen lassen. Die Politik des neuen Regierungschefs Abe wird scheitern wie die seiner vielen Vorgänger. Die japanischen Wähler haben mit Abe einen faustischen Pakt geschlossen.

Übt deutliche Kritik an Japans Regierung | FOTO: COMMERZBANK

Das Inflationsziel soll von einem auf zwei Prozent erhöht werden. Welche Gefahren birgt das?
KRÄMER:
Die Inflationsrate in Japan schwankt seit Jahren um Null Prozent. Die Regierung möchte, dass sich die Notenbank zu einem Inflationsziel von zwei Prozent bekennt. Das ist per se nicht unvernünftig. Aber die Regierung strebt an, dass die Notenbank die Inflation unter anderem durch den Kauf von Staatsanleihen erhöhen soll. Die Regierung will die Herrschaft über die Notenpresse, was im besten Fall notwendige Wirtschaftsreformen verhindert und im schlechtesten Fall zu einer hohen Inflation führen wird.

Wird das japanische Modell in Europa Nachahmer finden?
KRÄMER:
Dass Politiker die Unabhängigkeit der Notenbanken missachten, ist kein rein japanisches Phänomen. Auch die Europäische Notenbank hat einen guten Teil ihrer Unabhängigkeit eingebüßt, seit ihr damaliger Präsident Trichet dem Drängen der Politiker nachgegeben hat, Anleihen der klammen Peripherieländer zu kaufen. Die EZB pumpt zwei Drittel ihrer Liquidität in die Peripherieländer, die die Banken auf Geheiß ihrer Regierungen häufig dazu nutzen, Staatsanleihen zu kaufen, für die sich nicht genügend normale Käufer finden. Faktisch finanziert die EZB Staatsausgaben mit der Notenpresse.

Kommentare
Unsägliches Interview.Nichts dazu gelernt. Die alten Rezepte, nur mehr davon...dann wirds wieder. Die entscheidenen Sätze sagt der vor 20 Jahren ausgebildete Volkswirt nebenbei: 1. 0% Inflation in Japan und 2. Japan hat keine Schulden bei ausländischen Investoren- nur bei seinen Bürgern. Das ist der Unterschied zu Pleite-Europa! Das ist gut für Lohnempfänger! Lohnsteigerungen werden nicht durch die Inflation aufgefressen! Die Bürger/-innen als Gläubiger ihres Staates,bereichern sich nicht am Zinseszins und spekulieren damit nicht an der Börse. Warum der Volkswirt so spricht, ist doch klar: er will auf den japanischen Markt - als Geldverleiher . Passend zur Weihnachtszeit erinnere ich mich das Jesus die Beutelschneider und Wechsler, die Wucherer aus dem Tempel warf. Und Zinseszins ist eine widerliche Einrichtung um den Schwachen auf ewig zu knechten. war auch zu Jesu Zeiten verboten (im Islam bis heute).Auch die Thora der Juden verbietet Zinseszins.

Was muss noch passieren, das wir ausrechnet den worten des Chefvolkswirt der Commerzubank glauben. Ein Volkswirt einer bank, die ein eigentlich kostenpflichtiges Produkt, ein Girokonto, verschenkt und da niemand dieses Geschenk will, wird noch 50,00 Euro Zugabe geboten. Der Volkswirt dieser Bank erklärt der Welt das Geschäft, lusitg !

vollkommen richtig und sachkundig auf den punkt gebracht! @Jürgen

die €-einführung war bereits eine sofortige teil-enteignung des deutschen sparers, um die hälfte seiner sachwertinvestitionen wie immobilien und um die hälfte seiner spareinlagen wurde man mit sofortiger wirkung erleichtert seiner zeit. von den löhnen einmal ganz zu schweigen, noch abenteuerlicher wird es wenn man die löhne und die kaufkraft gegen die preisentwicklung stellt. dies einmal über den zeitraum der letzten 10 jahre konsequent ausgearbeitet, und jedem auch nur halbwegs mit der ökonomischen grundlehre vertrauten zeitgenossen wird auf der stelle sicher spei-übel !

die medien sind ganz klar allesamt auffällig "unkritisch", sodass sich mir schon fast das wort gleichschaltung aufdrängt. ablenken , schön/weg- reden, beschwichtigen und die aufmerksamkeit in andere richtungen dirigieren.... gibt es nicht wieder eine schiesserei in Amerika über die man große sonderartikel auf den titelseiten und sondersendungen in dauerschleife im deutschen TV bringen kann?

Beim Thema Euro-Krise wird verharmlost und schöngeredet. Doch allmählich dämmert es sogar den gutgläubigsten Zeitgenossen, dass die so genannte Euro-Rettung vor allem die deutschen Steuerzahler und Sparer viele Milliarden Euro kosten wird. Mit immer neuen Euro-Märchen versuchen sich die Verantwortlichen noch einmal über die nächste Bundestagswahl zu retten.
Die von einem parteiübergreifenden Polit-Kartell abgenickte Griechenland-Rettung erinnert Klaus-Peter Willsch irgendwie an die Titanic. Auch auf dem gesunkenen Luxusdampfer habe die Kapelle bis zum Untergang gespielt, sagt der CDU-Bundestagsabgeordnete. Er sollte es eigentlich
wissen. Immerhin gilt er als Haushaltsexperte seiner Fraktion. Aber auf der Kommandobrücke der Titanic will man solche Warnungen nicht hören. Man lässt die Kapelle weiterhin ihre verlogenen Weisen spielen.



Die jüngsten Beschlüsse der Euro-Finanzminister und des IWF zur Finanzierung der so genannten Griechenland-Hilfe sind nur eine neue Partitur des Vertuschens, Beschwichtigens und Vertagens. "Das ganze Konstrukt dient dazu, die Lasten für den Steuerzahler zu kaschieren", stellt der Commerzbank-Ökonom Christoph Weil goldrichtig fest. "Der Eisberg wird dem Schuldendampfer nicht ausweichen, auch wenn noch mehr aufs Tempo gedrückt wird", warnt Union-Haushaltsexperte Willsch.

Toyota & Co ade - Leute kauft VW!

Uns geht es gut. Ohne Popel, ohne Opel, wenn nicht sofort, auch Ford ist bald fort und so kommen wir langsam aber sicher wieder auf den staatsdiktierten VOLKswagen zurück.



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