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30.01.2013
Schlecker-Frauen stellen Weichen neu
Wie ehemalige Mitarbeiterinnen der Drogeriekette um eine neue berufliche Existenz kämpfen
VON MATTHIAS BUNGEROTH

Im Stellwerk in Oberhausen | FOTO: MATTHIAS BUNGEROTH

Oberhausen. Es war die größte Pleite im deutschen Einzelhandel. Im Januar 2012 meldete die Drogeriemarktkette Schlecker Insolvenz an; insgesamt 23.400 Mitarbeiterinnen wurden in zwei Wellen im Januar und Juli entlassen. Der damalige Tipp von Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, die Betroffenen sollten sich schnellstmöglich um eine "Anschlussverwendung" bemühen, klang vielen wie Hohn in den Ohren. Ein Jahr nach dem Niedergang von Schlecker zog die Bundesagentur für Arbeit eine eher ernüchternde Bilanz. 40 Prozent der Entlassenen hätten wieder eine Arbeit, hieß es. Doch 11.900 Frauen sind immer noch auf Jobsuche. Mit einer von ihnen haben wir gesprochen. Und: Es gibt auch Mutmacher-Beispiele.

Der Griff zum Mikrofonknopf ist schon Routine. "Ich habe jetzt gleich eine Einfahrt auf Gleis 9", sagt Gabriele Delbeck, bevor sie den Fahrgästen, die sich auf dem Oberhausener Hauptbahnhof aufhalten, mitteilt, dass ihr erwarteter Regionalexpress einige Minuten verspätet eintreffen wird. Gleich danach informiert sie die in einem anderen Zug auf Gleis 5 eingetroffenen Reisenden, welche Anschlusszüge sie erreichen können. "Perfekt", sagt Fahrdienstleiter Jochen Schäfer anerkennend.


Schäfer ist begeistert von den neuen Auszubildenden, die sich unter seinen Fittichen zur Weichenwärterin oder Fahrdienstleiterin bei der Bahntochter DB Netze qualifizieren. Und er muss es wissen, hat er doch schon viel Erfahrung im Geschäft. "Ich habe im August 40-jähriges Dienstjubiläum." Die insgesamt 14 Frauen, die Schäfer betreut, werden ein solches Jubiläum bei der Bahn kaum erreichen. Denn sie sind größtenteils etwa 40 bis 50 Jahre alt und haben mit dem Einstieg in die Bahnbranche beruflich völliges Neuland betreten.

Beruf nach 17 Jahren verloren

So wie Gabriele Delbeck. Die 42-Jährige lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern im Alter von 11 und 14 Jahren in Gelsenkirchen. Sie leitete in Herne eine Filiale der Drogeriemarktkette Schlecker. Ein Beruf, den sie durch die Insolvenz des Unternehmens nach 17 Jahren verlor. Ihr Schwager, der ebenfalls Weichenwärter bei DB Netze ist, machte ihr Mut, die neue Karriere in Angriff zu nehmen.

"Es nützt nichts. Man muss einen Schlussstrich ziehen und nach vorne schauen", beschreibt sie rückblickend ihre Situation nach dem Verlust des Schlecker-Jobs. Die Zeiten, in denen sie über die Arbeitslosigkeit nicht reden wollte, sind endgültig vorbei. Mit ihrer neuen Ausbildung hat Delbeck wieder Mut getankt. "Die Kinder sind total stolz und finden das super", sagt sie heute strahlend. Beim Blick auf die große Schalttafel im Stellwerk Oberhausen, wo bunte Lichter die Positionen aller fahrenden und stehenden Züge anzeigen, habe sie zuerst "großen Respekt" empfunden, gesteht sie. Doch der ist nun enormer Akribie und gewissenhaftem Einsatz gewichen.

"Das ist eine Herausforderung", so beschreiben auch ihre Mit-Auszubildenden Claudia Stalder aus Goch, sowie Marlies Smolka und Gabriele Tekath (beide aus Duisburg) die neue berufliche Weichenstellung. Doch bereut haben die einstigen Schlecker-Frauen den Tausch einer Tätigkeit zwischen Regalen mit Shampoo und Hautcrèmes zur Arbeit im technisch geprägten Stellwerk keineswegs. "Jetzt lernen wir die DB von der Pike auf kennen", sagen sie.

Eine Zukunft

"Ich denke, dass sie eine Zukunft haben werden bei uns", sagt Jochen Schäfer aufgrund der ersten Erfahrungen. "Man merkt ihnen an, dass sie sich der Verantwortung bewusst sind", sagt auch Ausbildungsleiter Marc Loose. Immerhin werden die einstigen Schlecker-Frauen bei der DB nach bestandener Qualifizierung in einem sicherheitsrelevanten Arbeitsfeld zum Einsatz kommen. Und: "Sie werden unbefristet übernommen."

Nach einem erfolgreichen Abschluss ihrer bis zu siebenmonatigen Qualifizierung verdienen die Neu-Bahnerinnen zwischen gut 2.000 und gut 2.100 Euro brutto. 14 Ex-Schlecker-Frauen sind in der aktuellen Ausbildung, weitere sollen folgen. Reiner Latsch, DB-Konzernbevollmächtigter für NRW, freut sich, "dass qualifizierte und engagierte Frauen in klassischen Männerberufen bei der DB arbeiten wollen."

Kommentare
Maximilian, reden Sie doch einfach über Sachen von denen Sie etwas verstehen, Sie haben immer noch noch nicht begriffen: Wir waren Mitarbeiter der Firma A:S., wir sind keine Schleckrfrauen. Und derVergleich der 20, 30er Jahre: Frauen an den Herd und für die Kindererziehung.

Ich kann es wirklich nicht mehr hören, dieses elendige gehäule der "Schlecker Frauen"
Wen interessiert das? Es gibt dermaßen viele Menschen die ihren Job verloren haben, das interessiert niemanden.
Die Damen sollen mal froh sein so lange einen halbwegs gut bezahlten Job gehabt zu haben, ohne sich groß krumm machen zu müssen. Die Angst besteht doch jetzt nur darin, nun objektiv für seine geleistete Arbeit bezahlt zu werden, und nun auch richtig arbeiten zu müssen.
Auch wenn einigen Frauen Ü50 sowas natürlich vollkommen widerstrebt.
Aber liebe "Schleckre Frauen" so könnt ihr mal sehen wie es uns 20er und 30ern heute geht!

Der Begriff "Schlecker-Frauen" sollte eigentlich das Unwort des Jahres 2012 sein.


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