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22.03.2013
Bielefeld/Berlin
Gebaut, um kaputtzugehen
Hersteller unter Verdacht / Firmen in OWL schwören auf Qualität
VON KATHARINA GEORGI

Geräte mir Serienfehlern? | MONTAGE: STERN

Bielefeld/Berlin. Wer Geld verdienen will, muss sein Produkt verkaufen. Je öfter, desto besser. Darum bauen immer mehr Hersteller Schwachstellen in ihre Geräte ein, um die Verbraucher dann mit Ersatzteilen oder neuen Geräten versorgen zu können. Das jedenfalls wirft eine von der Grünen-Bundestagsfraktion in Auftrag gegebene Studie den Herstellern vor.

Das Phänomen wird als geplante Obsoleszenz (aus dem Lateinischen für "hinfällig werden") bezeichnet und seit Jahren von Verbraucherschützern kritisiert. Die von dem Aalener Ökonomie-Professor Christian Kreiß und dem Verbraucherexperten Stefan Schridde erstellte Studie beanstandet, dass Bauteile von vornherein "funktionell unterdimensioniert" sind, sie also nach einer bestimmten Nutzungsdauer so sehr verschleißen, dass sie ausgetauscht oder das ganze Gerät neu angeschafft werden muss.

Ein Musterbeispiel seien Handmixer, in denen ungeschmierte Plastikzahnräder schon nach knapp drei Jahren unbrauchbar sind. Oder Drucker, die nach einer bestimmten Zahl ausgegebener Seiten automatisch auf "Wartung" umstellen, auch wenn kein Problem vorliegt.

Qualität in OWL

Unternehmen aus der Region distanzieren sich von dieser Trickserei. Eduard Sailer, Miele-Geschäftsführer für Technik, erklärte: "Ein Ingenieur, der Obsoleszenz einbaut, müsste den Widerspruch lösen, dass ein Gerät über einen definierten
Zeitraum, den der Kunde erwartet, störungsfrei läuft, dann aber schlagartig kaputtgeht." Kunden seien außerdem bereit, für Qualität zu zahlen, glaubt Sailer.

Die Wortmann AG legt ebenfalls viel Wert auf Qualität. "Über die Branche verteilt gibt es immer mal wieder Teillieferungen, die nicht richtig funktionieren", erklärt Meik Blase vom Qualitätsmanagement der Firma. Dass dieses Phänomen dabei an die Garantie der Geräte gekoppelt sei, könne er aber nicht belegen, "ein Vorsatz ist mir nicht bekannt". Alle Rechner, die das Unternehmen baue, würden zu 100 Prozent geprüft.

Der Telefonanlagenhersteller Agfeo setzt auf eigene Tests. "Dadurch, dass wir selbst produzieren, können wir Produktionen sofort stoppen. Bei angekauften Produkten ist das schwieriger", sagt Mirko Stanke. Einen Serienfehler habe es nie gegeben.

Die ganze Branche weist die Kritik zurück. "Qualität ist ein sehr wichtiges Kaufkriterium, und sie beeinflusst stark die Markentreue", betont Werner Scholz, Geschäftsführer im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. Mixer und Co. seien langlebig. Von 180 Millionen Elektrogeräten in deutschen Haushalten seien 75 Millionen älter als 10 Jahre und 31 Millionen seit 14 Jahren oder länger im Einsatz.

Kommentar

Pünktliches Sterben

VON JESSICA KLEINEHELFTEWES

Je teurer, desto hochwertiger - diese Formel hat ausgedient. Egal ob teures Marken- oder billiges No-Name-Produkt: Kaum ist die Garantie abgelaufen, schon geben Fernseher, Handy, Drucker und Co. den Geist auf. Und das, obwohl meist nur Kleinigkeiten defekt sind. Konnte man früher mit wenigen Handgriffen und ein bisschen Geschick jedes Gerät wieder zum Laufen bringen, wissen die Hersteller das heute zu verhindern. So sind zum Beispiel verklebte Gehäuse mittlerweile keine Seltenheit mehr. Selbst den Akku-Tausch muss der Fachmann übernehmen.

Da sich die Politik bislang weitestgehend aus der Diskussion heraushält, ist es Zeit, dass die Konsumenten aktiv werden. Statt jedem neuen Technik-Schnickschnack hinterherzuhecheln, sollten sie gegen den Strom schwimmen. Auf diversen Internetseiten, in Technikforen und auf Youtube gibt es Tipps, wie Geräte wieder zum Laufen gebracht werden können. Sogenannte Repair-Cafés helfen ebenfalls weiter. Nur so lernen die Hersteller, dass Verbraucher den vermuteten perfiden Betrug nicht hinnehmen.

jessica.kleinehelftewes@ihr-kommentar.de



Besser verschraubt als verklebt

Berlin. Für Kurzlebigkeit von Elektrogeräten gibt es Anzeichen, sagt Stefan Schridde. Der Betriebswirt, der an der gestern vorgestellten Studie beteiligt war, sammelt auf www.murks-nein-danke.de Beispiele für Produkte, die früh kaputtgegangen sind oder sich nur schwer reparieren lassen. Über 2.000 Hinweise sind bereits eingegangen.

Um beim Kauf kein Gerät zu erwischen, das kurz nach Ablauf der Garantie nicht mehr funktioniert, sollten Verbraucher im Geschäft klare Fragen stellen. "Ist das Produkt auf Reparierbarkeit hin gebaut? Zeigen Sie mir bitte, wie man das öffnet, wenn ich es reparieren wollte." Öffnen könne man ein Gerät nur, wenn das Gehäuse verschraubt statt verklebt sei, sagt Dirk Petersen, Umweltberater bei der Verbraucherzentrale Hamburg.

Leichter zu reparieren sind Geräte mit herausnehmbarem Akku. Einige Hersteller bauen ihre Geräte so, dass sich der alte Akku nicht durch einen neuen ersetzen lässt. (DPA)



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