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30.03.2013
Bielefeld
Post rüstet in Bielefeld auf
Neues Paket-Sortierzentrum im Gespräch
VON SUSANNE LAHR

Moderne Technik soll bei der Bewältigung der stetig wachsenden Paketflut helfen | FOTO: DEUTSCHE POST DHL

Bielefeld. Alle Beteiligten halten sich noch sehr bedeckt, da die Verträge noch nicht unterschrieben sind. Doch Gerhard Bock von der Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (Wege) Bielefeld ist nach einer großen Gesprächsrunde am 25. Februar zuversichtlich, dass die Deutsche Post DHL auf einem ehemaligen Mannesmann-Gelände in Brackwede eine ihrer neuen Paket-Sortieranlagen errichten wird. "Ich kenne jedenfalls kein Alternativgrundstück dieser Größenordnung im Umkreis", sagt Bock gegenüber der NW.

Zu einer solchen Aussage mag sich Rainer Erzner, Pressesprecher der Deutschen Post in Düsseldorf, nicht versteigen. Fakt sei, dass die Post im Rahmen ihres Paketkonzeptes für die Jahre 2012 bis 2015 auch nach einem etwa 16.000 Quadratmeter großen Grundstück im Großraum Bielefeld-Gütersloh Ausschau hält. Dort soll eine dringend benötigte mechanisierte Zustellbasis errichtet werden, die bestehende Paketzentren entlasten soll. Die Entscheidung sei indes noch nicht gefallen. Erzner ist es aber wichtig, einige in der Öffentlichkeit kursierende Zahlen richtigzustellen und neue Größen zu nennen.


750 Millionen will die Deutsche Post bis 2015 deutschlandweit investieren, um die enormen Steigerungen im Paketsektor aufzufangen – durch neue Technik, neue IT-Anwendungen und veränderte Produktionsprozesse. Dass davon 30 Millionen Euro allein in eine Zustellbasis investiert werden, sei komplett falsch. "Das kostet sie bei weitem nicht", betont Erzner, der aus Wettbewerbsgründen nicht genauer werden will. "Auch dass durch eine solche Zustellbasis 100 neue Arbeitsplätze entstehen, kann ich nicht bestätigen." Es komme hauptsächlich zu einer Verlagerung der Arbeitsplätze, da bestehende Paketzentren – es gibt bislang 33 zwischen Nordsee und Alpen – entlastet werden.

Pro Stunde werden 28.000 Pakete sortiert

"Wir stoßen allerorten an unsere Kapazitätsgrenzen", sagt Rainer Erzner. Nicht nur in der Hauptpost Gütersloh, was fälschlicherweise als Grund für die Standortsuche genannt worden sei. Seien im Jahr 2011 täglich rund 2,5 Millionen Pakete in Deutschland durch die Deutsche Post zugestellt worden – im Weihnachtsgeschäft 5 Millionen –, seien diese Zahlen im Jahr 2012 auf durchschnittlich 3 bzw. 7 Millionen Pakete gestiegen. "Und es geht weiter bergauf, insbesondere durch den Internethandel", sagt Erzner. Deshalb sei im vergangenen Jahr auch schon das Bielefelder Paketzentrum aufgerüstet worden. Konnten dort nach Erzners Worten vorher 20.000 Pakete in der Stunde sortiert werden, sind es jetzt 28.000. "Trotzdem müssen wir erneut die Kapazität erweitern." Dazu sei man Ostwestfalen-Lippe-weit auf der Suche.Ginge es nach Udo Maslowski, ist die in Rede stehende Fläche der Salzgitter Mannesmann Präzisrohr GmbH zwischen den Straßen Am Rohrwerk und Kammerichstraße in Brackwede genau die richtige. Maslowski arbeitet bei der RSE Grundbesitz und Beteiligungs-GmbH in Mühlheim an der Ruhr, wie Mannesmann Präzisrohr eine 100-prozentige Tochter der Salzgitter AG, und kümmert sich um die Vermarktung von nicht mehr benötigten Betriebsimmobilien.

In Brackwede sind seit dem Abriss von Hallen im Juli 2011 rund 48.000 Quadratmeter freigeworden. 15.000 Quadratmeter könnten jetzt an einen privaten Investor aus Paderborn verkauft werden, der die Zustellbasis baut und an die Post vermietet. "Wir sind auf der Zielgeraden", betont Udo Maslowski. Das betreffe auch die notwendigen Vorüberlegungen zum Lärmschutz für ein Paketverteilzentrum mit 30 Andockstellen für Lastwagen und Sprinter.

Kein neuer Bebauungsplan notwendig

Das kann Gerhard Bock von der Wege nur bestätigen. Das Bielefelder Bauamt habe bereits zugesagt, dass für die Gewerbefläche kein Bebauungsplan aufgestellt werden müsse, sondern nach Paragraph 34 Baugesetzbuch verfahren werden könne, der die Zulässigkeit von Vorhaben innerhalb im Zusammenhang bebauter Ortsteile regelt. Die Bezirksvertretung Brackwede habe den Überlegungen in nichtöffentlicher Sitzung Mitte März zugestimmt.

Es existiere zudem ein Gutachten, das eine insgesamt 165 Meter lange und zwischen 2,50 und (wegen des topographischen Gefälles) 8 Meter hohe Lärmschutzwand zur Wohnbebauung hin vorsieht. Außerdem, so Gerhard Bock, sei vorgesehen, dass in der Nacht das Paketzentrum nur von der Kammerichstraße aus angefahren werden dürfe. "Das Gebäude dient dann zusätzlich als Lärmschutz", sagt der Wege-Vertreter. Wobei sich die Zahl der geplanten Nachtfahrten indes mit geplanten sechs bis acht in Grenzen halte. Aktiver und organisatorischer Schallschutz führe dazu, so Gerhard Bock, dass laut Gutachten die zulässigen Spitzenpegel nachts nicht erreicht werden.

Jetzt fehlt also offensichtlich nur noch der Vertragsabschluss, den Udo Maslowski für Ende April erwartet. Danach soll der Bauantrag eingereicht werden. Und die RSE könne gezielt die weitere Vermarktung der verbleibenden 33.000 Quadratmeter auf dem Kammerichgelände angehen. "Wir sehen die aktuellen Pläne als Initialzündung für die Vermarktung", so Maslowski. "Wir werden bestimmt Firmen finden, die zur Post passen", ist auch Gerhard Bock zuversichtlich. "Diese Maßnahme wäre die beste Werbung für das Gelände."



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