Schrift

31.03.2013
Die Windpark-Genossen im Paderborner Land
Bürger als Kommanditisten und Genossenschaftler beteiligt
VON KARL FINKE

Paderborn. Anwohner empfinden Windriesen hin und wieder als Belastung. Als Energieanlagen können sie nicht nur für einige Landwirte und Investoren Gewinne erwirtschaften, sondern auch für normale Bürger. Diese können sich bei sogenannten Bürgerwindparks im Paderborner Land sowohl als Kommanditisten als auch Genossenschaftsmitglieder beteiligen und profitieren.

Die Paderborner Hochfläche und das angrenzende Sintfeld sind vom Wind besonders begünstigt. Friedbert Agethen, bis Ende 2012 Vorsitzender des Landesverbandes Windenergie, hat in seinem Heimatdorf Bad Wünnenberg-Helmern schon in den 1990er Jahren rund 50 Grundeigentümer für ein lokales Windvorranggebiet unter einen Hut gebracht. Zusammen mit Johannes Lackmann, einige Jahre Vorsitzender des Bundesverbandes Erneuerbare Energien, und weiteren Mitstreitern, hat er vor einigen Jahren die Westfalen Wind GmbH gegründet. Die will mit neuen Beteiligungsmodellen eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung erreichen.

Info

Friedbert Agethen

  • Friedbert Agethen ist Geschäftsführer von mittlerweile acht Windparks in der Region Paderborn.
  • Nach dem Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus sowie einer Weiterqualifizierung zum Steuerfachangestellten und mehrjähriger Arbeit in einem Büro machte er sich mit der Wintax Steuerberatungsgesellschaft selbstständig.


Der Bürgerwindpark in Büren-Wewelsburg mit elf Anlagen und einer installierten Leistung von 25,3 Megawatt bedeutete 2011 das Startprojekt. Mittlerweile haben die Gesellschafter die Bürgerwind Westfalen Genossenschaft gegründet. Mit einem Darlehen von drei Millionen Euro ist sie am Wewelsburger Windpark beteiligt. Die Zahl der Genossenschaftsmitglieder ist inzwischen auf 400 angestiegen. Mit dem neuen Bürgerwindpark zwischen Büren-Weiberg und -Hegensdorf – 5 Anlagen, 11,5 Megawatt – sollen weitere dazukommen. Für das dritte große Projekt bei Bad Wünnenberg-Leiberg hat der Kreis Paderborn Genehmigungen für rund 20 weitere Anlagen erteilt.


Für interessierte Bürger ist die risikoärmere Variante eine Mitgliedschaft in der Genossenschaft. Die Mindesteinlage beträgt 500 Euro. "Dafür gibt es eine stabile jährliche Rendite von fünf Prozent – unabhängig vom Windertrag", sagt Vorstandsmitglied Catharina Hoff. Zudem würden Zins- und Dividendenzahlungen an die Mitglieder weitergegeben. Jedes Mitglied hat ein Stimmrecht unabhängig von der Höhe des Anteils. Die Kündigungsfrist beträgt zwei Jahre zum Ende des Geschäftsjahres.

Für Kommanditisten beträgt die Mindestbeteiligung 10.000 Euro. Die Rendite ist abhängig vom Windertrag, wird von Agethen auf "jährlich rund sechs Prozent" beziffert. Die Kapitalbindung beträgt 20 Jahre. Gründungskommanditist Lackmann sieht "kein großes Risiko". Schließlich bauten die Beteiligten seit 20 Jahren Projekte auf. Bei einem weiteren in Altenbeken-Buke seien Anlagen aus dem laufenden Geschäft heraus finanziert worden.

Erneuerbare Energien

Genossenschaft & Co.

EIN KOMMENTAR VON KARL FINKE

Das frühe Wirtschaftsmodell geriet in der öffentlichen Wahrnehmung trotz Volksbanken und Raiffeisen vielleicht schon mal aus dem Blickpunkt. Mit den erneuerbaren Energien erleben die Genossenschaften einen neuerlichen Aufschwung. Mit ein paar hundert Euro kann Otto Normalverbraucher fast ohne Risiko teilhaben an den Gewinnen aus der Stromerzeugung durch Windkraft und Photovoltaik.

Auf der vom Wind begünstigten Paderborner Hochfläche finden die Projektentwickler das Modell auch als geeignet, bei den Bürgern mehr Bereitschaft für die Riesenrotoren in der Nachbarschaft zu erreichen. Alle sogenannten Bürgerwindparks in Büren und Bad Wünnenberg sind bekanntlich gegen den Willen der Kommunen vor Gericht erstritten worden. Wer sich als Genossenschaftler beteiligt und damit auch in Euro profitiert, kann die Stimmung positiv beeinflussen.

Mit einem anderen bewährten Modell haben die Gesellschafter erst gerade begonnen. Eine Stiftung schüttet ihre Erträge an Institutionen, Vereine und Verbände vor Ort aus.

Ihre Mail an den Autoren: karl.finke@ihr-kommentar.de


Kommentare
Die ganzen Windkraftbetreiber sind eine geschlossen Mafia ähnliche Gesellschaft, deren eigene Profite im Vordergrund stehen. Von wegen Genossen ab 500€oder Beteiligungen ab 10.000€. Schaut man auf deren Web-Seite, steht dort klar, das es zur Zeit keine Möglichkeiten einer Beteiligung gibt. Und das ist schon seit Jahren so, neue im Club unerwünscht. Seit man in Etteln gemerkt hat, das man so nicht weiter kommt, werden Pseudo-Beruhigungs Pillen angeboten, die es dann nicht gibt, nur um mehr Akzeptanz zu gewinnen und den eigenen Geldbeutel zu vergrößern. Was man bei den großen 4 Energieversorgern von oben gelernt hat, strampelt man nach unten weiter.Windparks sollten nur noch genehmigt werden, wenn Bürger und somit die Umwelt nachweislich zu 50% beteiligt werden. Das sollte auch aktuell für Wünnenberg gelten.


WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder





Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren
Rheda-Wiedenbrück/Dissen
Übernahme von Gausepohl durch Tönnies geplatzt
Deutschlands größter Fleischkonzern Tönnies wird das Rindfleisch-Geschäft des niedersächsischen Schlachtbetriebs Gausepohl nicht übernehmen. mehr




Anzeige

Videos
Anzeige
Wirtschaft
Bahn-Gewerkschaft EVG droht mit Streiks vor Weihnachten
Berlin - Bei der Bahn könnte es auch in der Adventszeit zu massiven Streiks kommen. "Es liegt am Arbeitgeber. Wir können auch vor Weihnachten noch... mehr

Draghi und China befeuern den Dax
Frankfurt/Main - Der Dax hat mit einer fulminanten Rally am Freitag das größte Wochenplus seit gut einem Jahr eingefahren. Auslöser dafür waren... mehr

Erste Burger King-Filialen machen vorerst dicht
München - Beim gekündigten Burger-King-Franchisenehmer Yi-Ko haben die ersten Filialen dicht gemacht. Der Grund sei... mehr

Uber will Taxi-Minijobs und keine Ortskenntnisprüfung mehr
Berlin/Madrid - Der umstrittene Fahrdienst-Vermittler Uber dringt auf eine Reform des Personenbeförderungsgesetzes in Deutschland. "Das sind ziemlich... mehr

Bericht: BER eröffnet möglicherweise erst 2018
Berlin - Der neue Hauptstadtflughafen könnte einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge frühestens Mitte 2017 eröffnen... mehr


Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige



Jobs bei der NW


Zeitungsdruck Rotationsdruck Rheinisches Format   NW Logistik